Darf ich Vorlesungen oder Seminare aufzeichnen oder per Video übertragen?

Will man Vorlesungen oder Seminare aufzeichnen, ist es in jedem Fall ratsam, den Dozenten um Erlaubnis zu fragen. Neben dem Urheberrecht kommt dabei besonders das Persönlichkeitsrecht ins Spiel. Es soll verhindern, dass man ungefragt in die Öffentlichkeit gezogen wird. Ob es urheberrechtlich relevant ist, wenn man eine Lehrveranstaltung aufzeichnet, lässt sich nicht pauschal sagen, da viele Faktoren hineinspielen. Die in einer Veranstaltung vorgestellten Ideen, Methoden oder Erkenntnisse sind zunächst einmal nicht urheberrechtlich geschützt. Vom Urheberrecht abgedeckt sein kann aber die konkrete Form, in der sie dargestellt und vom Lehrenden aufbereitet werden – bei einem Vortrag in erster Linie als sogenanntes Sprachwerk. Das Urheberrechtsgesetz sieht zwar einige erlaubte „Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch“ vor. Die „Aufnahme öffentlicher Vorträge“ ist jedoch „stets nur mit Einwilligung des Berechtigten“ erlaubt. „Berechtigter“ ist in aller Regel der Vortragende selbst, solange es um von ihm Geschaffenes geht. Wann genau Lehrveranstaltungen „öffentlich“ sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Vorlesungen an der Uni gelten allgemein als öffentliche Veranstaltungen; es kann jeder kommen und zuhören, selbst wenn die Universitäten und Hochschulgesetze häufig weitere Einschränkungen machen wollen. Urheberrechtlich betrachtet kommt es in erster Linie darauf an, ob die Teilnehmer einer Veranstaltung durch persönliche Beziehungen untereinander verbunden sind. Bei einem kleinen Seminar ist das gut möglich, bei einer Vorlesung ist es sehr unwahrscheinlich. Je weniger eine Lehrveranstaltung als öffentlich gilt, desto wichtiger werden die Persönlichkeitsrechte der Lehrenden. Das gilt zum einen, wenn man Bildaufnahmen ins Netz stellen will, zum Beispiel als Video oder auch durch Streaming. Die Abgebildeten müssen dann gefragt werden, da sie ein Recht am eigenen Bild besitzen. Zum anderen sind Tonaufnahmen beim „nichtöffentlich gesprochenen Wort“ sogar strafbar.