Prosuizidale Inhalte im Internet

Über ihre Suizidgedanken tauschen sich Menschen auch online aus. Insbesondere in sogenannten Suizidforen findet ein reger Austausch zwischen Menschen statt, die sich in Lebenskrisen befinden. Einige Angebote bieten konstruktive Hilfe, andere sind wiederum problematisch, weil sie Betroffene in ihren Suizidabsichten bestätigen. In diesen prosuizidalen Foren wird der Suizid als alleinige, alternativlose Lösung dargestellt.

Es gibt immer wiederkehrende Webinhalte, die sich besonders gefährdend auf jugendliche Nutzerinnen und Nutzer auswirken und sie in ihren Suizidabsichten bestärken können. Problematisch sind vor allem Angebote, Profile und Beiträge, die den Suizid einseitig verharmlosen oder gar verherrlichen und als möglichen oder aber einzig folgerichtigen Ausweg darstellen, um sich von Problemen zu befreien. Dazu zählen insbesondere detaillierte Methodendiskussionen (zur möglichst effektiven Suizidmethode, zur Beschaffung der Suizidmittel und zur Wahl des Ortes), Schilderungen über Suizidversuche, aber auch Suizidankündigungen, Suizidpartnersuchen und -verabredungen.

Weiterhin gibt es besonders in den bei Jugendlichen beliebten Communities und Videoplattformen den Trend zum Posten von prosuizidalen Beiträgen, d.h. verherrlichende Suizid-Bilder, -Videos oder –Erlebnisberichte. Betrachtet eine Betroffene oder ein Betroffener mit Suizidabsichten solche Inhalte, können Erinnerungen an eigene negativen Gefühle und Erlebnisse entstehen, was wiederum den Drang auslösen kann, sich erneut selbst zu gefährden. Diese Wirkung bezeichnet man als Trigger (engl.: "to trigger" = "auslösen).

Bei Social Media Angeboten stößt man außerdem immer wieder auf Profile, Videos und Bilder, in denen Darstellungen von Suiziden mit Inhalten aus den Bereichen Selbstverletzungen und/oder Essstörungen kombiniert werden. Die Nutzung multipler Hashtags bringt in der Suchfunktion der Dienste eine ganze Bandbreite extremer Inhalte hervor (Quelle: Ging & Garvey (2017)). Besonders prägnant ist die große Überschneidung bei Suizid- und Selbstverletzungs-Inhalten. Die Konfrontation mit derartigen Inhalten kann bei Kindern und Jugendlichen gefährdende Verhaltensweisen auslösen oder verstärken, wenn nicht sogar zum Ausprobieren weiterer Gefährdungsarten anregen.

Auf dieser Seite verwendete Quellen:

Ging, D.; Garvey, S. (2017): A content analysis of pro-ana und thinspiration image sharing on Instagram. In: new media & society, S. 1-20.
http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1461444816687288