Jugendliche und Pro-SVV-Inhalte im Internet

Die Präsentation von selbstverletzendem Verhalten hat sich besonders in den bei Jugendlichen beliebten Communities und Videoplattformen zu einem Trend entwickelt (Quelle: Brown, Fischer, Goldwich, Keller, Young & Plener (2018)). Bedenklich sind vor allem Inhalte, die SVV als Symptom psychischer Probleme leugnen und es als normales Verhalten oder Problemlösung darstellen. Dazu zählen insbesondere detaillierte Methodendiskussionen und Erlebnisberichte, also Schilderungen über Schneidetechniken bzw. Tipps zur Wundversorgung, sowie Bilder und Videos besonders tiefer oder stark blutender Wunden. Betrachtet eine SVV-Betroffene oder ein SVV-Betroffener drastische Inhalte, können Erinnerungen an eigene negativen Gefühle und Erlebnisse entstehen, was wiederum den Drang auslösen kann, sich erneut selbst zu verletzen. Diese Wirkung bezeichnet man als Trigger (engl.: "to trigger" = "auslösen).

Bei Social Media Angeboten stößt man außerdem immer wieder auf Profile, Videos und Bilder, in denen Darstellungen von Selbstverletzungen mit Inhalten aus den Bereichen Suizid und/oder Essstörungen kombiniert werden. Die Nutzung multipler Hashtags bringt in der Suchfunktion der Dienste eine ganze Bandbreite extremer Inhalte hervor (Quelle: Ging & Garvey (2017)). Besonders prägnant ist die große Überschneidung bei Suizid- und Selbstverletzungsinhalten. Die Konfrontation mit derartigen Inhalten kann bei Kindern und Jugendlichen gefährdende Verhaltensweisen auslösen oder verstärken, wenn nicht sogar zum Ausprobieren weiterer Gefährdungsarten anregen.

Auf dieser Seite verwendete Quellen:

Brown, R. C.; Fischer, T.; Goldwich, A. D.; Keller, F.; Young, R.; Plener, P. (2018): #cutting: Non-suicidal self-injury (NSSI) on Instagram. In: Psychological Medicine, 48:2, S. 337-346.
https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/600ED6C6856EE21B7E875F08CB088DDB/S0033291717001751a.pdf/cutting_nonsuicidal_selfinjury_nssi_on_instagram.pdf 

Ging, D.; Garvey, S. (2017): A content analysis of pro-ana und thinspiration image sharing on Instagram. In: new media & society, S. 1-20.
http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1461444816687288