Darf ich Klausuren, Vorlesungsskripte, Übungsaufgaben oder Präsentationsfolien im Netz veröffentlichen oder in sozialen Netzwerken tauschen?

Sind die Materialien urheberrechtlich geschützt, darf man sie nur dann ins öffentlich zugängliche Internet laden, wenn man eine Erlaubnis hat. Wie beim Aufzeichnen von Veranstaltungen ist auch hier der Grundsatz: Ideen, Methoden, Theorien und so weiter sind nicht urheberrechtlich geschützt, aber ihre konkrete Darstellung kann es sein. Das bedeutet: Ob man Skripte, Aufgaben, Klausuren oder ähnliche Materialien veröffentlichen darf, hängt unter anderem davon ab, ob sie die sogenannte Schöpfungshöhe erreichen. Ein Beispiel: Ein Arbeitsblatt, das nur eine einfache grafische Darstellung des mathematischen Satzes des Pythagoras und einige kurze Rechenaufgaben in Tabellenform enthält, ist wahrscheinlich noch kein urheberrechtlich geschütztes Werk. Es reicht aber, wenn bereits ein wenig individuelle Gestaltung erkennbar wird, damit auch ein solches Arbeitsblatt urheberrechtlich geschützt sein kann. Fotos sind immer zumindest als sogenanntes Lichtbild geschützt. Das bedeutet: Hochladen ins Internet ist in der Regel nur dann erlaubt, wenn man dafür die Erlaubnis hat. Kommt fremdes Material von Dritten vor, etwa in Präsentationen, muss es den Anforderungen an ein Zitat (siehe Frage 1) genügen. Bei rein illustrativen Bildern ist das in der Regel nicht der Fall. Für das Hochladen an Schulen und Hochschulen etwa in Intranets gibt es spezielle Regelungen. Sobald jeder auf das Material zugreifen kann, enden jedoch die diesbezüglichen Ausnahmen. Öffentliche Facebook-Gruppen, -Fanseiten oder andere Websites fallen damit weg, wenn man keine Rechte zur Veröffentlichung hat. Hier drohen sonst teure Abmahnungen. Bei geschlossenen Gruppen oder Foren ist Ärger dagegen weniger wahrscheinlich, auch wenn dort ebenfalls schnell die Schwelle zu einer urheberrechtlich relevanten Öffentlichkeit erreicht sein kann. Ob man die Inhalte verkauft, verschenkt oder anderweitig teilt, ist zweitrangig. Urheberrechtlich betrachtet kommt es in erster Linie auf die Tatsache an, dass Inhalte für potenziell jeden abrufbar sind. Auch wenn niemand damit Geld verdient, ist das Zugänglichmachen eine Urheberrechtsverletzung, wenn die Erlaubnis fehlt.

 

Sonderfall 1: Gemeinfreie Inhalte kann jeder verwenden

In vielen Fächern hat man es häufiger mit Material zu tun, an dem keine Urheberrechte mehr bestehen, vor allem wenn sie abgelaufen sind. Man nennt sie dann „gemeinfrei“. Grundsatz: Werke sind bis siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt. Fotos, selbst einfache Schnappschüsse, sind mindestens fünfzig Jahre ab Veröffentlichung als „Lichtbild“ geschützt. Sind diese Fristen abgelaufen, kann man die Texte, Bilder und sonstigen Inhalte ohne jede weitere Einschränkung für beliebige Zwecke verwenden. Allerdings gibt es auch davon Ausnahmen: Werden die Texte übersetzt oder überarbeitet, entsteht ein neues „Bearbeiter“-Urheberrecht. Wissenschaftliche Ausgaben, die ansonsten nicht mehr geschütztes Material enthalten, sind für 25 Jahre ab Erscheinen geschützt, wenn sie sich von den bisher bekannten Ausgaben unterscheiden. Hinweise darauf sind zum Beispiel neue begleitende Anmerkungen, Einordnungen und Fußnoten. Die Texte selbst bleiben aber gemeinfrei.

Sonderfall 2: Open Educational Resources erlauben mehr

Im Bildungsbereich hat die Bewegung für „Open Educational Resources“ (OER) in den letzten Jahren an Zulauf gewonnen. Damit sind Schulbücher und andere Lernmaterialien gemeint, die sich leichter weiterverwenden lassen, weil sie zur freien Verfügung gestellt werden. Auch OER-Materialien sind urheberrechtlich geschützt, können aber weiterverbreitet und meistens bearbeitet werden, weil sie unter offenen Lizenzen veröffentlicht werden. Dabei werden häufig die verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen eingesetzt (siehe dazu die Links am Ende unter „Weitere Informationen”). Es gibt weitere solcher Lizenzen oder auch individuell freigegebenes Material.