Kontrolle über die eigene Identität

Um seine Privatsphäre in einer digitalen und vernetzten Welt zu schützen, muss man die Kontrolle über seine privaten Daten behalten. Beate Rösslers Definition beschreibt das sehr treffend: „(…) als privat gilt etwas dann, wenn man selbst den Zugang zu diesem ,etwas‘ kontrollieren kann.“ Diese Form der Kontrolle ist nicht nur räumlich, sondern vor allem metaphorisch zu verstehen.

Wie schwierig das jedoch für einen Nutzer heute ist, der bewusst aber auch häufig unbewusst Daten und Informationen hinterlässt, zeigt die Tabelle rechts.

Internet der Dinge

„Internet der Dinge“ bezeichnet die Vernetzung von Gegenständen des Alltagsgebrauchs über das Internet, damit diese selbstständig miteinander kommunizieren können. Dazu müssen sie beispielsweise über IP-Adressen eindeutig identifizierbar sein. Diese Objekte sammeln, speichern und verarbeiten Informationen, z. B. über eine Person oder eine Umgebung. Ihre Programmierbarkeit, ihr Speichervermögen, ihre Sensoren und ihre Kommunikationstechnik befähigen sie, online und autark Informationen auszutauschen. Dadurch erledigen sie verschiedene Aufgaben für den Nutzer und können so unterschiedlichste Lebensbereiche des Menschen optimieren.

Tracking, Scoring und das digitale Double

Die Klassifizierung durch Big Data, also die Einteilung in Gruppen und/oder die Zuordnung eines Scores – z. B. bei Kreditauskunfteien oder Versicherungen – bedeutet eine Entpersonalisierung und Konformisierung des Einzelnen. Für die Beurteilung meines Verhaltens ist dabei vor allem das Verhalten sehr vieler Anderer entscheidend, die sich hinsichtlich bestimmter Merkmale ähnlich oder gleich verhalten, die aber dennoch von ihrer Persönlichkeit her nur wenig mit mir gemein haben können.

Menschen werden also aufgrund ihrer durch Big Data vorhergesagten Neigungen beurteilt – und nicht aufgrund ihres tatsächlichen Verhaltens. Damit wird die Chance eingeschränkt, sich anders zu verhalten als vorhergesagt und die Zukunft selbst zu gestalten. Da die Vorhersage auf unseren vergangenen Handlungen beruht, werden diese nicht vergessen: Wir können unserer eigenen Vergangenheit nicht entkommen. Die Verhaltensvorhersagen durch Big Data gefährden also insbesondere unsere Handlungs- und Entscheidungsfreiheit als Subjekt. Darüber hinaus ist es problematisch, dass aus unseren Datenspuren und Dateneingaben ein digitales Ich geformt wird, dessen genaue Gestalt wir selbst gar nicht kennen können. Dieses „Digitale Double“ ist mit unserer eigenen Person nicht identisch – aber es ist das, was Wirtschaftsunternehmen und Sicherheitsbehörden von uns kennen. „Dieser ,persönliche‘ Datenzwilling hat für den Originalmenschen etwas zutiefst Unheimliches, und zwar nicht nur deshalb, weil man ihn nicht sieht, sondern weil er zugleich aus Eigenem wie auch aus Fremdem besteht. Sein ,Datenkörper‘ verdankt sich der lebendigen Ausgangsperson und ihren Suchbewegungen; doch sein ,Charakter‘ und seine ,Seele‘ werden von der Internetindustrie definiert – von fremden Blicken, fremden Interessen, fremden Profilern. Was bleibt noch vom Menschen, wenn er ausschließlich anhand von Daten beurteilt wird? Die digitale Datenerfassung kann die Komplexität moralischer Einstellungen und menschlicher Handlungen nicht erfassen, und dem, was eine Person tatsächlich ausmacht, unmöglich gerecht werden. 

Kollidierende Werte

Mit dem Schutz unserer persönlichen Daten schützen wir zugleich auch unsere eigene Privatsphäre – eine wesentliche Voraussetzung für Handlungs- und Entscheidungsfreiheit. Dieser wichtige und notwendige Selbstschutz kann aber mit anderen Wünschen konkurrieren und zu Wertekonflikten führen. Das Schutzbedürfnis kollidiert beispielsweise häufig mit Dingen wie dem Wunsch nach Teilhabe und Information, ebenso wie dem Bedürfnis nach Dienstleistung und Unterhaltung.

Bildnachweis Jaron Lanier

„Jaron Lanier 1“ von vanz – http://flickr.com/photos/vanz/144476323/in/set-72057594131744996/. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Jaron_Lanier_1.jpg#mediaviewer/File:Jaron_Lanier_1.jpg