NEU: Unsere Regeln für den Videochat

Durch die COVID-19-Pandemie und die daraus resultierenden Schulschließungen im März 2020 sahen sich Schulen mit der Aufgabe konfrontiert, Schüler:innen digital zu beschulen. In den ersten Monaten ging es zunächst um vornehmlich organisatorische und technische Fragen zur praktischen Umsetzung des Distanzunterrichts: Welche Programme sind geeignet? Benötigt man Einverständniserklärungen? Haben alle Kinder die benötigten Geräte? Mit zunehmender Routine trat eine andere Frage in den Vordergrund: Welche Regeln brauchen wir, damit Online-Distanzunterricht gut funktioniert?

Was unterscheidet Distanz- und Präsenzunterricht?

Fehlen von sozialer Kontrolle: Während im Klassenraum Schüler:innen von anderen Kindern und dem Lehrpersonal physisch umgeben sind, haben sie vor dem Computer eher das Gefühl, unbeobachtet zu sein. Dieses Gefühl von Anonymität kann Fehlverhalten begünstigen. Verbindliche und transparente Regeln können hier helfen, einer Mentalität von „Was nicht verboten ist, ist erlaubt“ entgegenzuwirken.

Bisherige Erfahrungen mit digitaler Kommunikation: Gerade ältere Kinder und Jugendliche haben oft schon vielfältige Erfahrungen mit digitaler Kommunikation gesammelt, nahezu ausnahmslos in nicht-schulischen Kommunikationsräumen. In einigen davon (zum Beispiel in Gaming-Chats) hat sich seit Jahren ein sehr toxischer Umgangston etabliert. Im analogen Leben ist Schüler:innen intuitiv klar, dass im Klassenraum andere Kommunikationsregeln gelten als zum Beispiel beim gemeinsamen Fußballspiel mit Gleichaltrigen. Bei der Kommunikation am Computer erschließt sich das nicht zwingend intuitiv, da die Kommunikationssituation am Computer die gleiche ist. Auch hier hilft es Schüler:innen die angemessene Form der Kommunikation zu wählen, wenn klare Regeln dafür aufgestellt wurden.

Unzureichende Kenntnis von rechtlichen Grundlagen: Online-Unterricht führt dazu, dass manche Rechtsverstöße, die im regulären Schulalltag eine untergeordnete Rolle spielen, eine größere Relevanz bekommen. So sollten Schüler:innen wissen, das Bild-, Video- oder auch Tonaufnahmen ohne Einverständnis der aufgenommenen Person strafbar sind. Auch strafbar ist die Verbreitung von Pornografie, Gewaltverherrlichung und von verfassungsfeindlichen Symbolen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, für grundsätzliche Regeln des Urheberrechts zu sensibilisieren.

klicksafe-Materialien "Unsere Regeln für den Videochat"

Mit dem Plakat „Unsere Regeln für den Online-Unterricht“ möchte klicksafe helfen, den digitalen Unterricht positiver zu gestalten. Da jede Lerngruppe ihre individuellen Bedürfnisse hat, haben wir drei wichtige Regeln vorformuliert. Weitere Regeln können im Klassenverband individuell ausgehandelt und formuliert werden. So ist garantiert, dass die Regeln auch die bestehenden Probleme adressieren. Zudem wird es Schüler:innen leichter fallen, sich an Regeln zu halten, die sie selbst für sich aufgestellt haben und deren Sinn sich ihnen erschließt.

Hintergrundbild für den Videochat

Solange das Aufhängen von Postern mit gemeinsam Regeln im Klassenraum nicht möglich ist, können sich Lehrkräfte mit unserem Videochat-Hintergrund behelfen. Auf diesem Hintergrund sind die drei wichtigsten Regeln für den Videochat festgehalten und sind so für alle Teilnehmenden präsent.

Exemplarische Anleitung für die Anwendung in MS Teams:

  • Speichern Sie das Hintergrundbild "Unsere Regeln für den Videochat" auf Ihrem Computer.
  • Wählen Sie beim Einrichten Ihrer Video- und Audioeinstellungen vor der Teilnahme an einer Besprechung auf die Option „Hintergrundeffekte“.
  • Klicken Sie nun auf "Neu hinzufügen" und wählen Sie das gespeicherte Bild "Unsere Regeln für den Videochat" aus.
  • Sie können sich auch eine Vorschau des ausgewählten Hintergrunds anzeigen lassen, um zu sehen, wie dieser aussieht, bevor Sie ihn anwenden.

Weitere Ideen für individuelle Regeln

Video- und Audioeinstellungen

Wann müssen die Kameras ein- oder ausgeschaltet sein? Wie verhält es sich mit den Mikrofonen?

Weitere Kommunikationsregeln

Welche Themen dürfen im Chat behandelt werden (zum Beispiel nur schulische Themen)? Sind online-typische Abkürzungen und Emojis in der Schriftform erwünscht oder nicht? Wie werden Wortmeldungen ermöglicht (z. B. mit Handzeichen melden)?

Notfallplan für Unterrichtsstörungen

Welcher Ablauf tritt in Kraft, wenn eine fremde Person den Unterricht stört? Wie sollen sich die Schüler:innen verhalten? Wo trifft man sich anschließend um das Geschehene zu besprechen?

Umgang mit persönlichen Daten

Wie werden Benutzer:innen-Namen gewählt (nur der Vorname oder ganz anonym)? Welche Details über sich darf man preisgeben? Wie können wir die Persönlichkeitsrechte von anderen Personen (zum Beispiel Geschwisterkinder) schützen?

Einbeziehen von Schüler:innen in die Unterrichtsgestaltung

Können Schüler:innen altersangemessen bei der Organisation helfen? Zum Beispiel durch Sammeln von Wortmeldungen, bei Feedback-Fragen („Könnt ihr die Präsentation sehen?“), beim Betreuen des Warteraums für Zuspätkommende.

Organisatorisches

Wie wird mit verspätetem Erscheinen umgegangen? Welche Konsequenzen hat das wiederholte Nichtbeachten der Kommunikationsregeln?

Digital Well-Being

Sollen festgelegte Pausenzeiten eingeführt werden? Gibt es feste Zeitfenster, in denen die Schüler:innen zur Bewegung motiviert werden? Gibt es schulische Vertrauenspersonen oder außerschulische Hilfsangebote und wie sind sie erreichbar?