Neues klicksafe Informationsmaterial / Hintergrundinformationen zum Thema „Hass im Netz“

Pünktlich zum Safer Internet Day 2019 veröffentlicht klicksafe neues Informationsmaterial zum Thema „Hass im Netz“. So erscheint die klicksafe-Broschüre „Hate Speech – Hass im Netz“ in einer aktualisierten Auflage. Sie richtet sich gezielt an Fachkräfte und Eltern. Die Zielgruppe der Jugendlichen spricht die EU-Initiative u.a. mit ihrer neuen Videoreihe #lauteralshass und dem klicksafe-Quiz „Hate Speech“ an. Die klicksafe-Materialien sind so angelegt, dass sie auch im Schulunterricht eingesetzt werden können. Hier Auszüge aus den Informationsmaterialien.

Definition: Was ist Hate Speech?

Der Begriff Hate Speech (Hassrede) ist ein politischer Begriff. Bislang gibt es keine allgemeingültige Definition für das Phänomen. Das NO HATE SPEECH MOVEMENT, das aus einer Initiative des Europarates entstanden ist, definiert Hate Speech wie folgt:

„Als Hassrede bezeichnen wir sprachliche Handlungen gegen Einzelpersonen und/oder Gruppen mit dem Ziel der Abwertung oder Bedrohung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer benachteiligten Gruppe in der Gesellschaft. Die Person oder Gruppe muss dafür rein zahlenmäßig nicht in der Minderheit sein, andersherum sind Minderheitengruppen nicht automatisch benachteiligt. Beispiele für Hassrede sind für uns Sexismus, (anti-muslimischer) Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Neonazismus, Klassismus (Diskriminierung der „niedrigeren“ Schichten), Ableismus (Diskriminierung von Behinderten), Homo- und Transphobie.“ (No Hate Speech Movement, 2018).

Hate Speech trifft nicht alle gleich

Hate Speech unterscheidet sich von anderen Formen digitaler Gewalt. Von „Cyber-Mobbing“, so genannten „Shitstorms“ oder einer „verrohten Kommunikationskultur im Netz“ können im Prinzip alle in gleichem Maße betroffen sein. Hate Speech hingegen richtet sich vorwiegend gegen Personen, weil sie einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden. Sie erfahren eine Abwertung aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer (vermeintlichen) Herkunft, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Körpers. Hate Speech ist insofern eng verknüpft mit dem Begriff gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Sie kann aber auch jene treffen, die zwar selbst nicht einer der genannten Gruppen zugeordnet werden, aber online und offline für deren Rechte und gegen Menschenfeindlichkeit eintreten.

Wie erkennt man Hate Speech?

Hate Speech äußert sich oft direkt, z. B. in eindeutig rassistischen, homophoben oder sexistischen Beleidigungen sowie durch Aufruf und Androhung von Gewalt. Häufig sind Äußerungen aber auch weniger eindeutig und somit schwieriger einzuschätzen.

Was unterscheidet Hate Speech von Cyber-Mobbing?

Das Thema Hate Speech hat in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen eine große Nähe zum Thema Cyber-Mobbing. Beiden liegt ein hasserfülltes und aggressives Verhalten im Netz zugrunde, das andere zielgerichtet schädigen soll. Bei Cyber-Mobbing werden dafür einzelne Personen attackiert, zu denen die Täter in den meisten Fällen im analogen Leben in Beziehung stehen. Bei Hate Speech richtet sich der Hass gegen ganze Gruppen (auch wenn Vertreter und Fürsprecher dieser Gruppen mitunter einzeln und persönlich angegriffen werden). Hate Speech kann zudem gezielt von Gruppierungen ausgehen, die z.B. rassistische Botschaften verbreiten wollen. Oft entsteht Hate Speech auch durch die Dynamik in sozialen Netzwerken, wo mitunter enthemmt und aggressiv diskutiert wird. In der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen sind die Übergänge zur Prävention von Hate Speech und Cyber-Mobbing fließend. Deutlich wird dies beim Blick auf die Ziele von Präventionsansätzen zum Thema Cyber-Mobbing, die sich auf die Prävention von Hate Speech übertragen lassen: Die beiden Phänomene unterscheiden sich außerdem dadurch, dass bei Hate Speech eine gesamtgesellschaftliche Perspektive hinzukommt. Sie greift bestehende Diskriminierungsformen auf.

„MAKE LOVE NOT HATE SPEECH“ – Tipps für Jugendliche

AKTIV WERDEN!
Das Internet ist dein Lebensraum. Übernimm Verantwortung und sorge dafür, dass Rassismus, Sexismus und Hetze im Netz keinen Platz finden. Hater und Dauer-Störer/-innen (sogenannte Trolle) dürfen in Sozialen Medien nicht dafür sorgen, dass sich Mädchen oder Jungen aus Angst vor Gewalt zurückziehen. Zeige Zivilcourage – online und offline.

EINMISCHEN ERLAUBT!
Beziehe Position für ein weltoffenes und respektvolles Miteinander. Weise andere darauf hin, wenn du das, was sie posten, für rassistisch hältst. Informiere dich, argumentiere gegen Hetze im Netz, betreibe Widerstand mit Worten. So haben Rassisten und Menschenfeinde nicht das Gefühl, im Sinne einer schweigenden Mehrheit zu handeln.

RESPEKT IM NETZ!
Achte auf Netiquette und einen fairen Umgangston – auch Worte können andere verletzen. Vermeide aggressiv klingende Pseudonyme. Schaue auch bei vermeintlich lustigen Seiten darauf, ob die Späße nicht auf Kosten anderer gemacht werden. Diskriminierung ist nicht lustig! Pass auf, dass du nicht selbst Sprachmuster benutzt, in denen Vorurteile stecken (z. B. „Das Boot ist voll.“).

GRENZEN SETZEN!
Lösche Beleidigungen und Bedrohungen als Moderator/-in einer Seite. Blocke Leute, die sich bewusst rassistisch äußern, oder streiche sie von deiner Freundesliste. Melde Hasskommentare beim Betreiber der Seite, damit diese gelöscht werden. Vergiss dabei nicht, Beweise in Form von Screenshots mitzuliefern. Aussagen, die z. B. volksverhetzend sind oder zu Gewalt aufrufen, sind gesetzlich verboten und können geahndet werden.

GENAU HINSEHEN!
Lass dich nicht für dumm verkaufen. Hate Speech ist manchmal schwer zu erkennen. So werden teils bewusst falsche Aussagen verbreitet, oder Hate Speech tarnt sich als Ironie. Vor allem rechtsextreme Gruppen benut-zen Soziale Medien, um menschenfeindliche Inhalte zu verbreiten. Sei kritisch und prüfe Quellen und Profile. Adde nur als Freunde, wen du kennst und wem du vertraust.

FANTASIE STATT HASS!
Auch Ironie kann ein Mittel sein, um Hass im Netz mit Haltung zu begegnen. Manchmal hilft Humor auch, um absurde Argumente zu entlarven. Allerdings wird dadurch keine sachliche Diskussion angeregt und es besteht das Risiko missverstanden zu werden. Wer inhaltlich einsteigt, muss viel Zeit und Energie mitbringen und aufpassen, nicht selbst zur Zielscheibe zur werden.

SCHÜTZE DICH SELBST!
Achte beim Umgang mit Hasskommentaren auf dich selbst und deine Grenzen. Es gibt Leute im Netz, die ihre Hassbotschaften möglichst weit verbreiten wollen, egal wie. Wenn Beiträge von solchen Dauer-Störer/-innen dir zu nah gehen, ist Löschen oder Blocken angesagt. Setze dich bei Counter Speech (englisch für „Gegen-rede“) nicht unnötigen Gefahren aus.

HILFE HOLEN!
Wenn du unsicher bist oder selbst angefeindet wirst, dann sprich mit Freunden, Eltern oder anderen vertrauten Personen und hol dir Unterstützung. Auch auf diesen Seiten im Netz findest du Hilfe:
www.juuuport.de: Selbstschutz-Plattform von Jugendlichen für Jugendliche
www.nummergegenkummer.de: Hilfe bei kleinen und großen Problemen
www.hass-im-netz.info: Informationen zu Hass im Netz und Meldemöglichkeit
www.debate-dehate.com: Initiative für die digitale demokratische Kultur

Muster von Hate Speech*

* Die im Folgenden genannten Beispiele beinhalten Äußerungen, die verletzend und menschenverachtend sind. Die Herausgeber distanzieren sich ausdrücklich davon und weisen darauf hin, dass diese ausschließlich der Veranschaulichung dienen.

  • Bewusste Verbreitung uninformierter oder falscher Aussagen
    (z.B. „Die Flüchtlinge haben alle teure Handys.“, „Die Flüchtlinge müssen im Supermarkt nicht bezahlen.“)
  • Tarnung als Humor oder Ironie
    (z.B. „Ich will auch ein neues Smartphone. Werd‘ ich im nächsten Leben halt Asylant.“)
  • Herabwürdigende und verunglimpfende Begriffe; sexistische und rassistische Beleidigungen
    (z.B. „Homo-Lobby“, „Asylantenflut“, „Das Boot ist voll“, „Ausländer raus“, „Drohende Islamisierung“)
  • Verallgemeinerungen
    (z.B. „Alle Griechen sind faul.“)
  • Wir/Die-Rhetorik
    (z.B. „Die bedrohen ‚unsere‘ Frauen.")
  • Verschwörungstheorien
    (z.B. „Der Staat will unsere Kinder zu Homosexuellen erziehen.“ „Die Politik unterstützt die Islamisierung Deutschlands.“)
  • Plakative Bildsprache
    (z.B. Rassistische Darstellung von beispielsweise schwarzen Menschen mit Baströckchen. Bilder, die Stereotype reproduzieren, indem sie z. B. muslimische Männer mit Sodomie in Verbindung bringen.)
  • Befürwortung oder Androhung sexualisierter Gewalt – oft in konzentrierter Form
    (Ein Beispiel dafür ist das sogenannte #GamerGate. Unter diesem Hashtag organisierte sich 2014 in den Sozialen Medien so viel Hass in Form von Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen die sexismuskritische Videobloggerin Anita Sarkeesian, dass sie zeitweise untertauchen musste. Öffentliche Auftritte der Bloggerin mussten wegen Bombendrohungen abgesagt werden.)
  • Befürwortung von oder Aufruf zu Gewalttaten
    (z.B. „Die sollte man alle abknallen/verbrennen/vergasen…“, „An den Galgen mit ihnen!“)

klicksafe-Materialien zum Thema „Hass im Netz“

Broschüre: „Hate Speech – Hass im Netz“
Informationen für Fachkräfte und Eltern zu Hasskommentaren im Netz / Neuauflage: Februar 2019
www.klicksafe.de/hate-speech

klicksafe-Quiz „Hate Speech“
Mit dem klicksafe-Quiz können vor allem Jugendliche ihr Wissen über Hass, Hetze und Diskriminierung im Netz testen.
www.klicksafe.de/quiz

Webinar „Hate Speech – Was tun gegen Hass im Netz?“:
Das Webinar ist in Kooperation mit der Amedeu Antonio Stiftung entstanden und bietet eine Übersicht über Strategien von rechtsextremistischen und rechtspopulistischen Bewegungen in sozialen Netzwerken und zeigt mögliche Gegenstrategien auf.
www.klicksafe.de/service/aktuelles/webinare

Unterrichtsmaterial

„Ethik macht klick“ – Werte Navi fürs digitale Leben – (aktuell nur online verfügbar)
Das Arbeitsmaterial „Ethik macht klick“ bietet Lehrkräften und Pädagogen eine Fülle von Praxisprojekten für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Themenfeld "Ethik und Werte im Internet".
Es vermittelt eine ethische Haltung zu Themen, bei denen Orientierungsbedarf besteht, hierzu zählen u. a. der Schutz der Privatsphäre, Cyber-Mobbing bzw. Online-Gewalt und Gender-Sensitivität.
www.klicksafe.de/service/schule-und-unterricht/zusatzmodule-zum-lehrerhandbuch/

„Rechtsextremismus hat viele Gesichter“
Das Zusatzmodul für die Einbindung des Themas in den Unterricht möchte Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens vermitteln und für das Erkennen rechtextremer Meinungsmache sensibilisieren sowie Gegenstrategien aufzeigen.

„Was tun bei (Cyber)Mobbing?“
Das Handbuch für Lehrkräfte bietet neben Grundlagen zum Thema Mobbing verschiedene Interventions- und Präventionsmöglichkeiten im schulischen Umfeld.

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