Tipps für Jugendliche, Eltern und Pädagogen zum Thema Sexting

Tipps für Jugendliche: Darauf solltest du achten

 

Du denkst darüber nach, sexy Bilder zu verschicken? Hier haben wir ein paar Denkanstöße für dich:

„Safer Sexting“ gibt es nicht!

Egal was man versucht, man kann ein sexy Pic nicht völlig safe verschicken. Dafür gibt es im digitalen Raum zu viele Möglichkeiten ein Bild zu kopieren, zu screenshoten oder zu speichern. Und denk dran: das Netz vergisst nichts!

Vertrauen ist das A und O

Bevor du erotische Selfies schießt, frag dich, ob du der Person, der du die Aufnahmen schickst, wirklich vertrauen kannst und willst. Denk daran, dass ihr euch heute super versteht, es aber nach dem nächsten Krach ganz anders aussehen kann. Und was dann mit den Aufnahmen passiert, liegt dann nicht mehr in Deiner Hand. Du kannst nicht mehr kontrollieren, was mit den Bildern passiert. Wichtig bei Sexting: Seid respektvoll zueinander. Auch danach!

Wähle Empfänger kritisch aus

Wie gut kennst du die Person, die ein Bild bekommen soll? Und gibt es für Euch vielleicht auch eine Alternative zum Sexting, die Spaß machen kann? Nacktbilder sind etwas sehr intimes, das man nur mit einem besonderen Menschen teilt.

Freiwilligkeit! Nur wenn beide es wollen!

Lass dich niemals zu Sexting drängen, und dränge andere nicht dazu. Wenn du ein komisches Gefühl dabei hast, dann höre auf dein Bauchgefühl und suche eine Alternative zu Sexting, die auch Spaß machen kann. Ein „Nein“ zu Sexting ist keine Abfuhr. Wenn Dein Partner/Deine Partnerin dich drängt, ganz nach dem Motto „wenn du mich liebst, dann machst du das für mich”, dann frag dich, ob du das wirklich möchtest. Wenn das nicht der Fall ist, gib dem Drängen nicht nach. Steh zu deinem Bauchgefühl und sag NEIN!

Der Omatest: Überlege, wie Dein Bild bei anderen ankommen könnte

Der Grat zwischen „sexy” und „billig” ist manchmal schmal. Und was schön aussieht oder schon „schlampig“ ist, wird von Menschen ganz unterschiedlich streng wahrgenommen. Was man selbst schön findet, können andere bereits unangebracht finden. Mädchen werden außerdem öfter negativ beurteilt, wenn sie sich (zu) sexy zeigen. Das heißt nicht, dass du nicht sexy sein darfst, im Gegenteil. Jeder darf für sich entscheiden! Aber überlege dir trotzdem vorher, wie dein Bild bei verschiedenen Betrachtern ankommt. Und wie es wäre, wenn das Bild beispielsweise deine Eltern oder Großeltern sehen könnten…

Nur zeigen statt senden

Das gemachte Bild kannst du auch direkt auf dem Smartphone zeigen und danach gleich wieder löschen. Auch bei sexy Aufnahmen von dir oder anderen auf deinem Phone gilt: Aufnahmen nach dem Anschauen gleich löschen. So können die Bilder auch bei Handyverlust nicht in falsche Hände geraten.

Sexting-Aufnahmen von anderen niemals weiterleiten!

Wenn eure Freundschaft irgendwann doch mal endet, dann denkt daran, dass ihr die Aufnahmen einander einmal im Vertrauen geschickt habt. Missbrauche also das Vertrauen des Anderen nicht – auch nicht nachträglich, und verschicke niemals ein Bild ohne Erlaubnis. Das gilt auch für Teilen und Weiterschicken, auch wenn „die anderen“ alle mitmachen. Es ist strafbar, ungefragt Bilder von anderen Menschen weiterzuleiten oder öffentlich zugänglich zu machen.

Höre auf Dein Bauchgefühl!

Wenn du dir unsicher bist, dann höre auf dein Bauchgefühl, denn das ist richtig viel wert, und spare dir die sexy Momente für Face-to-Face Treffen auf!

Erst „echte“ Erfahrungen machen

Manchmal wird Sexting auch als Versuch genutzt, um sich sexuell auszuprobieren oder sexy zu zeigen, wenn man noch gar nicht so viel sexuelle Erfahrung hat. Das ist auch irgendwie verständlich, weil alles neu und ungewiss ist, und ein Foto kann man immer wieder neu aufnehmen, bis man damit zufrieden ist. Statt aber zuerst ein sexy Bild zu schicken, sprecht doch miteinander über die Unsicherheiten. Zeigt euch einander bei euren echten Treffen. Das ist viel schöner und man merkt viel eher, ob man sich miteinander wohl fühlt. Sammelt „in echt“ Erfahrung miteinander, und seht dann weiter.

Nein sagen ist ok!

Kennst du das auch? Du bist mit jemandem zusammen und er oder sie will was anderes als du? Wenn dich jemand dazu auffordert, ein sexy Bild zu verschicken und du fühlst dich unsicher oder sogar schlecht dabei, dann lass dich nicht dazu drängen. Steh zu deinen Gedanken und Gefühlen und lehne den Wunsch ab. Das ist ok!
 

Tipps für Eltern und Pädagogen

 

Manchmal ist es sehr schwer, über ein Thema wie „Sexting“ ins Gespräch zu kommen. Hier haben wir ein paar Denkanstöße für Sie, wie man das Thema ansprechen kann.

Warum machen die das? Fragen Sie nach! Reden Sie darüber!

Ehe Sie über „die Jugendlichen“ reden, sprechen Sie mit ihnen. Statt sie für ihr Handeln zu verurteilen, suchen Sie das Gespräch mit den jungen Menschen. Es gibt ganz unterschiedliche Haltungen zum Umgang mit Sexting, die man reflektieren sollte. Die Gründe für Sexting sind vielfältig und nicht längst jeder Jugendliche hat Lust darauf, wie Studien zeigen. Am meisten hilft es für eine vertrauensvolle Beziehung, wenn Sie signalisieren, dass Sie sich dem Thema neutral zuwenden und offen zuhören.

Medienbilder und Rollenbilder reflektieren

Reden Sie mit jungen Menschen über die vorherrschenden medialen Rollenbilder und auch über die unterschiedlichen Geschlechterrollenerwartungen. Regen Sie an, diese zu hinterfragen und darüber nachzudenken, was die Aufnahmen transportieren. Reflektieren Sie auch Ihre eigene Wahrnehmung über Medienvorbilder und seien Sie sensibel dafür, wie schwer es für junge Menschen sein kann sich gegen die vorhandenen „Verhaltensvorlagen“ durchzusetzen.



Nein sagen ist OK

Machen Sie klar, dass man niemals Aufnahmen von sich machen soll, wenn man sich dabei unwohl fühlt. NEIN zu sagen ist dann das einzig Richtige. Der Druck mitzumachen, kann enorm sein. Viele junge Menschen haben ein gutes Gespür dafür, was sie wollen und was nicht, und kennen sich auch mit den Regeln im Umgang mit Aufnahmen aus. Trotzdem können diese Regeln schnell über Bord geworfen werden, wenn man zum Beispiel verliebt ist oder sich dem Gruppendruck beugt. Stärken Sie junge Menschen daher, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen.

Sexting-Aufnahmen niemals weiterleiten

Machen Sie deutlich, dass man freizügige Aufnahmen anderer niemals weiterleitet. Das ist unfair und strafbar. Jugendliche kennen eigentlich die wichtigsten Regeln wie das „Recht am eigenen Bild“, aber immer wieder werden diese Grenzen überschritten, wie die Dynamiken beim (Cyber)Mobbing leider zeigen.

Victim Blaming nicht zulassen

Wer ein sexy Bild verschickt hat keine Schuld, wenn dieses ungefragt weitergegeben wird! Positionieren Sie sich deutlich, wenn ein Mensch für das Erstellen intimer Aufnahmen verurteilt wird. Machen Sie deutlich und betonen Sie immer wieder, dass der Unrechtsmoment im Weiterleiten der Aufnahmen besteht, und nicht im Erstellen eines sexy Bildes. Bestärken Sie junge Menschen, dass sie sich für den betroffenen Menschen einsetzen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man helfen kann.