Urheberrecht und illegale Download-Angebote

Es gibt zwar jede Menge Musik, Hörbücher, Filme, E-Books und andere Inhalte im Internet, aber nicht alles davon ist legal. Das Urheberrecht besagt: Macht der Anbieter Inhalte „offensichtlich rechtswidrig“ öffentlich zugänglich, ist nicht nur das unbefugte Tauschen und Weiterleiten, sondern bereits das Herunterladen ein Urheberrechtsverstoß (Paragraf 53 Urheberrechtsgesetz). In einigen Fällen ist es aber gar nicht so leicht, legale von illegalen Angeboten zu unterscheiden.

Woran erkenne ich illegale Download und Streaming-Angebote?

Was genau bedeutet „offensichtlich rechtswidrig“? Im Gesetz selbst wird das nicht näher definiert. „Offensichtlich“ bedeutet aber unter anderem: Man muss als Laie keine langwierigen Recherchen anstellen. Wenn man jedoch zum Beispiel ganze Musikalben noch vor der offiziellen Veröffentlichung zum Download in einem Forum findet, kann man davon ausgehen, dass sie „offensichtlich rechtswidrig“ zugänglich gemacht wurden. Indizien für illegale Angebote im Netz können sein:

• Das Angebot ist gratis, obwohl dieselben Inhalte anderswo Geld kosten.

• Die technische Qualität der Inhalte ist schlecht.

• Man kann keine Verantwortlichen für das Webangebot ausmachen, etwa, weil das Impressum fehlt oder Kontaktpersonen und -adressen nicht genannt werden.

• Die Webseite hat eine exotische Länderkennung in der Adresse, etwa von der Südseeinsel Tonga (Domain: .to) oder Osttimor (Domain: .tl).

• Es wird aggressiv und unseriös geworben, etwa für Glücksspiele, Sexhotlines oder dubiose Verdienstmodelle („Verdienen Sie 241 Euro pro Stunde!“).

• Das Angebot entspricht nicht der oft noch üblichen Verwertungskette, nach der beispielsweise ein Film erst online zugänglich gemacht wird, wenn er nicht mehr im Kino läuft. Hier gibt es aber Ausnahmen, wenn auch meist nur bei kostenpflichtigen Angeboten.

• Man wird dazu aufgefordert, eine spezielle Download-Software zu kaufen oder diese vor dem Download zu installieren. Die genannten Punkte gelten für alle Werke – Filme, Musik, Spiele und E-Books, sie sind aber letztlich nur Indizien. Weist ein Angebot eines dieser Kennzeichen auf, sollte man noch einmal genauer hinsehen. Es bedeutet nicht automatisch, dass ein Angebot illegal ist.

Darf ich mir Filme von illegalen Plattformen per Stream anschauen?

Es ist rechtlich noch nicht endgültig geklärt, ob neben den Anbietern auch die Nutzer das Urheberrecht verletzen, wenn sie sich im Internet illegal eingestellte Filme via Streaming anschauen. Im Gegensatz zum Download speichert man beim Streaming in der Regel keine dauerhafte, vollständige Videodatei auf dem eigenen Rechner. Stattdessen werden flüchtige Kopien im Arbeitsspeicher erzeugt. Das sind Kopien, die während des Anschauens eines Films per Streaming nur vorübergehend gespeichert werden. Der Europäische Gerichtshof hat über eine solche Konstellation bereits im Fall von externen Streaming-Playern entschieden, mit denen sich Filme aus illegalen Online-Quellen direkt am Fernseher abspielen lassen. Er entschied, dass die dabei erzeugten Kopien keiner „rechtmäßigen Nutzung“ dienen und daher nicht erlaubt sind. Allerdings sind sich zahlreiche Urheberrechtler einig, dass sich die Aussagen des Gerichtshofs problemlos auf andere Streaming- Konstellationen übertragen lassen. Demnach ist davon auszugehen, dass der Streaming-Abruf verboten ist, wenn Nutzer wissen, dass es sich nicht um ein legales Angebot handeln kann. Gleichwohl ist festzustellen, dass bisher weder eine Abmahnwelle eingesetzt hat noch Nutzer für unerlaubten Streaming-Abruf schuldig gesprochen wurden. Das liegt vor allem daran, dass es für die Rechteinhaber sehr schwierig ist, die Identität der Nutzer illegaler Streams herauszufinden. Daher konzentrieren sie sich eher darauf, die eigentlichen Quellen und Plattformen aus dem Netz zu ziehen. Dennoch gilt es, die Augen offen zu halten und gerade bei kostenlosen Angeboten Vorsicht walten zu lassen. Illegale Videoportale sind zudem häufig dafür bekannt, Schadsoftware zu verbreiten oder in Abofallen zu locken. Zudem schaden sie den Urhebern oder Rechteinhabern zumindest dann finanziell, wenn sie anstelle eines legalen Angebots genutzt werden.

Was darf ich bei Filehostern herunterladen?

Auch wer über einen Filehoster wie Zippyshare oder Uploaded.net geschützte Inhalte herunterlädt, muss aufpassen. Wenn klar erkennbar ist, dass der Anbieter der Werke keine Rechte für eine Veröffentlichung hat, ist bereits der Download nicht erlaubt. Legal ist es dagegen, über Filehoster Inhalte im rein privaten Rahmen auszutauschen. Voraussetzung ist, dass die Musikdateien, Filme oder anderen Werke selbst legal erworben wurden, also nicht aus einer offensichtlich rechtswidrigen Quelle stammen. Hier gilt die Privatkopie- Regel. Privater Rahmen heißt, dass nur enge Freunde und Familienmitglieder auf die Dateien zugreifen können. Es ist aber in keinem Fall erlaubt, Links auf solche Dateien im Web zu posten, wenn man nicht über die nötigen Rechte verfügt. Genaueres zu Filehostern findet sich im Text „Download auf Knopfdruck – Wie legal sind Filehoster?“ (siehe „Mehr Informationen“ am Ende dieses Beitrags).

Sollte ich kostenlose Angebote und Downloads generell meiden?

Nein, auch wenn Dateien abseits der bekannten Verkaufsplattformen angeboten werden, sind die Angebote nicht automatisch illegal. Jeder kann selbst erstellte Fotos, Videos oder Texte ganz legal im Internet veröffentlichen. Viele Künstler stellen Ausschnitte ihres Schaffens ins Netz, etwa auf die eigene Website. Manche veröffentlichen auch ganze Werke auf diesem Weg. Diese Angebote dürfen andere – im Rahmen der urheberrechtlichen oder lizenzrechtlichen Bestimmungen – legal nutzen. Aufmerksam sollte man aber sein, wenn dasselbe Werk in vergleichbarer Form an anderer Stelle gegen Geld angeboten wird. Stellt etwa eine Band eigene Musikstücke als Werbung ins Netz, dann darf man sie auch herunterladen. Das ist jedenfalls keine „offensichtlich rechtswidrige Quelle“.