Vorsicht bei Free-to-Play-Games

Handlungsempfehlungen des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V. für den Bereich Free-to-Play-Games

Der Markt der Computerspiele verändert sich auch durch neue Gamedesignsätze im Bereich der Monetarisierung. Einer dieser neueren Ansätze sind so genannte Free-to-Play-Games. Diese können bis zu einem gewissen Grad ohne Bezahlung gespielt werden, erfordern im weiteren Spielverlauf jedoch für mehr Features, mehr Optionen, etc. reale Geldbeträge. Das wird in Free-to-Play-Games häufig offensiv beworben mit Sätzen wie „Schnapp Dir die günstige Gelegenheit und verpasse Deiner Rüstung & Waffen das gewisse Etwas“. Laut BGH ist solche In-Game-Werbung, die sich mit einer direkten Aufforderung, Geld zu investieren an Kinder richtet, unzulässig (Urt. v. 17.07.2013-Az.: I ZR 34/12). „Kaufentscheidungen werden häufig aus dem immersiven Spielerleben heraus getroffen und sind somit kaum oder gar nicht reflektiert“ so der Soziologe Michael Dreier. Gerade aber bei Kindern erfreuen sich solche Spiele großer Beliebtheit.

Free-to-Play-Games sind nach klassischen MMORPGs die am häufigsten suchterzeugende Onlinespieleanwendung. Emotionalen Probleme, Verhaltensprobleme (auch mit Gleichaltrigen), eine höhere Hyperaktivität sowie ein geringeres prosoziales Verhalten sind vielfach Begleiterscheinungen einer abhängigen Nutzung. „Dysfunktionale Bewältigungsstrategien wie Selbstablenkung oder Verleugnung tragen zu einem Aufrechthalten des abhängigen Spielens bei und verschärfen die psycho-sozialen Belastungen Betroffener und Ihrer Familien“, berichtet das Vorstandsmitglied des Fachverbandes Medienabhängigkeit. Daher ist es wichtig, Handlungsempfehlungen auszusprechen, die über den Gesetzgeber Eingang in die Spieleentwicklung finden.

Folgende Kernpunkte hält der Fachverband Medienabhängigkeit in seinem Positionspapier fest:

  • Keine Verschleierung der tatsächlichen Geldbeträge durch In-Game-Währungen
  • In-Game-Anzeige über insgesamt investiertes Geld nach dem Login
  • Rückblick Warenkorbanzeige
  • Keine 1 Klick-Käufe
  • Nicht zwei, sondern drei Optionen aufzeigen (1. kostenlos spielen, 2. Geld aufwenden, 3. das Spiel beenden) -> insbesondere für Kinder und Jugendliche von Bedeutung
  • Ranglisteninformation über Echt-Geld-Einsatz auf Accounts
  • Rückgaberecht für ungenutzte In-Game-Käufe

Weitere Information:

Positionspapier

Präsentation zum Thema „Internetsucht

Impressum/Kontakt:

Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

c/o Medizinische Hochschule Hannover Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie; Carl-Neuberg-Str. 1 30625 Hannover; Tel.: 0511-532-2427;Fax: 0511-532-8573