Wenn Dritte Zugang haben wollen

Zu den Fällen, in denen Facebook Daten über Nutzer an Dritte weitergibt, gehören in erster Linie Anfragen zum Zweck der Strafverfolgung. Dazu dürfen Daten per Gerichtsbeschluss an Ermittlungsbehörden herausgegeben werden. In Deutschland erhielt Facebook eigenen Angaben zufolge im zweiten Halbjahr 2016 rund 4.400 solcher Anfragen, welche mehr als 5.600 Nutzerkonten betrafen. In gut der Hälfte der Fälle gibt Facebook an, entsprechende Datensätze produziert zu haben. In manchen Ländern können Unternehmen wie Facebook auch zur Zusammenarbeit mit Geheimdiensten gezwungen werden, ohne dass sie darüber reden dürfen – so in den USA, wie spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt ist. Auch andere Stellen zeigen sich immer wieder interessiert, Daten von Facebook zu nutzen. So hatte die Wirtschaftsauskunftei Schufa 2012 geprüft, inwieweit sie Daten aus sozialen Medien nutzen kann, um die Kreditwürdigkeit einer Person zu beurteilen. Nach heftiger Kritik von Datenschützern wurde das Projekt später fallen gelassen. Andere Firmen verfolgen ähnliche Ansätze unterdessen weiter, etwa das Hamburger Unternehmen Kreditech. Weitere Unternehmen hätten gerne einen Zugang zu Facebook- Daten, scheiterten damit aber bislang. So plante etwa der britische Versicherer Admiral, Kfz-Nutzer mit günstigeren Tarifen zu locken, wenn sie Daten ihres Facebook-Profils offenlegen. In diesem Fall wandte sich Facebook selbst gegen die Pläne. Nach der firmeneigenen „Plattform- Richtlinie“ sollen Nutzerdaten nicht verwendet werden, um Entscheidungen über eine „Berechtigung, Eignung oder Auswahl“ zu treffen, beispielsweise im Rahmen einer Kreditvergabe (Stand 1/2018). Die Richtlinie wendet sich allerdings in erster Linie an Dritte, die Anwendungen

für Facebook entwickeln. Sie schließt also nicht aus, dass Facebook selbst in Zukunft entsprechende Pläne fassen oder Kooperationen starten könnte. Das Unternehmen verfügt bereits über Patentanmeldungen, die es zu diesem Zweck nutzen könnte. Solche Nutzungen würden gleichwohl sehr schnell in Konflikt mit deutschen und europäischen Datenschutzgrundsätzen geraten.