Probleme in Sozialen Netzwerken

WhatsApp, lnstagram, TikTok und Snapchat sind ständige Begleiter von Jugendlichen. Diese Dienste kommen dem Bedürfnis von Heranwachsenden nach Kommunikation, Selbstdarstellung, Anerkennung und Verbundenheit mit Gleichaltrigen entgegen. Welche Risiken die Nutzung jedoch birgt, können Jugendliche und Kinder oft nicht vollständig einschätzen.

Datenschutz – Datenschatz!?

Um die Funktionen, die Soziale Netzwerke bieten, in vollem Maß nutzen zu können, müssen möglichst viele persönliche Informationen preisgegeben werden. Meist muss der Zugriff auf die Bildergalerie, den Standort, das Telefonprotokoll uvm. freigegeben werden. Auch wenn man heute noch nicht genau sagen kann, was mit der massenhaften Sammlung von Daten (Big Data) in Zukunft passieren wird, ist Vorsicht geboten.

Zu Berücksichtigen ist zudem, dass die bei Jugendlichen sehr beliebten Dienste Instagram und WhatsApp einer Firma, nämlich Facebook Inc gehören. Das US-amerikanische Unternehmen erhält somit Zugriff auf die verschiedensten Daten aller Nutzer:innen, wie Bilder, Likes (z. B. „Gefällt mir“), Kommunikationsverläufe u.v.m.

  • TIPP:
    Prüfen Sie mit Ihrem Kind, ob es passende Angebote gibt, die weniger Daten sammeln und den Datenverkehr verschlüsseln. Regen Sie es dazu an, auch Freund:innen für Alternativen zu gewinnen. Grundsätzlich gilt: Je weniger persönliche Angaben Ihr Kind macht, desto besser.

Fundgrube für die Werbeindustrie

Problematisch ist, dass Werbezustimmungen meist voreingestellt sind und durch die Nutzer:innen erst ungültig gemacht werden müssen, wenn Letzterer nicht ständig mit Werbung bombardiert werden wollen. Es können gezielt sämtliche Daten ausgelesen, ausgewertet und beispielsweise für Werbezwecke verwendet werden. So lassen sich problemlos ganze Persönlichkeitsprofile ausschließlich aus den Webinformationen zusammenstellen. 

Wie viel man von sich preisgibt, hat man allerdings nicht nur selbst in der Hand: Auch andere stricken mit Beiträgen, z.B. Kommentaren, Bildern, Videos etc. an der individuellen Selbstdarstellung mit. Diese Informationen sind für Werbetreibende von großem Interesse. Freundeslisten sind z.B. für das Ausbringen personifizierter Werbung eine wahre Fundgrube an Informationen, denn die Freund:innen teilen meist ähnliche Interessen und Vorlieben.

  • TIPP:
    Grundsätzlich achten Sie darauf, dass keine personalisierte Werbung im Profil Ihres Kindes geschaltet wird: innerhalb der Sicherheitseinstellungen kann dies angeklickt werden. Verzichten Sie auf die Nutzung von Apps, die persönliche Informationen über Ihr Kind abrufen.

Vernetzt und verletzt

Abfällige Kommentare auf Pinnwänden und hämische Bemerkungen zu Fotos gehören noch zu den „harmloseren“ Fällen von Cyber-Mobbing. Wirklich schlimm wird es, wenn Hassgruppen gegründet werden, die gezielt eine Person bloßstellen und beleidigen – für die Gemobbten eine fast unerträgliche Situation. Die scheinbare Anonymität und ständige Verfügbarkeit des Internets senkt die Hemmschwelle für Beleidigungen, Hass und Mobbing.

  • Tipp: 
    Oft stecken Streitigkeiten im Freundeskreis oder eine problematische Klassensituation hinter Mobbingattacken. Informieren Sie ggf. gemeinsam die Lehrperson.

Sexuelle Anmache und falsche Freunde

Auch im Internet sollte man die „Orte“ kennen, an denen sich Kinder und Jugendliche bewegen. Der Chat-Partner ist nicht immer der, für den er sich ausgibt. Ob nun im Chat oder in Sozialen Netzen: Cybergrooming ist leider nie auszuschließen. Täter:innen versuchen einen vertrauensvollen Kontakt zu ihren meist minderjährigen Opfern anzubahnen, um sie im weiteren Verlauf sexuell zu missbrauchen. Auch bei Dating-Apps, die vor allem für ältere Jugendliche interessant sind, ist Vorsicht geoboten, auch weil hier der Aufenthaltsort über die Umkreissuche möglich ist. Generell sollten Kinder und Jugendliche den Kontakt sofort abbrechen, wenn die Fragen unangenehm werden oder sie sich bedrängt fühlen.

  • Tipp:
    Weisen Sie Ihr Kind frühzeitig darauf hin, sich niemals alleine mit einer Online-Bekanntschaft zu treffen.

Die Macht der Bilder

Die Party war lustig, die geposteten Fotos am nächsten Tag sind es nicht ... ln solchen Fällen kann eingegriffen werden. Jeder Mensch hat das „Recht am eigenen Bild“. Bilder die ohne Zustimmung der Abgebildeten gepostet werden, können gemeldet oder gelöscht werden. Im schlimmsten Fall kann man auch strafrechtlich dagagen vorgehen.

Das bin doch nicht ich?

Es gibt viele sogenannte „Fake-Profile“, falsche Profile die im Namen einer Person erstellt werden. Auf diesen werden meist alle Informationen und Beiträge kopiert, um so im Namen eines anderen allerlei Rufschädigendes behaupten zu könnnen. Oftmals erfahren Geschädigte erst sehr spät von ihrer „zweiten“ Existenz.

  • Tipp:
    Durch Meldebuttons, die inzwischen in jedem Netzwerk vorhanden sind, kann man all diese Verstöße dem Seitenbetreiber melden. Der Handlungsspielraum erstreckt sich dann von Verwarnung über Löschung der Profile der Täter:innen bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung.

Account Takeover - Identitätsdiebstahl in Sozialen Netzwerken - Landespräventionsrat NRW