Grundlagen der journalistischen Arbeit

Wer sich zuverlässig informieren möchte, muss sich auf journalistische Medien verlassen können. Journalist:innen, die ihr Handwerk gelernt haben, wissen in der Regel, wie man sorgfältig und wahrheitsgetreu arbeitet und kennen die journalistischen Qualitätskriterien:

  • dokumentierte Informationen sollen inhaltlich korrekt und genau wiedergegeben werden (Richtigkeit).
  • das Wesentliche und gesellschaftlich Relevante soll gezeigt werden (Relevanz).
  • die Berichterstattung muss aktuell sein und Neuigkeits­wert haben (Aktualität).
  • Informationen sind für die Leser verständlich darzustellen (Verständlichkeit).
  • die Quellen der Informationen müssen offengelegt und überprüft werden können (Transparenz).
  • eine inhaltliche Bandbreite an Themen und Meinungen ist darzustellen (Vielfalt).
  • Redaktionen und Journalisten sollten frei von Vorgaben inhaltlicher Art arbeiten (Unabhängigkeit).

Ein wichtiger journalistischer Grundsatz ist zudem die Trennung von Berichterstattung und Meinung. Hierfür gibt es verschiedene journalistische Textsorten. Aus objektiver Perspektive verfasst sind Meldung, Nachricht und Bericht. Meldungen und Nachrichten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Länge; in einen Bericht fließen zusätzlich zur eigentlichen Nachricht Hintergrundinformationen ein. Meinungs­äußerungen von Journalist:innen finden sich im Kommentar und in der Glosse, die ein Thema humorvoll und ironisch zuspitzt. Auch in der Reportage und im Feature, die zu den berichtenden Textsorten zählen, kann zwischen objektiver und subjektiver Perspektive gewechselt werden. Das Interview ist ein dialogischer Text, in dem die subjektive Perspektive überwiegt.

Journalismus unter Druck – und in der Verantwortung

Die klassischen Medien haben mit der Digitalisierung nicht nur ihre Gatekeeper-Funktion verloren, sie sind auch ökonomisch in Bedrängnis geraten. Da online Nachrichten und journalistische Inhalte zu großen Teilen frei verfügbar sind und Anzeigen von den Publikationen weg hin zu anderen Angeboten im Netz wandern, haben die Medienverlage immer geringere Einnahmen, und die daraus resultierenden Sparzwänge führen zu weniger Geld für journalistische Ar­beit. Der finanzielle Druck hat u.a. Trends wie Clickbaiting hervorgebracht. Damit ist das Vorge­hen gemeint, mit reißerischen Überschriften die Leser zum An- oder Weiterklicken zu animieren, um möglichst viel Werbung auf den einzelnen Seiten verkaufen zu können. Wird die Erwartungshaltung an diese spektakulären Inhalte nicht erfüllt und häufen sich die Fehler, lässt das Leser:innen an der Zuverlässigkeit und dem Wahrheits­gehalt der Nachrichtenangebote zweifeln.

Um einem Misstrauen in die Presse entgegenzuwirken, soll­ten sich seriöse Journalisten umso mehr ihrem Berufsethos verpflichtet fühlen, die eigenen Qualitätsmaßstäbe offensiv kommunizieren und sich von den Medien und den Kolleg:innen distanzieren, die die journalistischen Qualitätsstandards missachten und so selbst Behauptungen, Vorurteile oder Verschwörungen verbreiten und damit dem Misstrauen in die eigene Profession Vorschub leisten. Seriöser Journalismus ist nach wie vor die einzige unabhängige Nachrichtenquelle, die eine Demokratie hat. Geht das Vertrauen in die Medien verloren, hat die Desinformation, also die gezielte Verbreitung von unwahren oder irreführenden Informationen, leichtes Spiel.