Erkennen von Desinformationen

Egal, ob wir von Fake News, von Desinformation, von Verschwörungstheorien bzw. -erzählungen sprechen: sie alle haben gemein, dass es sich um Falschinformationen handelt, die verbreitet werden, um die öffentliche Meinung (strategisch) zu beeinflussen. Gemeint sind also nicht journalistische Fehler (sogenannte „Enten“), Irrtümer, ab­weichende Meinungen oder Fehleinschätzungen von Autoren, da sie in der Regel nicht beabsichtigt sind. Ebenso wenig ist mit Falschinformation Satire gemeint.

Typen von Desinformationen

Desinformation um­fasst alle Formen absichtlich erstellter und weitergegebener manipulierter Informationen, die das Publikum täuschen und irreführen sollen, um absichtlich öffentlichen Schaden zu verursachen oder um Profit zu machen. Neben den wie Nachrichten wirkenden Fake News können das u.a. Verschwörungserzählungen, vorgetäuschte Gras­wurzelbewegungen mittels Social Bots, gekaufte Likes und Fake Accounts, aber auch organisiertes Trolling, visuelle Memes, Clickbaits oder nicht gekennzeichnete (politische) Werbung sein.

Die Formen bewusst ver­breiteter Falschmeldungen reichen von völlig frei erfundenen Geschichten über manipulierte Inhalte (absichtliche Veränderung von wahren Informationen oder Bildern, Filmen, Tondokumenten etc.) bis hin zu Fakten, die aus dem Zusammenhang gerissen und in einen fremden Kontext gestellt werden, um aus ihnen falsche Interpretationen und Schlussfolgerungen zu ziehen.

Fake News

Der Begriff „Fake News“ hat vor allem ab 2016 im Zuge der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und nach dem Brexit-Referendum Eingang in die öffentliche Debatte gefunden. Der Duden definiert Fake News als „in den Medien und im Internet, besonders in sozialen Netzwerken, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen“. Der Begriff „fake“ bedeutet im Englischen Fälschung, Schwindel oder auch Imitation. In diesem Sinne sind Fake News gefälschte Nachrichten, die sich als echte Nachrichten ausgeben. Sie imitieren journalistische Formate, um vorzutäuschen, vertrauenswürdige Informationen und damit der Wahrheit verpflichtet zu sein. Doch geht es den Machern keinesfalls um Aufklärung, sondern darum, politische Debatten zu beeinflussen, indem sie Stimmung für oder gegen bestimmte Themen, Personen, Gruppen oder Organisationen machen, um deren (politische) Positionen zu schwächen. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem The­ma Falschinformationen wird der Begriff „Fake News“ größ­tenteils abgelehnt, weil er neben der Genrebezeichnung auch als Etikett oder vielmehr als Kampfbegriff Verwendung findet, um die etablierten Nachrichtenmedien zu delegiti­mieren (ähnlich wie in Deutschland der Begriff „Lügenpresse“). Favorisiert wird demgegenüber der Begriff „Desinformation“.

Manipulierte Fotos und Deep Fakes

Wenn man sich Falschinformationen vorstellt, denkt man häufig an Texte. Dabei ist ein großer Teil der verbreiteten Desinformation visuell, es handelt sich also um Fotos, Videos, Grafiken oder Memes. Immer mehr verschwinden die technischen Barrieren, um gefälschte Bilder oder Videos herzustellen. Der "Vorteil" von visueller Desinformation ist, dass sie sich viel schneller konsumieren und teilen lässt und auch nicht unbedingt übersetzt werden muss. Auch hinsichtlich ihrer Wirkung ist das problematisch, da gerade Fotos und Videos die Aufnahme objektiver Realität wiederzugeben scheinen und so für viele Menschen am glaubwürdigsten erscheinen.

Inzwischen gibt es auf künstlicher Intelligenz basierende Computerprogramme, die Videos herstellen können, in denen Szenen zu sehen sind, die so in der Realität nicht stattgefunden haben. Diese Programme ermöglichen es, Gesichter zu tauschen oder Personen Worte in den Mund zu legen, die sie so nie gesagt haben, und sie Handlungen vornehmen zu lassen, die sie so nie vollzogen haben – der perfekte digitale Schwindel. Man nennt sie Deep Fakes. Besonders beliebt sind diese mithilfe großer Datenmengen und künstlicher neuronaler Netzwerke hergestellten Videos in Parodien und Pornos sowie in der Film- und Computer­spielindustrie. Befürchtet wird jedoch, dass diese Technik in Zukunft auch für politische Propaganda eingesetzt werden könnte.

Verschwörungstheorien/ -ideologien/ -erzählungen

Verschwörungserzählungen versuchen besondere Ereignisse in der Welt mit Verschwörungen zu erklären. Sie bieten eindeutige Antworten, die im Gegensatz zu einer offiziellen Version der „Wahrheit“ steht. Dabei liegt Verschwörungserzählungen meist eine Einteilung der Welt in "gut" und "böse" oder auch "oben" und "unten" zugrunde. Verschwörungserzählungen sind dabei meist nicht in sich schlüssig und stehen im Widerspruch zu belegten Daten oder sogar Naturgesetzen.

Krisen scheinen den Verschwörungsglauben zu befeuern, da Verschwörungsnarrative einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge anbieten und dadurch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln können. So speist sich der Glaube an Verschwörungserzählungen aus dem Wunsch, komplexe Sachverhalte auf eine einfache kausale Erklärungskette zurückzuführen und Verantwortliche zu benennen.

Merkmale von Desinformationen

  • eine eindimensionale Auswahl und Zusammenstellung von veröffentlichten Nachrichten,
  • eine emotionalisierende bzw. skandalisierende Sprache (reißerische Behauptungen, Verkürzungen, Superlative),
  • die Manipulation von Überschriften, Bildern und Videos sowie
  • Verweise auf ungesicherte Quellen und gezielte Falschmeldungen sowie Verlinkungen auf seriöse Angebote, um Glaubwürdigkeit zu suggerieren.