Was Sie über die App Houseparty wissen müssen

Plötzlich ist sie wieder in den Top 10 der App-Stores. Die App für Gruppenvideo-Telefonie namens Houseparty. Während der Corona-Krise ist die Nachfrage nach einfachen Applikationen für Videotelefonie rasant in die Höhe geschossen und auch Houseparty erfreut sich aktuell großer Popularität - besonders bei Kindern und Jugendlichen. Ohne die richtigen Privatsphäre-Einstellungen und Verhaltensregeln, ist die Nutzung dieser App allerdings gefahrenbehaftet.

Was ist Houseparty?

Bei der App Houseparty handelt es sich um eine Plattform für Video-Telefonie in Gruppen. Für die Nutzung legt man einen Account an (der optional mit Snapchat verbunden ist), eröffnet einen virtuellen Video-Raum und lädt dann bis zu sieben zusätzliche Freunde oder Freundinnen ein. Gemeinsam kann dort geplaudert, gechattet oder auch gespielt werden.

Warum ist Houseparty gerade so beliebt?

Auch wenn die App aktuell nur auf Englisch verfügbar ist, passt sie gerade sehr gut in die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen. Schließlich heißt es aktuell: zu Hause bleiben und physischen Sozialkontakt vermeiden! Das bedeutet aber nicht, dass man auf die besten Freundinnen und Freunde verzichten muss – im Gegenteil: Diese sind gerade jetzt besonders wichtig. Und da hilft Houseparty, diese zumindest digital ins eigene Zimmer zu holen. Die Funktionalität der App ist auf das Wesentliche reduziert: das gemeinsame Abhängen, Austauschen mit Videos und Spielen von Minigames.

Gibt es eine Altersbeschränkung?

Offiziell darf Houseparty nicht von Personen unter 13 Jahren genutzt werden. Dieses Mindestalter spielt allerdings in der Praxis kaum eine Rolle, da auch jüngere Kinder die App problemlos herunterladen und nutzen können.

Welche Risiken gibt es bei der Nutzung?

  • Kostenfallen:
    Obwohl die App kostenlos ist, kann man mit In-App-Käufen in den Spielen diverse Erweiterungen kaufen, sodass sich die Ausgaben schnell häufen können.
  • Unerwünschte Teilnehmer oder Teilnehmerinnen:
    Wenn ein Raum nicht verschlossen ist, kann jede digital bestätigte Freundin bzw. jeder Freund einfach in den Video-Chat eintreten. Aber auch Freunde von teilnehmenden Freunden, also für den eigentlichen Ersteller des Chatraums vollkommen unbekannte Personen, können beitreten. Das Schloss-Symbol sollte hier genutzt werden, um Chaträume abzusichern. Wenn nun Fremde versuchen beizutreten, ist das nicht mehr so einfach möglich, sondern muss zunächst durch den Administrator der Gruppe bestätigt werden.
  • Unerwünschte Kontaktaufnahme:
    Die App bietet die Möglichkeit, per Namen nach Nutzerinnen und Nutzern zu suchen. Dabei werden auch Accounts von fremden Personen angezeigt. Diese Funktion lässt sich nicht deaktivieren. Auch die Suche nach Personen in der näheren Umgebung ist möglich, wenn diese Option nicht deaktiviert wurde (siehe Tipps unten). Durch diese Funktionen können Fremde Freundschaftsanfragen an Kindern und Jugendlichen senden - es besteht also die Gefahr von Cyber-Grooming (siehe Weitere Informationen unten).
  • Belästigung:
    Neben der Video-Funktion können auch Chats genutzt werden, um andere Personen zu kontaktieren. Die App bietet in dem Fall die Möglichkeit, Personen zu entfreunden bzw. auch zu blockieren oder zu melden.
  • Überwachung:
    Mit der Funktion "Ghosting" kann eingestellt werden, wer sehen darf, ob man die App gerade nutzt oder nicht.
  • Unerwünschte Aufnahmen:
    In der App gibt es die Möglichkeit, seinen Bildschirm abzufilmen und entweder lokal zu speichern oder auf anderen Messenger (Facebook Messenger, Google-Hangout, Zoom etc.) zu teilen. Die anderen Teilnehmer oder Teilnehmerinnen werden darüber nicht informiert.
  • Datenweitergabe:
    Die App sammelt fleißig Daten und übermittelt diese z.B. an Facebook (siehe Weitere Informationen unten).

Tipps für die Nutzung

  • Vor Nutzung der App sollten Sie sich mit Jugendlichen darüber austauschen, was Gespräche mit guten Freunden von Gesprächen mit Bekannten oder gar Fremden unterscheidet. Welche Themen eignen sich und welche Themen sind unter Umständen unangemessen? Auch Handlungsmöglichkeiten beim Auftreten von Unsicherheiten oder unangenehmen Situationen (zum Beispiel den Videochat beenden, Nutzer melden bzw. blockieren oder sich an erwachsene Vertrauenspersonen wenden) sollten im Vorfeld besprochen werden. Da Houseparty viele Möglichkeiten bietet, von Fremden kontaktiert zu werden, sollten der Umgang mit solchen Kontaktanfragen besprochen werden.
  • Achten Sie darauf, dass keine Personen ungefragt plötzlich im eigenen Live-Video auftauchen. Das gilt zum Beispiel auch für jüngere Geschwister.
  • Vereinbaren Sie gemeinsame Regeln (z. B. keiner darf ohne zu Fragen Screenshots machen oder die Video-Konferenz aufzeichnen).
  • So melden und blockieren Sie Kontakte oder Chats: Durch Schütteln des Handys ist es möglich, einen Videochat zu melden. Die App macht in diesem Fall automatisch einen Screenshot, um das unangemessene Verhalten zu dokumentieren. Ein Melden oder Blocken ist auch im Nachhinein möglich. Dazu wählt man links oben das Smiley-Symbol an, geht auf "My Friends" und wählt den Kontakt aus, den man Blockieren oder Melden möchte. Rechts neben dem Namen werden drei Punkte angezeigt, die man anwählen muss, um aus den beiden Optionen auszuwählen.
  • Nehmen Sie wichtige Privatsphäre-Einstellungen vor (zu finden links oben beim Smiley-Symbol):
    • Manage Notification: Hier kann eingestellt werden, wer sehen darf, dass man sich gerade angemeldet hat.
    • Rotes Zahnrad (links oben): Am besten alle Punkte deaktivieren außer „Camera and Mic“ und optional „Notification“.
    • "Private Mode" aktivieren: Dieser erstellt automatisch ein Schloss für einen neuen Chatraum, sodass keine uneingeladenen Gäste hinzutreten können.

Dieser Artikel basiert auf Informationen unserer Partner im europäischen Netzwerk. Wir bedanken uns beim österreichischen und britischen Safer Internet Centre. 

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