Studie: Kinderspielportale mit problematischer Werbung

Auf jeder zweiten geprüften Kinderspielseite im Internet gibt es Probleme mit der Werbung. Das hat aktuell eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) ergeben.

Geprüft hatte der Verband insgesamt 52 Internetauftritte für Kinder. Der vzbv wollte wissen, ob die Betreiber von Kinderspieleseiten die gesetzlichen Standards in Bezug auf Werbung und Datenschutz einhalten. Ergebnis: Werbung und redaktionelle Seiteninhalte sind in vielen Fällen nicht hinreichend getrennt. Außerdem werden bei der Teilnahme an Gewinnspielen zu viele persönliche Daten abgefragt.
 „Es ist schon erschreckend, wie hemmungslos manche Anbieter die Unerfahrenheit von Kindern für Geschäfte ausnutzen“, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen. Der vzbv hatte 29 Unterlassungsverfahren eingeleitet, davon konnten 17 Verfahren durch außergerichtliche Unterlassungserklärung erledigt werden; die Betreiber haben ihre Seiten entsprechend geändert. In acht Fällen hat der vzbv Klage erhoben. Inzwischen liegen sieben Urteile vor, von denen ein Urteil rechtskräftig ist.

Was darf abgefragt werden?
Exemplarisch hat der vzbv zwei Gerichtsverfahren eingeleitet. Er will geklärt wissen, ob Kinder für die Teilnahme an einem Gewinnspiel zur Angabe von Alter und Adresse verpflichtet werden können. „Kinder müssen vor unzulässigen Datenabfragen geschützt werden“, fordert Carola Elbrecht vom Projekt „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“. Notfalls müssten gesetzliche Regelungen Rechtsklarheit schaffen: „Die Verabschiedung der EU-Datenschutzgrundverordnung wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“ Danach dürfen personenbezogene Daten von Kindern unter 13 Jahren nur mit Einwilligung der Eltern erhoben werden.

Vom Spiel direkt zur Werbung
Besonders kritisch bewertete der vzbv, dass die Kinder häufig spielerisch über interaktive Animationen oder ein Quiz zu Vertragsangeboten geführt werden oder Werbung unerwartet als Videosequenzen vor Spielbeginn eingeblendet wird. Dabei sei die Werbung für Kinder oft nicht als solche erkennbar.

Medienkompetenz von Kindern stärken
 „Unternehmer sollten bei Ihren Webseiten immer das besondere Schutzbedürfnis der Kinder im Blick haben und ihre Fürsorge- und Kontrollpflichten erfüllen“, sagt vzbv-Vorstand Billen. „Jegliche Werbung gegenüber Kindern muss mit Augenmaß erfolgen.“ Vor allem jüngere Kinder müssten den Umgang mit ihren eigenen Daten und den Schutz ihrer Privatsphäre erst erlernen. Hier seien auch Eltern und Pädagogen gefordert, die Medienkompetenz von Kindern und deren Urteilsvermögen in Bezug auf Werbung zu stärken.

Das Projekt wird finanziell gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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