Tipps für Eltern zum Thema digitale Abhängigkeit

Um einer Abhängigkeit vorzubeugen oder einen übermäßigen (noch nicht pathologischen) Gebrauch einzuschränken, können Sie sich an den allgemeinen klicksafe-Tipps für Eltern zur Nutzung von digitalen Spielen orientieren. Weitere Tipps zur Prävention und Intervention einer digitalen Abhängigkeit finden sich in der nachfolgenden Auflistung.

Prävention

Vertrauen stärkt Kinder

Studien zeigen: Heranwachsende, denen Halt und Anerkennung in der Familie oder im Freundeskreis fehlen, suchen den Ausgleich in den Spielen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Eltern genau das im Alltag fördern müssen. Schenken Sie Ihrem Kind Vertrauen! Glauben Sie daran, dass Ihr Kind die Herausforderungen meistert und unterstützen Sie es dabei. Diese Grundhaltung stärkt Ihr Kind, ist die Basis für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Mut, bietet Sicherheit und bringt Entlastung in Konfliktsituationen.

Gelassene Skepsis gegenüber digitalen Spielen

Für Eltern wird es immer schwerer, in der Welt der digitalen Spiele den Überblick zu behalten. Und reißerische Berichte über Abhängigkeit verstärken diese Unsicherheit. Eine Skepsis ist durchaus angebracht, allerdings sind digitale Spiele bei den meisten Heranwachsenden ein Hobby unter vielen. Gehen Sie deshalb nicht vorschnell von einer Abhängigkeit aus, wenn andere Lebensbereiche nicht nachhaltig unter dem Spielkonsum leiden. Für eine Abhängigkeit muss die exzessive Nutzung mehr sein als eine Phase der intensiven Faszination und sich über einen langen Zeitraum manifestieren.

Motive für das Spielen beachten

Warum spielt Ihr Sohn oder Ihre Tochter? Geht es um den Kontakt zum Freundeskreis? Wird im Spiel Spannung und Abenteuer gesucht? Oder erfüllt es eine problematische Funktion wie die Flucht aus dem konfliktreichen Alltag? Achten Sie unbedingt auf solche Aspekte und stellen Sie nicht alleinigst die Spielzeit in den Vordergrund.

Heranwachsende brauchen einen Rahmen

Schon mit jüngeren Kindern sollten Sie einen Zeitumfang für das Konsumieren von digitalen Spielen festlegen. Dieser Rahmen kann nach und nach dem Alter bzw. dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechend angepasst werden. Mit älteren Kindern kann auch über Spielzeiten diskutiert werden. Schließlich sollen die Kinder lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und ihre Mediennutzung selbst zu regulieren.

Auch ein Mediennutzungsvertrag für die Familie oder Spielzeitkonten, über die Ihre Kinder verfügen können, haben sich vielfach bewährt.

Einmal getroffene Vereinbarungen sollten beiderseits verbindlich eingehalten werden. Die Konsequenzen für die Nichteinhaltung getroffener Vereinbarungen sollten ebenfalls gemeinsam verhandelt und festgehalten werden. So kann aus erzielten Kompromissen ein Leitfaden für den Umgang mit Medien in der Familie werden, an den sich alle Familienmitglieder halten. Scheuen Sie dabei keine Konflikte. Eltern haben das Recht, den Medienkonsum sinnvoll zu beschränken, auch wenn sich daraus Streit ergibt. Dies gibt Heranwachsenden Sicherheit. Begründen Sie Verbote, damit Ihr Kind sich ernst genommen fühlt und einsieht, warum Sie Grenzen setzen.

Auch virtuelle Spielkontakte haben Bedeutung

Kinder wachsen heute in einer digital geprägten Gesellschaft auf und haben damit erweiterte Möglichkeiten, soziale Kontakte zu finden und zu pflegen. Rund um die Uhr, regional und global, mit Bekannten und Fremden. Eltern denken oft, nur die physische Begegnung habe einen Wert. Dies hat sich heute verändert. Fördern Sie auch Begegnungen abseits des Bildschirms, beispielsweise durch den Besuch eines Events oder Treffen mit der Community. Vorsicht ist allerdings bei Verabredungen mit Fremden geboten.

Haltung einnehmen

Selbst wenn alle anderen Eltern ein Spiel erlauben, heißt das noch lange nicht, dass Sie es ihnen gleichtun müssen. Hören Sie auf ihr Gefühl und beurteilen Sie die Kompetenzen Ihres Kindes mit Bedacht. Kann es verantwortungsbewusst mit den Verlockungen umgehen, ohne dass andere Verpflichtungen darunter leiden? Und welche Unterstützung braucht Ihr Sohn oder Ihre Tochter von Ihnen?

Schutz durch Technik

Um die Spielzeiten Ihrer Kinder im Auge zu behalten, können zusätzlich technische Schutzmaßnahmen verwendet werden, die in einigen Spielen, Betriebssystemen und Spielkonsolen bereits vorhanden sind. Auch bei Smartphones und Tablets können je nach Betriebssystem entsprechende Einstellungen vorgenommen oder passende Apps installiert werden (siehe Technische Schutzmaßnahmen). Allerdings sind solche Programme kein Rundum-Sorglospaket und erfordern dennoch eine Begleitung.

Vorbildfunktion wahrnehmen

Nutzen Sie die Gelegenheit, um über Ihr eigenes Medienverhalten nachzudenken. Durch die Art und Weise, wie Sie selbst mit Smartphone, TV und anderen Medien umgehen, können Sie ein Vorbild für Ihr Kind sein. Regen Sie eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Medienkonsum in der Familie an: Führen Sie mal gemeinsam ein Medientagebuch, in dem Zeiten, Bildschirmaktivitäten, Erfahrungen oder auch Gefühle zum Spielerleben notiert werden.

Alternativen bieten

Digitale Spiele sind ein Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und dürfen als Hobby darin ihren Platz haben. Sorgen Sie aber auch dafür, dass Ihre Kinder vielfältigen Freizeitbeschäftigungen nachgehen, damit digitale Spiele und Internet keinen zu hohen Stellenwert einnehmen. Bieten Sie Anregung und Alternativen zum digitalen Spiel, um Selbstwirksamkeitserlebnisse im Alltag zu fördern, z. B. in Form gemeinsamer Unternehmungen oder Hobbys wie Sport, Musik und Treffen mit Freundinnen und Freunden. Diese Alternativen müssen jedoch für Ihr Kind interessant sein und Freude bereiten.

Intervention

Signale beachten und Haltung beziehen

Nicht jede durchspielte Nacht bietet Anlass zur Sorge. Achten Sie darauf, ob das Spielen zu Veränderungen, z. B. in Bezug auf schulische Leistungen, Kontakt zu Freunden, Freizeitaktivitäten oder Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten führt. Sollten Sie dafür Anzeichen finden, ist es wichtig, im gemeinsamen Gespräch digitale Spiele nicht „zu verteufeln“. Viele betroffene Jugendliche erkennen nicht, dass ihr Verhalten problematisch ist und können die Folgen nicht überblicken. Machen Sie Ihr Kind im Gespräch auf Ihre Wahrnehmung aufmerksam und sprechen Sie ohne Vorwürfe und mit fundierter Haltung über die Medienangebote. Nur so erreichen Sie Ihr Kind. Und scheuen Sie nicht den Konflikt mit Ihrem Kind. Manchmal müssen Eltern auch Grenzen deutlich aufzeigen.

Nach den Ursachen fahnden

Suchen Sie nach den Gründen für den übermäßigen Konsum. Was fehlt Ihrem Kind im Alltag? Welche nicht befriedigten Wünsche und Bedürfnisse hat es? Wo liegen Sorgen und Probleme? Fehlen Halt und Anerkennung und wie können Sie das gezielt ändern? Fördern und gestalten Sie Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Familie. Ermutigen Sie, zuvor ausgeführte Hobbys wieder aufzunehmen. Aktivitäten, die Gruppenerlebnisse vermitteln, wie Mannschaftssport oder pädagogische Angebote in einer Jugendeinrichtung, bilden ein sinnvolles Gegengewicht zu virtuellen Erlebnissen.

Onlinetests nutzen

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Spielenutzung Ihres Kindes besorgniserregend ist, können Sie verschiedene Tests bzw. Verhaltensbeobachtungen als Grundlage heranziehen. Diese sind jedoch nur als Anregungen gedacht, über das Nutzungsverhalten Ihres Kindes nachzudenken. Verwenden Sie diese Materialien auch, um mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen. Eine gemeinsame, verständnisvolle Auseinandersetzung mit der Mediennutzung ist ein erster und wichtiger Schritt.

Hilfe suchen

Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass Ihr Kind stark gefährdet oder bereits abhängig ist, sollten Sie unbedingt weitere Informationen und professionelle Hilfe einholen. Lassen Sie sich dabei unterstützen, Ihr Kind aus der Medienabhängigkeit herauszuholen. Anlaufstellen sind z. B. Sucht- und Familienberatungen, Kliniken oder Psychologen. Lesen Sie in Internetforen die Berichte und Erfahrungen anderer, von Eltern oder Betroffenen. Das hilft beim Verstehen und zeigt Ihnen, dass Sie mit der schwierigen Situation nicht allein dastehen.