Digitale Spiele in der Jugendarbeit– 10 allgemeine Tipps

1. Spielen Sie mit!

Lassen Sie sich von den Jugendlichen einen Crashkurs in digitalen Spielen geben. Sie erklären Ihnen bestimmt bereitwillig, was zu tun ist und um was es geht. Seien Sie nicht frustriert, wenn Sie anfangs immer verlieren – schließlich sind die Spieler Experten und versierter im Umgang mit Maus und Gamepad. Sie werden feststellen, wie dankbar Kinder und Jugendliche sein können, wenn sich ein Erwachsener für ihr Hobby interessiert. Neben dem Spaß können Sie sich ein Bild darüber machen, was an einem Spiel fasziniert und ob Inhalte bespielt werden, die Sie als ungeeignet erachten.

2. Achten Sie auf gesetzliche Vorschriften!

Sie sind dazu verpflichtet, die Einhaltung jugendschutzrelevanter Gesetze zu gewährleisten (siehe hier). Auch sollten Sie darauf achten, dass keine Raubkopien getauscht oder gar in der Einrichtung gespielt werden.

3. Vereinbaren Sie verbindliche Regeln!

Man möchte Kinder und Jugendliche „ins Haus locken“, ihre Lebenswelt thematisieren und sie ernst nehmen. Doch dies schließt die Auseinandersetzung mit den Jugendlichen nicht aus. Bestimmte Regeln durchzusetzen, bedeutet oftmals auch, Konflikte führen zu müssen. In festen Spiel-Gruppen eignen sich Regeln, die gemeinsam ausgearbeitet werden und von allen Teilnehmern akzeptiert und unterschrieben werden müssen. So schaffen Sie eine Verbindlichkeit und haben immer einen „Vertrag“ parat, auf den im Konflikt verwiesen werden kann.

4. Suchen Sie das kritische Gespräch!

Ein digitales Spiele kann ein Anknüpfungspunkt für wertvolle Diskussionen sein. Fragen sie die Spieler ergebnisoffen, warum sie von der Action, die möglichst nah an der realen Welt ausgerichtet ist, so derart fasziniert sind. Ein solcher Dialog kann zu Gesprächen über reale Gewalt führen und helfen, einen Zugang zu konfliktreichen Lebenserfahrungen zu finden. „Was ist, wenn ich das Opfer bin?“ „Wie fühlt es sich an, jemandem ausgeliefert zu sein?“ „Was empfindet der Schwächere in einem Konflikt?“. Auch sollten Jugendliche hinterfragen lernen, was die kommerziellen Interessen der Computerspielbranche sind und wie sie mit ihren persönlichen Daten umgehen.

5. Informieren Sie sich!

Machen Sie sich schlau und recherchieren Sie über das Freizeitinteresse. Zum Einen sollten Erzieher und Pädagogen wissen, welche Spiele momentan „in“ sind, zum Anderen sollten sie über problematische Aspekte Bescheid wissen.

6. Bieten Sie geeignete Spiele an!

Wenn Sie Spiele anschaffen wollen, sollten Sie sich im Vorfeld über geeignete Titel informieren. Denn nicht alle Spiele eignen sich für die Jugendarbeit. In diesem Kontext sind oftmals Spiele mit einem Mehrspielermodus beliebt und begehrt. Besonders bei digitalen Spielen ist darauf zu achten, ob die notwendigen Systemvoraussetzungen erfüllt sind. Bei aktuellen Spielen übersteigen die Anforderungen oftmals die technischen Gegebenheiten in Jugendeinrichtungen.

Welche Spiele für die Jugendarbeit geeignet sein könnten erfahren Sie z. B. auf folgenden Seiten:

7. Seien Sie eine Vertrauensperson!

Digitale Spiele sind ein Teil der Lebenswelt vieler Kinder und Jugendlicher. Sie wollen über ihre Medienerlebnisse berichten (dürfen) und von Erwachsenen ernst genommen werden. Eine vertrauensvolle Basis ist dabei der Nährboden für eine sinnvolle Erziehung.

8. Binden Sie die Eltern mit ein!

Warum nicht mal die Eltern zum Spielen einladen? So erfahren sie mehr über das Freizeitinteresse ihrer Kinder und können nachvollziehen, was sie an den virtuellen Welten fasziniert. Sie als Erzieher oder Pädagoge haben zudem die Möglichkeit in Kontakt mit ihnen zu treten. Nicht zuletzt kann es für die Kinder und Jugendlichen eine reizvolle Erfahrung sein, einmal der Experte zu sein, der seiner Mutter oder seinem Vater zeigt, wo es lang geht.

9. Suchen Sie Anknüpfungspunkte für Aktionen!

Digitale Spiele können auch abseits der Mattscheibe zum Thema in der Jugendarbeit werden. Viele Spiele, die virtuell für Begeisterung sorgen, verweisen auf die alltäglichen Interessen und Träume von Kindern und Jugendlichen – seien es Sport-, Musik-, Knobel-, oder Abenteuerspiele. Dies eignet sich dafür, dieses Interesse aufzugreifen und auch in der Wirklichkeit erlebbar zu machen. Warum nicht zuerst virtuell ein Fußballturnier austragen und anschließend auf dem Bolzplatz kicken? Oder verrückte Konstruktionen aus Denkspielen nachbauen? Oder einfach ein Jump & Run , wie z. B. „Super Mario“ oder „Shrek“ in die Turnhalle verlegen, indem man gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen nach dem virtuellen Vorbild einen Kletterparcours errichtet?

10. Achten Sie auf gesundheitliche Aspekte!

Ein Computerraum sollte mit geeigneten Sitzplätzen und Tischen ausgestattet sein. Auch sind regelmäßige Bildschirmpausen zu empfehlen. So kann man z. B. als Gruppe an die frische Luft gehen und sich die Beine vertreten oder etwas trinken (was allzu gerne während eines spannenden Spiels vergessen wird).