Die Guten

Stereotype Rollenmuster in digitalen Spielen

Die Guten haben es am einfachsten. Sie sehen erst mal schön aus und sind begehrenswert. Sie sind intelligent und können sicher sein, nach dem Spiel, wenn die Welt von Außerirdischen, Zombies, Nazis usw. befreit wurde, die Ballkönigin zu bekommen. Die Helden sind vor allem selbstsicher, haben keine Schwächen, handeln aus Überzeugung und mit der Gewissheit, dass ihr Handeln von der Gesellschaft legitimiert wird. Sie gehen über Leichen, aber Geschichte wird ja bekanntlich vom Sieger geschrieben. Und noch was: Der Held ist fast ausschließlich ein weißer Amerikaner. Vermutlich ist dies dem großen kulturellen Einfluss der USA durch Hollywood geschuldet oder auch der Tatsache, dass viele Spiele in den USA entwickelt werden oder spielen. Aber selbst unzählige japanische Spiele haben zumeist westliche Charaktere, beziehungsweise dominierende westliche Merkmale bei den Helden.

„Duke Nukem Forever“ (2K Games)
„Duke Nukem Forever“ (2K Games)

Andere Völker eignen sich in Videospielen weniger als Helden. Selten schafft es ein Indianer, wie in Turok, der Held zu sein. Schwarze Helden müssen ebenfalls mit der Lupe gesucht werden. In GTA IV hat es ein gescheiterter und psychisch angeschlagener Charakter aus dem ehemaligen Jugoslawien als Anti-Held zu Videospiel-Ruhm geschafft. So sind kaum Figuren zu finden, die nicht dem gängigen Bild entsprechen, also Helden, die an sich selber zweifeln und ihr Handeln hinterfragen.

Innerlich zerrissene oder so genannte Anti-Helden tauchen ebenfalls selten in digitalen Spielen auf. Das mag damit zusammenhängen, dass den Geschichten noch zu wenig Bedeutung beigemessen werden und die Charakterzeichnungen somit sehr oberflächlich ausfallen. Aber ein Trend, den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen ist erkennbar. Der gespielte Serienmörderfilm „Heavy Rain“, bietet eine vielschichtige Handlung, bei der Helden sogar sterben können. Und er baut sehr gekonnt Dilemmata in das Spiel ein, die dem Spieler Moralentscheidungen abverlangen.

Dass es auch anders sehr erfolgreich funktioniert, zeigt uns der japanische Hersteller Nintendo mit „Super Mario“, dem berühmtesten Videospielheld der Welt. Mit Latzhose, Schnauzbart und Mütze wirft Japan ausgerechnet einen Klempner ins Videospiel-Geschehen. Er ist klein, alles andere als hübsch und versteckt sein Six-Pack gekonnt unter seiner Wampe. Gelegentlich wächst Mario nach der Einnahme von Pilzen über sich hinaus. Er ist ein atypischer Videospielheld und zeigt, dass man auch ohne Muskeln die Ballkönigin aus den Klauen von riesigen Drachen befreien kann.