Tipps für Eltern und Pädagogen

Eltern sollten zunächst immer offen mit ihren Kindern über ihr Internetverhalten und ggf. auch über das Thema Selbstverletzung reden. Grundsätzlich gilt: Sollten Ihnen Internetseiten, Profile oder Gruppen auf Social-Media-Plattformen mit Darstellungen auffallen, die Selbstverletzungen einseitig verharmlosen oder gar verherrlichen, dann melden Sie diese bitte immer zuerst an den Support der Plattform (z.B. über die Meldefunktion). Die Plattformbetreiber tragen als Anbieter von Speicherplatz für fremde Inhalte eine große Verantwortung. Sie können am schnellsten und effektivsten dazu beitragen, dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zu diesen Inhalten erschwert wird.

Gleichermaßen können Sie schwer einschätzbare Inhalte auch von Expertinnen und Experten auf ihr Gefährdungspotenzial prüfen lassen. Hierbei können Sie sich beispielsweise an www.jugendschutz.net oder an www.internetbeschwerdestelle.de wenden.

Vermuten Sie selbstverletzende Verhaltensweisen bei Ihrem bzw. einem Kind, sollten Sie es nicht mit Appellen, Forderungen oder gar Zwang überfallen. Zunächst einmal: Bewahren Sie Ruhe. Reagieren Sie nicht mit Panik, Vorwürfen oder Drohungen. Der oder die Betroffene weiß mit einer bestimmten inneren Belastung nicht anders umzugehen, als sich selbst zu verletzen. Damit sendet er oder sie aber auch einen deutlichen Appell an die Außenwelt.

Tipps für das Verhalten gegenüber Betroffenen

Versuchen Sie die Betroffene oder den Betroffenen direkt anzusprechen. Falls Gesprächsbereitschaft besteht, können Sie fragen, was im Leben so belastend ist, dass es nur mit Selbstverletzungen erträglich ist, und was Sie dazu beitragen können, dass die Probleme weniger selbstschädigend verarbeitet werden können. Bemühen Sie sich, Alternativen zum selbstverletzenden Verhalten aufzuzeigen.

Wenn dies nicht möglich ist, müssen Sie nicht untätig bleiben. Teilen Sie Ihre Beobachtungen einem anderen Menschen oder Kollegen, denen Sie vertrauen, mit. Überlegen Sie gemeinsam, wer Sie in dieser Situation unterstützen könnte oder wen Sie als Nächstes informieren sollten.

Holen Sie sich möglichst professionelle Unterstützung. Gerade Erwachsene, die unsicher sind, wie das Verhalten von betroffenen Kindern oder Jugendlichen zu bewerten ist und wie die Situation am besten angegangen werden kann, sollten sich möglichst Rat und Hilfe bei entsprechenden Beratungsstellen holen. Professionelle Hilfe in akuten Krisensituationen finden Sie z. B. bei schulpsychologischen Beratungsstellen, in Erziehungsberatungsstellen oder in Mädchen- und Frauentreffs.

Tipps für den Umgang mit akuten Gefährdungssituationen

Wenn das selbstverletzende Verhalten bereits sehr ausgeprägt oder schwerverletzend ist, sollten Sie Kontakt zu Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen/-psychiaterInnen aufnehmen. Zur genauen Diagnostik ist die Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachleuten unerlässlich. In der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie finden Sie Fachkräfte für Diagnose, Therapie, Prävention und Rehabilitation bei selbstverletzendem Verhalten.

Weitere Tipps und Anlaufstellen

Welche Verhaltensweisen können hilfreich sein?

  • Herstellung eines guten und vertrauensvollen Kontaktes zum Kind/Jugendlichen,
  • als Eltern akzeptieren, dass gerade in der Pubertät andere Erwachsene eher ins Vertrauen der Jugendlichen gezogen werden,
  • selbstverletzendes Verhalten sowie andere Hinweise und Alarmzeichen für eine Gefährdung ernst nehmen,
  • offen darüber sprechen,
  • Vermeidung von Vorhaltungen oder Schuldzuweisungen,
  • körperliche Nähe anbieten, auf Freiwilligkeit achten und nicht zur Nähe zwingen,
  • den Betroffenen Rückhalt geben, egal was kommt,
  • keine Verbote und Bestrafungen im Zusammenhang mit selbstverletzendem Verhalten aussprechen – Liebesentzug oder Schläge und andere körperliche Bestrafungen sind fehl am Platz,
  • Bereitstellung von Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel zur Wundversorgung und Salben zur Narbenpflege ist sinnvoller als Rasierklingen und Messer einzusammeln und wegzuwerfen,
  • geduldiges und aufmerksames Zuhören,
  • konkret nach Suizidgedanken fragen – die Sorge, dadurch Suizidimpulse anzuregen, ist unbegründet,
  • auch von den eigenen Problemen und Ängsten im Zusammenhang mit selbstverletzendem Verhalten sprechen,
  • vermitteln von Zuversicht, dass es Hilfe gibt, auch wenn die oder der Betroffene zunächst abwehrend reagiert,
  • sich umfassend über selbstverletzendes Verhalten informieren (Bücher, Internet, Austausch mit Betroffenen),
  • Vermittlung von professionellen Hilfeangeboten,
  • Beachtung der Grenzen eigener Hilfebemühungen, d.h. lieber begrenzte, zuverlässige Hilfe anbieten als Versprechungen machen, die zu Enttäuschungen führen,
  • sich selber Hilfe suchen, wenn Sie merken, dass Sie sich schlecht fühlen oder sich in Ihren normalen Aktivitäten zunehmend gelähmt fühlen.

Welche Verhaltensweisen helfen nicht weiter?

  • ignorieren, leugnen,
  • ängstliche Vermeidung des Themas – dies verstärkt die ohnehin vorhandenen Scham- und Schuldgefühle bei Jugendlichen,
  • das Wegnehmen oder Verstecken scharfer Gegenstände,
  • Vorwürfe,
  • das Stellen eines Ultimatums,
  • Versprechungen machen, die man nicht einhalten kann („Ich bin immer für dich da, Tag und Nacht“),
  • eigene Grenzen missachten.

    Seriöse Websites und Online-Beratungsstellen

    Weitere Informationen und detaillierte Hilfsmaßnahmen finden Sie unter anderem auf folgenden seriösen Websites und Online-Beratungsangeboten mit professioneller Betreuung:

    Die Fachstelle für Prävention des Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e. V.  hat gemeinsam mit dem Fachdienst Jugend und Bildung des Kreis Pinneberg eine empfehlenswerte Aufklärungsbroschüre zum Thema SVV bei Jugendlichen mit dem Titel "Schnippeln und Ritzen" veröffentlicht.

    Allgemeine Tipps zum Umgang mit Selbstgefährdungsinhalten online

    Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf digitale Teilhabe in der Gesellschaft. Junge Userinnen und User sollten Online-Angebote selbstbestimmt, kritisch und kreativ, vor allem aber unbeschwert nutzen können. Dies erfordert einen zeitgemäßen Jugendschutz mit regulatorischen, technischen und erzieherischen Komponenten. Während jüngere Kinder mehr Schutz benötigen, werden mit zunehmendem Alter größere Freiheiten und Kompetenzen zum Selbstschutz wichtiger. Ergänzend benötigen Eltern und pädagogische Fachkräfte Tipps und praktische Hilfestellungen für die Medienerziehung.

    Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Internet begleiten, Bescheid wissen, wo sich ihr Kind mit wem austauscht, welche Themen, Dienste und Apps gerade angesagt sind und bei Problemen ein offenes Ohr haben. So können Eltern früh entgegenwirken, wenn ihr Kind in ein ungeeignetes Online-Umfeld gerät. Stärken Eltern das Selbstvertrauen und die Medienkompetenzen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren. Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, Webangebote, Foren, aber auch Profile von Gruppen und einzelnen Usern sowie Freundschaftsanfragen genau zu prüfen.