Mobile Gaming

Ein kleiner Rückblick

Smartphones haben mit den Mobiltelefonen von einst nur noch wenig gemein. Konnte mit dem ersten Handy ausschließlich telefoniert werden, sind heutige Geräte wahre Multimediamaschinen. Mit ihnen werden Text- und Bildnachrichten verschickt, Fotos geschossen, Filme geschaut, Termine verwaltet, im Internet gesurft – und auch gespielt. Ein Clip von Handysektor verdeutlicht, was in einem modernen Smartphone alles drinsteckt.

Bis dahin war es allerdings ein langer Weg, immerhin steht bei Mobiltelefonen vor allem die Mobilität im Vordergrund. Die damit einhergehende Miniaturisierung und die für Spiele und Multimedia-Anwendungen notwendige Rechenleistung schlossen sich jedoch lange aus. Mit dem technischen Fortschritt erhielten digitale Spiele Einzug auf das Handy. Auf den ersten Mobiltelefonen waren bereits einfache Spiele wie Snake oder Tetris im Auslieferungszustand vorhanden. Die Darstellung technisch aufwändiger Spiele war hingegen noch nicht möglich. Ein weiteres Problem waren die kaum geeigneten Eingabemöglichkeiten: Die winzigen Nummernfelder boten und bieten bei der Steuerung nur wenig Freude. All diese Faktoren führten dazu, dass Mobiltelefone vom Spielemarkt eher stiefmütterlich behandelt wurden. Selbst als Nokia 2003 den Versuch unternahm, mit dem N-Gage ein Mobiltelefon mit eingebauter Spielkonsole zu kombinieren, blieb der Erfolg aus. Erst die immer schneller werdende Datenübertragung über Mobilfunknetze und WLAN weckte ein breites Interesse für Handyspiele. So können Kinder und Jugendliche heute mit ein paar Klicks auch Spiele auf ihre mobilen Telefone laden.

Mit der Veröffentlichung des Tablet-Computers iPad etablierte Apple 2010 das nächste mobile Endgerät, das ebenfalls zahlreiche Nachahmer fand. Die Geräte sind zwar nicht zwingend ständiger Begleiter wie die Mobiltelefone, dafür weisen sie oftmals eine höhere Leistung und einen größeren Bildschirm auf, weshalb sie sich besonders gut zum Spielen eignen. Tablets hingegen sind nicht so verbreitet wie Smartphones, weshalb sich dieses Kapitel hauptsächlich mit Smartphones auseinandersetzt.

Nutzungszahlen

Spielen mit Smartphones und Tablets liegt im Trend. Die aktuellen KIM- und JIM-Studien zeigen die Verbreitung dieser Geräte. Im Alter von 10 bis 13 Jahren ist der Prozentsatz an Smartphone-Besitzern innerhalb eines Jahres von 61% auf 81% angestiegen. Bei den Jugendlichen ab 13 Jahren haben in der Regel mindestens 90% ein eigenes Gerät. Neben Instant Messengern wie WhatsApp und Social Community Apps wie Facebook, Instagram oder Snapchat gehören Spiele-Apps zu den beliebtesten Angeboten auf dem Handy oder Tablet. Immerhin rund 82 Prozent der jugendlichen Smartphone-Besitzer nutzen laut der Studie Kinder und Jugend 3.0 des Branchenverbandes BITKOM ihre Geräte zum Spielen.

Faszination

Während tragbare Konsolen reine Spielgeräte darstellen, ist die Faszination von Spiele-Apps vielschichtiger, da sie zusätzlich eine breite Bevölkerungsgruppe ansprechen, die digitale Spiele nicht explizit zu ihren Hobbies zählt.

Ein gewichtiges Argument für den Erfolg von Spiele-Apps ist die Mobilität. Smartphones und Tablets ermöglichen das Spielen in allen Lebenslagen und sind immer zur Hand. So vertreiben sie zum Beispiel Wartezeiten beim Arzt oder an der Bushaltestelle. Dies fasziniert auch vormalige „Nicht-Spieler“.

Durch die intuitive Bedienung können bereits jüngere Kinder Spiele-Apps nutzen. So ist es kaum verwunderlich, dass sich der Markt der Lernspiele beinahe vollständig auf mobile Endgeräte verschoben hat.

Außerdem finden Interessierte auf Smartphones und Tablets ein vielschichtiges Angebot an digitalen Spielen. Fast täglich werden neue Apps produziert und veröffentlicht. Neben Casual Games sind auch Remakes von bekannten Marken oder umfangreichere Spiele vertreten. Vom Adventure über das Rollenspiel bis hin zum Ego-Shooter ist alles in den hiesigen App-Stores abrufbar.

Ein weiterer Aspekt für die hohe Faszination ist auch hier die Präsentation. Durch die Leistungsfähigkeit moderner Smartphones können Spiele angeboten werden, die grafisch dem ähneln, was Heranwachsende bereits von anderen Konsolen- und Computerspielen kennen. Die meisten populären Spieleentwickler produzieren daher mittlerweile auch direkt für mobile Endgeräte.

Zudem werden Spiele-Apps in der Regel günstiger angeboten, als dies für Handhelds und Konsolen der Fall ist. Allerdings finden sich gerade hier häufig auch Möglichkeiten, Mikrotransaktionen auszuführen. Gemeint ist hiermit, dass Spiele in einer Grundversion kostenlos oder günstig zugänglich gemacht werden, besondere Gegenstände oder Vorteile im Spiel allerdings kostenpflichtig sind. Beträge werden nicht selten von der Handyrechnung abgebucht (siehe hierzu die Rubrik Verbraucherschutz bei digitalen Spielen).

Die Technik von mobilen Geräten erlaubt auch neue Spielformen. So wird bei Alternate Reality Games etwa die reale Umwelt um virtuelle Spielelemente ergänzt. Auf den Bildschirmen mobiler Geräte werden virtuelle Informationen über die Realwelt gelegt, wodurch die Grenze zwischen fiktiven Ereignissen und dem realen Geschehen bewusst verwischt wird. Oft müssen sich Spieler zusammenschließen und sich gegenseitig austauschen, um Rätsel oder Herausforderungen im Verbund lösen zu können. Ein bekannter Genrevertreter ist das Spiel Ingress für Android-Geräte. Bei vielen solcher Spiele werden allerdings die Geo-Daten der Spieler erfasst und an den Betreiber weitergeleitet, in diesem Fall der Google-Konzern (siehe hierzu die Rubrik Datenschutz bei digitalen Spielen).