Kleines Glossar zum Thema Salafismus

Dawa - Der Ruf

Dawa bedeutet „Einladung“ oder „Ruf“. Dawa kann als „Einladung zum Islam“ oder „Missionsarbeit“ verstanden werden. In Deutschland bezeichnen einige salafistische Gruppen ihre Koranverteilaktionen als „Street-Dawa“.

Dschihad

Dschihad bedeutet „Anstrengung“, „Kampf“, „Bemühung“ oder „Einsatz“. Unter Dschihad wird allgemein eine Anstrengung „auf dem Weg Gottes“ verstanden, womit alle Bemühungen gemeint sind, die diesem Ziel dienen. Historisch zählten hierzu auch die kriegerische Verteidigung und die Verbreitung des Islams, wobei Kampfhandlungen an zahlreiche Bedingungen geknüpft wurden. Theologisch spielt der militärische Kampf heute meist keine Rolle mehr. Dagegen betonen Dschihadistinnen und Dschihadisten gerade den Aspekt des gewaltbereiten Kampfes als wesentliche Facette des Dschihads. Auch Aktivitäten, die der Mobilisierung zum Kampf dienen, werden dabei als Teil des Dschihads verstanden. In dschihadistischen Diskursen ist daher auch vom „Online-Dschihad“ die Rede.

Ghuraba - Die Fremden

Al-Ghuraba heißt aus dem Arabischen übersetzt „die Fremden“. Salafistische Propaganda bezieht sich dabei auf einen Ausspruch des Propheten Muhammed, nach dem der Islam in seiner Anfangszeit als „fremd“ wahrgenommen wurde. Vor dem Ende aller Zeiten würde sich der Islam wieder zu etwas Fremdem entwickeln und nur von einer Minderheit „wahrer Gläubiger“ repräsentiert werden, die als Belohnung direkt ins Paradies kämen.

Daesch / IS - Der Islamische Staat

Der sogenannte „Islamische Staat“ (auch IS; ISIS; ISIL; Daesch) ist eine salafistisch-dschihadistische Organisation. Der IS wird vom UN-Weltsicherheitsrat sowie zahlreichen Regierungen, darunter auch der deutschen und der amerikanischen, als terroristische Vereinigung eingestuft.
Das Symbol des IS enthält einen Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses: „Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammed ist sein Gesandter“. Die Nutzung des Symbols des IS darf nach der Verbotsverfügung des Bundesinnenministeriums von 2014 in Deutschland weder verwendet noch verbreitet werden. Das Glaubensbekenntnis und dessen Abdruck und Verwendung sind selbstverständlich nicht verboten.

Islamismus

Als Islamismus wird eine politische Ideologie bezeichnet, deren Ursprünge ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichen. Die verschiedene Formen des Islamismus werden von unterschiedlichen Organisationen und Parteien vertreten. Der Islamismus ist dabei eine Form des Extremismus, in dem religiöse Regeln und Normen des Islams als konkrete gesellschaftliche und politische Handlungsanweisungen verstanden werden.
Ziel ist die Umgestaltung von Rechtsordnung, Staat und Gesellschaft und die Aufhebung der Trennung von Staat und Religion: Zentrale Elemente einer pluralistischen Gesellschaft und Grundsätze der freiheitlichen, demokratischen Grundordnung, wie Gewaltenteilung oder Menschenrechte werden abgelehnt. Gewalt zur Durchsetzung von Zielen wird von einem Teil des islamistischen Spektrums legitimiert. Die jeweilige Auslegung des Islams bietet z.T. kontroverse Antworten auf zentrale Fragen, die sich in der Gesellschaft stellen. Dabei bietet die jeweilige Auslegung des Islams eine verbindliche Leitlinie für das individuelle und gesellschaftliche Leben. 

Kafir/Kuffar - Der Ungläubige

„Kafir“ bedeutet Ungläubiger, im Plural sind „Kuffar“ die Ungläubigen. Damit werden im salafistischen Verständnis in der Regel Nichtmusliminnen und Nichtmuslime bezeichnet. Allerdings wurde der Begriff auch immer wieder in innerreligiösen Konflikten mit andersdenkenden Musliminnen und Muslimen gebraucht.

Khilafah/Kalifat - Der Gottesstaat

„Kalifat“ bezeichnet sowohl das Amt als auch das Reich eines Kalifen. Ein Kalif wird dabei als Nachfolger und Stellvertreter des Propheten Mohammeds verstanden. Er übt die weltliche und geistliche Führung über die Gläubigen aus. Das Amt, das auf die ersten Generationen muslimischer Herrscher zurückgeht, wurde im Laufe der Geschichte von verschiedenen Herrschern beansprucht, zum Beispiel bezeichneten sich die osmanischen Sultane auch als Kalifen.
Bei der Nutzung des Begriffes steht vor allem der Bezug zur Frühzeit des Islams im Vordergrund, als islamische Gesellschaftsordnung unter theokratischer Herrschaft und als Gegenmodell zu gegenwärtigen politischen Systemen.

Naschid - Der Gesang

 „Naschid“, plural „Naschids“, bezeichnet einen männlichen A-cappella-Gesang mit islamischen Inhalten, der auch in salafistischen Medien verwendet wird. Dabei werden häufig bekannte Melodien benutzt, um kämpferische Botschaften zu verbreiten.

Salafismus

Der „Salafismus“ ist eine Ideologie, die für sich beansprucht, die religiösen Quellen des Islams dem Wortlaut nach zu verstehen. Die Anhängerschaft behauptet, als einzige den Glauben richtig auszuleben, andere theologische Interpretationen werden abgelehnt. Salafisten und Salafistinnen sehen sich in der Pflicht, zu missionieren und andere von der vermeintlich einzig wahren Lesart des Islams zu überzeugen. Das Weltbild ist geprägt von einer dualistischen Einteilung der Menschen in Gläubige und Ungläubige. Demokratische Werte sowie das Prinzip der Gleichheit aller Menschen gelten nicht. Auch Gewalt zur Durchsetzung der Ziele wird von einem Teil befürwortet. 

Das salafistische Spektrum lässt sich in folgende Gruppen unterteilen:

Salafismus: Dschihadismus

Dschihadistinnen und Dschihadisten beziehen sich auf den islamischen Begriff des „Dschihad“ als Rechtfertigung für ihre Gewalttaten. Sie sehen diese als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele. Gerechtfertigt wird Gewalt mit dem vermeintlichen Verteidigungskampf für den Islam. Dabei hat der Begriff des „Dschihad“ in der islamischen Theologie unterschiedliche Bedeutungen und steht nicht zwangsläufig in Verbindung mit Gewalt.
Die Anhänger des Dschihad nutzen das Internet und speziell die sozialen Medien, um ihre Propaganda zu verbreiten und die Anwendung von Gewalt als religiösen Akt darzustellen.

Salafismus: Politisch-Missionarische Ausprägung

Die politisch-missionarischen Anhängerinnen und Anhänger sehen die Missionierung von „Ungläubigen“ als religiöse Pflicht an, die sie als „Dawa“ (d.h. Einladung zum Islam) bezeichnen. Koranverteilaktionen, aber auch Seminare, YouTube-Videos und andere Onlineangebote gehören zu den Aktivitäten dieses Spektrums. Charakteristisch für den politisch-missionarischen Salafismus ist die Abwertung von nicht muslimischen Menschen sowie Musliminnen und Muslimen, die ein anderes Islamverständnis vertreten.
Die Anhängerinnen und Anhänger lehnen die Anwendung von physischer Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele ab. Dennoch gab es in der Vergangenheit zahlreiche Fälle von Personen, die sich aus diesem Spektrum radikaleren Gruppen zuwendeten.

Salafismus: Puristische Ausprägung

Für Puristinnen und Puristen gelten die religiösen Quellen im Wortlaut und erfordern weder Interpretation noch Kontextualisierung. Dabei erheben sie allerdings nicht den Anspruch, andere zu einem ähnlichen Religionsverständnis zu drängen und die Gesellschaft entsprechend umzugestalten. So halten sie häufig eine explizite Distanz zu politischen Bestrebungen.
Da sie nicht aktiv für eine Umgestaltung der Gesellschaft eintreten, werden sie vom Verfassungsschutz nicht als verfassungsfeindlich eingestuft. Wenn hier also von Salafisten und Salafistinnen die Rede ist, sind die Puristinnen und Puristen nicht gemeint, da sie im Kontext salafistischer Internetpropaganda keine demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Inhalte verbreiten.

Salafismus: Wahhabismus

Historisch und theologisch lässt sich der Wahhabismus als eine weitere Traditionslinie des Salafismus einordnen. Er entstand als Reformbewegung des saudischen Predigers Muhammad ibn Abd al-Wahhab im 18. Jahrhundert. Durch das Bündnis mit der saudischen Königsfamilie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann er auch überregional an Einfluss. Der Wahhabismus bildet die ideologische Grundlage des heutigen Saudi-Arabiens und gilt als wichtige Quelle der salafistischen Strömungen weltweit.

Schahada - Das Zeugnis

Die Schahada ist das islamische Glaubensbekenntnis und bedeutet „Zeugnis“. Der Wortlaut gibt den Kern des muslimischen Glaubens wieder: „Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammed ist sein Gesandter“. Eine Konversion zum Islam findet durch das Aufsagen der Schahada vor Zeuginnen und Zeugen statt. Das Glaubensbekenntnis ist eine der fünf Säulen des Islams.

Scharia - Der Weg

Scharia bedeutet „der deutliche, gebahnte Weg“ und wird als göttliche Rechtsleitung verstanden. Die Mehrheit der Musliminnen und Muslime versteht die Scharia nicht als festes Gesetzeswerk, sondern als Kanon von Werten und Normen.

Sunna - Die Überlieferung

Sunna bedeutet „Tradition“ oder „Überlieferung“. Die Sunna ist eine Sammlung von Aufzeichnungen über die Taten und Aussprüche des Propheten Mohammed. Diese gelten den Sunniten als Richtschnur für die Praxis des Glaubens und die Interpretation der koranischen Verse.

Taghut - Der Götzendienst

Taghut kann als „Götze“, „Götzenfigur“ oder „Götzenanbetung“ übersetzt werden. Mit dem Begriff werden im salafistischen Kontext ungerechte Herrscher oder auch „unislamische“ politische Systeme, Gerichte, Institutionen etc. bezeichnet, die auf menschengemachten und/oder unislamischen Gesetzen basieren.
Nach salafistischer Ansicht wird durch Akzeptanz dieser „unislamischen“ Systeme bzw. Zusammenarbeit z.B. in Form von Teilnahme an Wahlen, das Zahlen von Steuern ein „Götzendienst“ getrieben.

Tauhid - Die Autorität Gottes

Tauhid bedeutet den „Glauben an die Einheit Gottes“, also den Monotheismus. In salafistischen Kreisen steht der Tauhid für die Ablehnung jeglicher Autorität neben der Autorität Gottes. Daher werden Demokratie und Parlamentarismus, aber auch beispielsweise Heiligenverehrung oder Schreine, grundsätzlich abgelehnt.

Weitere Definitionen und Begriffe finden Sie unter:

JUGENDSZENEN ZWISCHEN ISLAM UND ISLAMISMUS
von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB)

Ein Glossar, das Begriffe zu Islam und Islamismus von A bis Z erklärt, welche für die politische Bildungsarbeit relevant sind und Bezüge zu den Lebenswelten junger Musliminnen und Muslimen in Deutschland haben.