Warum Spiele wie „Clash of Clans“ ein hohes Suchtpotenzial bergen

Mittagspause in einer Ganztagsschule. Einige Schüler haben sich in eine Ecke des Klassenraums zurückgezogen. Die Schüler zücken ihre Handys und fragen ungeduldig: „Wer hat eine Flat und macht den Hotspot auf?“ Nachdem sich ein Schüler bereit erklärt hat, können sich die anderen darüber einloggen und online „Clash of Clan“ spielen.

Aktueller Newsbeitrag zum Thema "Was Eltern über beliebte Online-Strategiespielen wie Clash Royale wissen sollten" (Stand 19.12.2016)

Mehrspieler-Online-Strategiespiele nach dem Vorbild von „Clash of Clans“ liegen voll im Trend. Besonders unter den 10 - 12 Jährigen gibt es begeisterte Anhänger. Die kostenlose Spiele-App ist bei iTunes und im Google play Store erhältlich und auf den gängigen Smartphones oder Tablets spielbar. Obgleich das Spiel frei erhältlich ist, gehörte es durch die zahlreichen In-App-Käufe zu den umsatzstärksten Apps. Die Altersempfehlung für das Spiel liegt zwischen neun Jahren (iTunes) und 13 Jahren (Google Play Store). Der pädagogische Spieleratgeber NRW empfiehlt ein Mindestalter von zehn Jahren.

Was macht den Reiz von Clash of Clans aus?
Clash of Clans ist ein Echtzeit-Strategiespiel im Comicstil. Die Spieler bauen Dörfer auf und verteidigen diese gegen Feinde (andere Spieler in Clans). Zur Verteidigung müssen Truppen ausgebildet und in den Kampf geschickt werden. Die Spielenden arbeiten in Clans zusammen, indem sie beispielsweise einander Truppen schicken und im Chat mit den anderen Clan-Mitgliedern ihre Handlungen aufeinander abstimmen. Die Spieler gründen entweder einen eigenen Clan oder treten einem Clan bei. Bei einem erfolgreichem Angriff auf ein anderes Dorf erhalten sie Ressourcen und Pokale. Ab einer bestimmten Anzahl von Pokalen steigt der Clan in der Rangliste eine Liga auf. Unter den Mitgliedern besteht ein Machtgefälle: als Clanältester ist man beispielsweise befugt, Mitglieder auszuschließen und als Anführer eines Clans darf man Mitglieder befördern oder degradieren.

Problematik: In-App-Käufe
Eine notwendige Aufgabe im Spiel ist es, Ressourcen zu sammeln. Die Ressourcen in Form von Gold oder Elixier benötigt man etwa, um Gebäude aufzurüsten oder Truppen auszubilden. Die wertvollste Ressource „Juwelen“ kann mit echtem Geld (In-App-Kauf) gekauft werden: ein Juwelenhaufen kostet beispielsweise 4,49€, die Juwelentruhe hat einen stolzen Preis von 89,99€. Mit dem Einsatz von Juwelen beschleunigt man die Aufbau- bzw. Aufrüstungsprozesse. Somit sind die In-App-Käufer unter den Spielern klar im Vorteil.

Problematik: Zeitmanagement
Um aktiv am Spiel mitzuwirken, benötigt man eine Internetverbindung. Das Spiel läuft in Echtzeit d.h. das Spielgeschehen entwickelt sich auch dann weiter, wenn man nicht online ist. So können Angriffe auf das eigene Dorf stattfinden oder es wird weiter gebaut, während man offline ist. Über den aktuellen Spielverlauf wird man mittels Push-Nachrichten informiert. Wenn man offline ist, besteht außerdem die Gefahr, dass Ressourcen geplündert werden. Möchte man also bei einem Echtzeit-Strategiespiel wie Clash of Clans erfolgreich mitspielen, sollte man möglichst oft online sein. Die hohe Spielfrequenz und Bindung an das Spiel sorgt wiederum für Konflikte im Familienalltag. Während die Eltern verärgert sind, weil das Handy ein ständiger Fix- und Beschäftigungspunkt für die Kinder ist, feilschen viele Kinder um jede Minute Spielzeit.

Suchtfaktor
Im Chat mit den Clan-Mitgliedern werden über die gemeinsamen Spielerfolge häufig positive Beziehungen aufgebaut. Andererseits können auch problematische Aspekte des Chattens wie gefährliche Kontaktanbahnungen oder Cyber-Mobbing beim Chatten in Clash of Clan auftreten. Zudem könnte ein sozialer Druck entstehen, so oft wie möglich online zu sein, um dem Clan behilflich zu sein. Daher ist es wichtig, die jungen Spielerinnen und Spieler im Alltag aufmerksam zu begleiten und auf exzessives Spielverhalten zu achten. Besonders diejenigen Kinder, die beim Spiel einen hohen Ehrgeiz entwickeln, laufen Gefahr ihrem Erfolgsdruck durch andauerndes Spielen und In-App-Käufen zu unterliegen.

Fazit: Eine Begrenzung der Spielzeit ist besonders bei Clash of Clans unbedingt empfehlenswert. Klare Regeln sollten auch in Bezug auf In-App-Käufe besprochen werden. Zur Sicherheit können Eltern In-App-Käufe durch Voreinstellung am Smartphone oder Tablet verhindern.

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