Parler, 8kun, Telegram & Co. – Die Rolle alternativer Netzwerke bei der Verbreitung von Hass & Hetze

14.01.2021 | Twitter und Snapchat haben den Account von Donald Trump bis auf Weiteres gesperrt. Das alternative Online-Netzwerk Parler ist offline. Die Rolle und Verantwortung von Sozialen Medien im Kampf gegen Hass und Hetze steht seit dem Sturm auf das Kapitol wieder im Fokus aktueller Debatten. Zugleich wird diskutiert, inwieweit das Sperren oder Löschen von Accounts bei Twitter, Facebook & Co Verschwörungsideolog:innen und Rechtsextremist:innen zu unmoderierten Online-Diensten treibt. Um welche alternativen Dienste geht es dabei? Wir geben einen kurzen Überblick und zeigen, wie man gegen Hass im Netz aktiv werden kann.

Mit einem neuen Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität sollen in Deutschland die Anbieter sozialer Netzwerke künftig stärker in die Pflicht genommen werden, gegen Hass und Hetze vorzugehen. Auf der anderen Seite wird diskutiert, ob die Sperrung des Twitter-Accounts vom Noch-Präsidenten Donald Trump mit der Meinungsfreiheit vereinbar sei. Twitter setzt damit ein Zeichen gegen Hetze und Gewalt, für die der Dienst Trump nach dem Sturm auf das US-Kapitol mitverantwortlich macht. Organisiert wurde die Aktion von militanten Trump-Anhänger:innen v.a. in alternativen Netzwerken, wie z.B. Parler, einem insbesondere in den USA beliebten Netzwerk der politischen Rechten, oder auch dem Imageboard 8kun.

Dass sich Menschen aus dem extremistischen Spektrum sowie Verbreiter:innen von Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen zunehmend von großen Social-Media-Plattformen abwenden ist nicht neu. Auch in Deutschland nutzen Verschwörungsideolog:innen und Anhänger:innen der rechten Szene zunehmend alternative Online-Dienste. Besonders beliebt in Deutschland ist Telegram als Alternative zu WhatsApp sowie auch das mehrsprachige soziale Netzwerk VK als Alternative zu Facebook. Beide Plattformen spielten in Deutschland unter anderem auch beim sogenannten „Sturm auf den Reichstag“ im August 2020 eine große Rolle. Gemeinsam haben solche Plattformen vor allem eines: Es findet kaum oder gar keine Regulierung von Inhalten statt – Hass, Hetze, Verschwörungserzählungen sowie rechtsextremistische und antisemitische Propaganda können sich so leicht verbreiten.

Alternative Netzwerke

Parler

Parler (abgeleitet aus dem französischen „parler“, also „reden“) ist eine Mikroblogging-Plattform. Der 2018 gegründete US-Dienst hatte zuletzt wachsende Nutzungszahlen. Hintergrund war dabei auch das verstärkte Vorgehen gegen Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen seitens Twitter, Facebook und YouTube nach der US-Wahl im November 2020. Vor allem bei Anhänger:innen der rechtsradikalen Szene und Anhänger:innen der QAnon-Bewegung ist bzw. war diese Plattform zuletzt beliebt. Als Reaktion auf die Geschehnisse in Washington am 6. Januar sperrte Google die App in seinem Playstore, schließlich folgte auch Apple und zuletzt zog Amazon Parler den Stecker.

8kun (bis November 2019 8chan)

Wer sich u.a. mit den Anschlägen im März 2019 in Christchurch und im Oktober 2019 in Halle beschäftigt, kommt wahrscheinlich mit dem Namen 8kun bzw. 8chan in Berührung. Beide Attentäter nutzten das Imageboard, welches sich aus vielen von Nutzern erstellten Foren zusammensetzt. Die Plattform ist zurzeit wohl das mitunter beliebteste Netzwerk bei Anhänger:innen der QAnon-Bewegung. Das rührt auch daher, dass eine anonyme Person mit dem Profilnamen „Q“ seit 2017 über 8kun Falschbotschaften zu den angeblichen „Deep State“ und geheime Machenschaften der sogenannten Elite verbreitet. Auch auf 8kun wurde u.a. von QAnon-Anhänger:innen zum gewaltsamen Angriff auf das US-Kapitol aufgerufen und anschließend zahlreich Bilder aus dem Kongressgebäude geteilt.

Gab

Gab ist ein Kurznachrichtendienst, der ähnlich wie Twitter und Reddit funktioniert. In Deutschland wird das amerikanische soziale Netzwerk, welches sich als „The Free Speech Social Network“ bezeichnet, noch verhältnismäßig wenig genutzt. Nach aktuellen Recherchen des BR ist die größte deutschsprachige Gruppe eine mit Namen „DEUTSCH!“, wo es nicht lange brauche bis man mit Holocaust-Vergleichen konfrontiert würde. Gab, 2016 gegründet, wurde medial vor allem nach dem Anschlag in der Pittsburgher Synagoge bekannt. Der Attentäter, der im Oktober 2018 elf Menschen tötete, hatte seine Pläne vorab auf Gab angekündigt.

VK

Das aus Russland stammende soziale Netzwerk VK ist mit etwa 400 Millionen Nutzenden eine der größten Social Media Plattformen weltweit. Etwa 3,7 Millionen Nutzer:innen aus Deutschland gab es Anfang 2020, Tendenz steigend. VK ist hinsichtlich Aufbau, Aussehen und der Nutzung Facebook sehr ähnlich. Nutzer legen Profile an und können dann Texte, Fotos, Musik, Videos usw. posten. Nach einer Analyse von jugendschutz.net aus dem Jahr 2017 werden auf VK offen rechtsextreme und menschenverachtende Inhalte und Verschwörungsideologien verbreitet. Die Betreiber:innen löschen strafrechtlich relevante Inhalte eher selten. Im Jahr 2020 finden sich auf VK auch zahlreich Nutzer:innen, die Verschwörungserzählungen zur Corona-Pandemie verbreiten.

Telegram

Telegram ist eine der meistgenutzten Messenger-Alternativen zu WhatsApp. In den USA haben rechtsextremistische Telegram-Gruppen aktuell einen starken Zuwachs an Nutzer:innen. Der Dienst gehört auch in Deutschland zu den zentralen Kommunikationsplattformen der rechtsextremistischen Szene und ist beliebt unter Verbreiter:innen von Verschwörungsideologien, wie z.B. Attila Hildmann (mit aktuell über 114.000 Gruppen-Mitgliedern). Das liegt auch an den technischen Möglichkeiten: Während WhatsApp Gruppenchats auf 256 Teilnehmer:innen begrenzt und vielfach geteilte Meldungen mit Warnhinweisen markiert, gibt es bei Telegram keinerlei Reglementierungen und auch kaum Unternehmungen, gegen Falschmeldungen, Hass und Hetze vorzugehen.

Rumble

Die kanadische Videoplattform Rumble ist in Deutschland noch nicht sehr bekannt. Rumble ist in den USA und Kanada hauptsächlich zur Lizenzierung und Verbreitung professioneller Videos genutzt worden. Seit Ende letzten Jahres erlebt die Plattform einen Nutzer:innenansturm und steht in der Kritik, denn hochgeladene Inhalte werden kaum überprüft. Das lockt aktuell auch einige deutsche Nutzer:innen zu Rumble, die YouTube seit der Löschung diverser verschwörungsideologische Videos und Kanäle für angebliche „Zensur“ kritisieren.

Was tun gegen Hass, Hetze, Verschwörungsideologien und Extremismus?

Menschenverachtende, extremistische und antisemitische Aussagen, Hass und Hetze sollten nie einfach so stehen bleiben. Und auch wenn so manch ein Online-Dienst kaum oder gar nicht dagegen vorgeht, kann man selbst aktiv werden und Inhalte über verschiedene Internetbeschwerdestellen melden:

Viele weitere Initiativen gegen Hate Speech sowie weitere Meldestellen gibt es in der Übersicht.