Forderungen des klicksafe Youth Panels
In mehreren Befragungen und Workshops hat sich das Youth Panel darüber ausgetauscht, was es sich wünscht, damit junge Menschen sicherer, besser und selbstbestimmter im Netz unterwegs sein können. Daraus sind konkrete Forderungen entstanden, die sich an erwachsene Personen (z.B. Eltern, Lehrkräfte), Institutionen, Anbieter von Plattformen und politische Akteure richten. Die Youth Panel Mitglieder sagen ganz klar: Wir möchten zu Wort kommen, wenn es um das geht, was wir online sehen und erleben! Wir möchten mitsprechen, wenn es um das geht, was wir brauchen!
Wir möchten online sein – aber sicher!
- Gegen den „Sog“!
Apps und Online-Spiele sind oft so aufgebaut, dass sie uns so lange wie möglich binden sollen (unter anderem durch sogenannte „Dark Patterns“). Das Handy einfach wegzulegen, ist daher gar nicht so leicht. Selbst wenn man versucht, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren. Solche Sperren und Timer sind schnell aufgehoben, gelöscht oder angepasst. Für einen bewussteren Medienkonsum braucht es daher mehr Steuerung von außen. Plattformen müssen mehr in der Pflicht genommen werden, junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre Medienzeit besser im Griff zu haben. Zum Beispiel über Erinnerungshilfen für „Echtzeit-Pausen“ oder sogar radikale Maximalzeiten für die Nutzung. - Social-Media-Inhalte müssen zum Alter passen!
Kinder und Jugendliche sollten nur auf Inhalte zugreifen können, die zu ihrem Alter passen. Plattformen wie TikTok, Instagram und Co müssen dafür sorgen, dass junge Menschen problematischen und jugendgefährdenden Inhalten gar nicht begegnen. - Altersnachweis!
Auch wir finden Datenschutz wichtig. Solange es aber keine wirkliche Altersverifikation bei Apps oder bestimmten Plattformen gibt, werden Kinder und Jugendliche mit Inhalten in Berührung kommen, die nicht für sie geeignet sind oder auch mit Personen, die ihnen schaden können, beispielsweise durch sexualisierte Gewalt. Sich einen Fake-Account anzulegen, sollte nicht mehr so leicht möglich sein. - Smartphone ja, aber nicht zu früh!
Kinder sollten nicht zu früh ein eigenes Smartphone bekommen. Zum einen, weil sie mit problematischen Inhalten in Kontakt kommen können. Zum anderen, weil sie Inhalte sehen (z.B. auch von Influencer*innen), für die sie noch viel zu jung sind. Sie könnten denken, dass sie so sein müssen, um „richtig“ oder „cool“ zu sein. Die Folge ist, dass die Kinder zu schnell erwachsen werden. - Echte Konsequenzen für Nutzer*innen!
Konten, die auffällig geworden sind, weil sie beispielsweise gewalthaltige, kinder- und jugendgefährdende Inhalte gepostet haben oder andere Nutzer*innen belästigen (Cybermobbing, sexuelle Belästigung oder auch Hasskommentare), sollten sofort gesperrt werden. - Mehr „Realness“ bitte!
Wir brauchen in Social Media mehr echte Inhalte und weniger Fake. Vor allem wenn es um Themen wie Körperbewusstsein und mentale Gesundheit geht. Influencer*innen sollten sich darüber klar sein, dass sie für viele junge Menschen Vorbilder sind und hier eine Verantwortung haben. Sie müssen Werte vermitteln, die zum Alter passen und wirklich zählen. - Keine extremistische Propaganda in Social Media!
In Social Media werden demokratiefeindliche Botschaften sichtbarer und gefährliche Propaganda wird rund um die Uhr gepostet. Rechtsextreme und Islamisten versuchen junge Menschen von ihrer Ideologie zu überzeugen. Politik und Strafverfolgung muss hier mehr tun. Und auch wir müssen alle mehr digitale Zivilcourage zeigen. - Mehr Medienkompetenz!
Es ist wichtig, junge Menschen über das Internet und mögliche Online-Risiken frühzeitig aufzuklären. Sie brauchen Werkzeuge, die ihnen dabei helfen, Problemen online möglichst aus dem Weg zu gehen bzw. damit kompetent umzugehen. Es ist auch wichtig, zu wissen, wo man Beratung und Hilfe bekommt, wenn man Fragen hat oder doch mal etwas passiert ist. Medienkompetenz sollte daher fest in der Schule integriert sein und das frühzeitig! Auch Peer-to-Peer Arbeit (z.B. Medienscouts) ist ein wichtiger Baustein. - Hobbys statt scrollen!
Es ist wichtig, Interessen und Aktivitäten nachzugehen, die außerhalb des Displays stattfinden. Kinder sollten frühzeitig dabei unterstützt werden, offline aktiv zu sein, sich zu bewegen, Interessen auszuprobieren und Hobbys zu finden. Ob allein, gemeinsam mit Freunden oder der Familie. Dabei sollten Eltern helfen, aber es muss auch genügend Offline-Angebote für junge Menschen geben, die durch Politik bzw. Kommunen gefördert werden. - Anlaufstellen für Beratung und Hilfe sichtbarer machen!
Kinder und Jugendliche brauchen das Wissen, an welche Beratungs- und Hilfestellen sie sich wenden können, wenn sie Fragen oder Probleme im Internet haben. Es sollte mehr darüber gesprochen werden, dass es in Ordnung ist, sich Hilfe zu suchen: Stress und problematische Inhalte im Netz sollten keine Tabu-Themen sein!