Tipps für Eltern und Pädagogen

Eltern sollten zunächst immer offen mit ihren Kindern über ihr Internetverhalten und ggf. auch über das Thema Suizid reden. Grundsätzlich gilt: Sollten Ihnen Internetseiten, Profile oder Gruppen auf Social Media Plattformen mit verharmlosenden oder gar verherrlichenden Suiziddarstellungen auffallen, dann melden Sie diese bitte immer zuerst an den Support der Plattform (z.B. über die Meldefunktion). Die Plattformbetreiber tragen als Anbieter von Speicherplatz für fremde Inhalte eine große Verantwortung. Sie können am schnellsten und effektivsten dazu beitragen, dass Kindern und Jugendlichen der Zugang zu diesen Inhalten erschwert wird.

Gleichermaßen können Sie schwer einschätzbare Inhalte auch von Expertinnen und Experten auf ihr Gefährdungspotenzial prüfen lassen. Hierbei können Sie sich beispielsweise an www.jugendschutz.net oder an www.internetbeschwerdestelle.de wenden.

Vermuten Sie suizidale Verhaltensweisen bei Ihrem bzw. einem Kind, sollten Sie es nicht mit Appellen, Forderungen oder gar Zwang überfallen. Zunächst einmal: Es ist ganz normal, sich in einer solchen Situation hilflos und überfordert zu fühlen. Bewahren Sie Ruhe und reagieren Sie nicht mit Panik, Vorwürfen oder Drohungen.

Hinweise und Alarmzeichen

Suizidgefährdete Kinder und Jugendliche senden in der Regel direkt oder indirekt Signale aus. Sie wünschen sich, dass jemand darauf reagiert. Hinweise und Alarmzeichen für eine Gefährdung können sein:

  • sozialer Rückzug, Abbruch von sozialen Kontakten,
  • traurige, gedrückte Stimmung sowie Stimmungsschwankungen,
  • ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektive,
  • Veränderung der äußeren Erscheinung und körperliche Symptome,
  • schriftliche oder verbale Äußerungen, z. B. Anspielungen wie „Bald habe ich das alles hinter mir“,
  • das Verschenken von geliebten Dingen,
  • konkrete Handlungen zur Vorbereitung einer suizidalen Handlung,
  • suizidbezogene Zeichnungen und Symbole,
  • aggressiv abwehrendes Verhalten.

Tipps für das Verhalten gegenüber Betroffenen

Versuchen Sie die oder den Betroffenen direkt anzusprechen. Nehmen Sie dabei eine möglichst neutrale, wertfreie Haltung ein. Teilen Sie sehr deutlich die eigenen Sorgen und Befürchtungen mit. Sprechen Sie die Angst vor einer Suizidhandlung konkret und sehr direkt an (ohne Umschreibungen oder Verharmlosungen!). Signalisieren Sie, dass Sie als Ansprechperson zur Verfügung stehen. Falls Gesprächsbereitschaft besteht, können Sie fragen, was im Leben so belastend ist und was Sie dazu beitragen können, dass die Probleme besser angegangen und verarbeitet werden können. Fragen Sie nach, wie ernst es mit den Suizidabsichten ist. Bemühen Sie sich, Alternativen zum Suizid aufzuzeigen.

Wenn die oder der Betroffene nicht gesprächsbereit ist, müssen Sie nicht untätig bleiben. Teilen Sie Ihre Beobachtungen einem anderen Menschen oder Kollegen, dem Sie vertrauen, mit. Überlegen Sie gemeinsam, wer Sie in dieser Situation unterstützen könnte oder wen Sie als Nächstes informieren sollten.

Holen Sie sich möglichst professionelle Unterstützung. Gerade Erwachsene, die unsicher sind, wie das Verhalten von betroffenen Kindern oder Jugendlichen zu bewerten ist, sollten sich möglichst Rat und Hilfe, wie die Situation am besten angegangen werden sollte, bei entsprechenden Beratungsstellen holen.

Professionelle Hilfe in akuten Krisensituationen finden Sie z. B. bei Schulpsychologischen Beratungsstellen, in Erziehungsberatungsstellen oder in Mädchen- und Frauentreffs.

Tipps für den Umgang mit akuten Gefährdungssituationen

Falls es eindeutige Hinweise gibt, die darauf schließen lassen, dass eine Suizidhandlung unmittelbar bevorsteht, wenden Sie sich direkt an die örtliche Polizei oder rufen Sie einen Krankenwagen. Es gilt die Regel, je konkreter die Suizidgedanken sind, desto größer ist die Gefahr und desto mehr Handlungsbedarf besteht.

Wenn die Suizidgefährdung bereits sehr ausgeprägt ist, sollten Sie sich unmittelbar um eine stationäre Behandlung bemühen oder auch hier einen Krankenwagen rufen. Hierfür brauchen Sie keine Ein- oder Überweisung von einem Arzt, sondern können die Betroffenen direkt in der nächst gelegenen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik aufnehmen lassen. Zur genauen Diagnostik ist die Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachleuten unerlässlich. In der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie finden Sie Fachkräfte für Diagnose, Therapie, Prävention und Rehabilitation bei Suizidgefährdung.

Sollten Sie daran zweifeln, ob eine akute Suizidgefährdung besteht, gehen Sie kein Risiko ein. Stellen Sie die oder den Betroffenen bei Fachleuten aus den Bereichen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder aber der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie vor. Lassen Sie dann die Fachleute entscheiden, ob eine stationäre Behandlung sinnvoll und notwendig erscheint. Unter www.bptk.de beziehungsweise unter www.bundesaerztekammer.de finden Sie entsprechende Fachleute.

Weitere Tipps und Anlaufstellen

Welche Verhaltensweisen können hilfreich sein?

  • Herstellung eines guten und vertrauensvollen Kontaktes zum Kind/Jugendlichen,
  • als Eltern akzeptieren, dass gerade in der Pubertät andere Erwachsene eher ins Vertrauen der Jugendlichen gezogen werden,
  • Hinweise und Alarmzeichen für eine Gefährdung ernst nehmen,
  • offen darüber sprechen,
  • Vermeidung von Vorhaltungen oder Schuldzuweisungen,
  • körperliche Nähe anbieten - auf Freiwilligkeit achten und nicht zur Nähe zwingen,
  • den Betroffenen Rückhalt geben, egal was kommt,
  • keine Verbote und Bestrafungen aussprechen - Liebesentzug oder Schläge und andere körperliche Bestrafungen sind fehl am Platz,
  • geduldiges und aufmerksames Zuhören,
  • konkret nach Suizidgedanken fragen - die Sorge, dadurch Suizidimpulse anzuregen, ist unbegründet,
  • auch von den eigenen Problemen und Ängsten im Zusammenhang mit Sui-zid(gedanken) sprechen,
  • vermitteln von Zuversicht, dass es Hilfe gibt, auch wenn die oder der Betroffene zunächst abwehrend reagiert,
  • sich umfassend über suizidales Verhalten informieren (Bücher, Internet, Austausch mit Betroffenen),
  • Vermittlung von professionellen Hilfeangeboten,
  • Beachtung der Grenzen eigener Hilfebemühungen, d.h. lieber begrenzte, zuverlässige Hilfe anbieten als Versprechungen machen, die zu Enttäuschungen führen,
  • sich selber Hilfe suchen, wenn Sie merken, dass Sie sich schlecht fühlen oder sich in Ihren normalen Aktivitäten zunehmend gelähmt fühlen.

Welche Verhaltensweisen helfen nicht weiter?

  • ignorieren, leugnen,
  • ängstliche Vermeidung des Themas - dies verstärkt die ohnehin vorhandenen Scham- und Schuldgefühle bei Jugendlichen,
  • Vorwürfe,
  • das Stellen eines Ultimatums,
  • Versprechungen machen, die man nicht einhalten kann („Ich bin immer für dich da, Tag und Nacht“),
  • eigene Grenzen missachten.

Seriöse Websites und Online-Beratungsstellen

Allgemeine Tipps zum Umgang mit Selbstgefährdungsinhalten online

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf digitale Teilhabe in der Gesellschaft. Junge Userinnen und User sollten Online-Angebote selbstbestimmt, kritisch und kreativ, vor allem aber unbeschwert nutzen können. Dies erfordert einen zeitgemäßen Jugendschutz mit regulatorischen, technischen und erzieherischen Komponenten. Während jüngere Kinder mehr Schutz benötigen, werden mit zunehmendem Alter größere Freiheiten und Kompetenzen zum Selbstschutz wichtiger. Ergänzend benötigen Eltern und pädagogische Fachkräfte Tipps und praktische Hilfestellungen für die Medienerziehung.

Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Internet begleiten, Bescheid wissen, wo sich ihr Kind mit wem austauscht, welche Themen, Dienste und Apps gerade angesagt sind und bei Problemen ein offenes Ohr haben. So können Eltern früh entgegenwirken, wenn ihr Kind in ein ungeeignetes Online-Umfeld gerät. Stärken Eltern das Selbstvertrauen und die Medienkompetenzen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren. Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, Webangebote, Foren, aber auch Profile von Gruppen und einzelnen Usern sowie Freundschaftsanfragen genau zu prüfen.