Datenschutz und Suchmaschinen

Was ist Datenschutz?

Der Datenschutz beruht in Deutschland auf den beiden ersten Artikeln des Grundgesetzes (Art. 2 I GG, Art. 1I GG); das Bundesverfassungsgericht hat im sogenannten Volkszählungsurteil im Jahr 1983 daraus das „Recht auf informelle Selbstbestimmung“ abgeleitet. In den Datenschutzgesetzen des Bundes und der Länder sowie in Spezialgesetzen wie dem Telemediengesetz (TMG) oder dem Telekommunikationsgesetz (TKG) ist der Datenschutz im Einzelnen geregelt. Der Zweck dieser Gesetze ist es, den Einzelnen davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird. Einer der wesentlichen Grundsätze des Datenschutzes ist es, dass die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von personenbezogenen Daten im Prinzip verboten ist, es sei denn, es gibt eine klare Rechtsgrundlage oder der Einzelne gibt seine ausdrückliche Zustimmung (sogenanntes Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt)

Im Zusammenhang mit Suchmaschinen wird Datenschutz vor allem in Bezug auf die Zugriffsmöglichkeiten auf personenbezogene Daten und deren Verarbeitung diskutiert sowie in Bezug auf die Anwendbarkeit deutschen und europäischen Rechts auf internationale Suchmaschinenbetreiber. Die Kritik an den Suchmaschinen bezieht sich insbesondere auf die Intransparenz im Umgang mit den Nutzerdaten. Viele Suchmaschinennutzer sorgen sich, dass individuelle Nutzerprofile erstellt werden, wenn sie eine Suchanfrage starten, und dass immer mehr Daten über sie erhoben werden (Datenaggregation). Um dieser Kritik nachzugehen, ist es sinnvoll, die Gründe für die Datenspeicherung durch Suchmaschinen zu kennen. Das Internet ist schon heute allgegenwärtig und beeinflusst die Art, wie wir arbeiten, wie wir Medien konsumieren, wie wir miteinander kommunizieren. Auch in Zukunft wird das Web für Wirtschaft, Universitäten, Schulen und viele weitere Lebensbereiche eine wichtige Rolle spielen. Schon heute ist es möglich, mit Hilfe von Satellitenbildern die Erde zu erkunden, das Video der Lieblingsband in Sekunden zu finden, sich ein nahe liegendes Hotel in einer fremden Stadt anzeigen oder sich bei der Übersetzung von fremdsprachigen Texten helfen zu lassen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass der Großteil dieser Dienste nur durch das Erfassen, Auswerten und Bereitstellen von Daten ermöglicht wird. Andererseits stellt sich die Frage, welche Daten wie dauerhaft gesammelt werden und wie stark sie personalisiert sind.

Mehr dazu im Kapitel „Ausblick: personalisierte Suche“.

Welche Informationen findet eine Suchmaschine über mich?

Viele Nutzer sind erstaunt, wenn sie die Ergebnisse einer Suche nach ihrem eigenen Namen sehen. Für jeden auffindbar sind Informationen wie das Alter, die besuchte Schule, die Adresse, Freunde aus Chatforen oder die Partybilder des letzten Wochenendes. All diese Daten haben die Nutzer selbst irgendwo im Netz eingegeben, z.B. auf den Seiten von Sozialen Netzwerken. Die Daten sind dann oft lange Zeit über Suchmaschinen für jeden auffindbar. Jeder Einzelne sollte sich deshalb überlegen, welche Daten er eingibt bzw. welche Daten er von einer Suche ausschließt. Bereits im Schulunterricht sollte man Schülern beibringen, wie man mit den eigenen Daten umgeht, was man wem anvertrauen kann, aber auch, wie man seine eigene Reputation im Netz aufbaut und bewahrt.

Daten im Netz

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass eine Suchmaschine Informationen über eine Person nicht selbst bereitstellt, sondern lediglich solche Informationen findet und zusammenstellt, die auf Webseiten von Dritten  veröffentlicht sind. Wenn man Informationen über sich selbst findet, die man entfernt haben möchte, sollte man sich daher immer zuerst an denjenigen wenden, der diese Information veröffentlicht hat, also an den Webmaster der fraglichen Seite.

Ausführliche Informationen und didaktisches Material zu diesem Thema finden Sie hier.

Welche Daten werden erfasst, wenn man eine Suchmaschine nutzt?

Wenn eine Suche durchgeführt wird, speichern die Server der Suchmaschinen automatisch verschiedene Informationen, die sogenannten Serverprotokolle. Diese Protokolle enthalten das Internet Protocol (IP-Adresse) des Internetanschlusses, den der Nutzer verwendet – also die Nummer, die jedem Computer, der eine Verbindung mit dem Internet herstellt, zugewiesen wird. Einige Metasuchmaschinen (wie Ixquick, MetaGer oder Yabado) verzichten auf das Speichern von IP-Adressen. Dies ist möglich, weil Meta suchmaschinen den Datenbestand von indexbasierten Suchmaschinen übernehmen; sie sind – anders als indexbasierte Suchmaschinen – nicht darauf angewiesen, IP-Adressen zur Verbesserung ihrer Dienste und zur Abwehr von Spammern zu nutzen. Des Weiteren werden die Suchanfrage, Datum und Zeitpunkt der Anfrage sowie eine eindeutige Cookie-Nummer gespeichert. Diese Nummer identifiziert ein Cookie, das auf dem Computer des Nutzers beim ersten Besuch abgelegt wurde.

Was macht eine Suchmaschine mit den Informationen, die sie bei einer Suche erfasst?

Zunächst einmal nutzen Suchmaschinen die erfassten Daten (des Serverprotokolls und der Cookies), um die Suchergebnisse zu verbessern. Wenn ein Nutzer nach Eingabe einer Suchanfrage auf das erste Ergebnis klickt und von der angeklickten Webseite nicht sofort zur Suchmaschine zurückkehrt, bedeutet das, dass der Nutzer wahrscheinlich das gefunden hat, wonach er gesucht hat. Die Suchmaschine konnte also das relevanteste und nützlichste Suchergebnis anzeigen. Wenn der Nutzer die nächste Seite der Ergebnisse aufruft oder seine Suchanfrage neu formuliert, bedeutet das für die Suchmaschine, dass der/die Nutzer/in das, was er/sie gesucht hat, nicht gefunden hat. In diesem Fall wird die Suchmaschine versuchen, ihre Suchergebnisse entsprechend der statistischen Auswertungen zu verbessern.

Protokolldaten und Cookies helfen Suchmaschinen nicht nur bei der Verbesserung der Suchergebnisse, sondern auch bei der Entwicklung hilfreicher Dienste für den Nutzer, wie z.B. die Rechtschreibprüfung oder die Autocomplete-Funktion (siehe auch Kapitel 1).

Darüber hinaus helfen Protokolldaten und Cookies, Suchmaschinen vor Betrug und anderem Missbrauch zu schützen, also vor sogenanntem Suchmaschinen-Spam. Mit Hilfe von Protokolldaten und Cookies kann solcher Spam erkannt und ggf. zum Verursacher zurückverfolgt werden.

Suchmaschinen können auch Protokolldaten (vor allem den Suchbegriff) und Cookies verwenden, um die Werbeanzeigen genauer auf die Nutzer abzustimmen. So basiert der Großteil der Anzeigen auf Suchanfragen der Nutzer. Wer beispielsweise die Suchbegriffe [Urlaub Spanien] eingibt, erhält andere Anzeigen als derjenige, der [Handytarife] eingibt.

Ausblick: Personalisierte Suche

Unter dem Stichwort „personalisierte Suche“ versuchen Suchmaschinen, die Relevanz der Suchergebnisse weiter zu verbessern, und zwar nicht für die anonyme Vielzahl aller Nutzer gleichermaßen, sondern für den – ebenfalls anonymen – einzelnen Nutzer. Letztendlich kann nur der Einzelne entscheiden, was für ihn persönlich von Bedeutung ist. Eine Suchmaschine kann in der Regel nicht vorhersagen, ob sich eine Person, die nach dem Begriff [Jaguar] sucht, eher für das Tier oder das Auto interessiert. Sie kann nur anhand genereller Statistiken entscheiden, ob für den Nutzer eher der Link zu einer Tier- oder der zu einer Autowebseite relevant ist.Hätte die Suchmaschine mehr Informationen über einen einzelnen Nutzer (z.B. die Information, dass er sich häufig für Kfz-Seiten interessiert), könnte diesem Nutzer sogleich die Seite des Herstellers von Jaguar- Automobilen angeboten werden. Einem Nutzer, der sich in der Vergangenheit mehr für Raubkatzen und Südamerika interessiert hat, würde eine andere Webseite als erstes Suchergebnis angeboten werden, obwohl beide Personen nach dem gleichen Suchbegriff gesucht haben. Informationen über den Nutzer verbessern also das Suchergebnis. Außerdem sorgen sie dafür, dass Werbung zielgerichtet geschaltet werden kann: Während z.B. Werbung für den FC Bayern München bei einigen Menschen gut ankommt, wird sie von anderen evtl. als störend empfunden; die Anbieter von Kajalstiften wollen Werbegelder nicht bei männlichen Rezipienten vergeuden, und Seniorenreisen sind nichts für Zwanzigjährige.

Diese „Personalisierung“ kann jedoch nur angeboten werden, wenn die Suchmaschine Informationen über einzelne Nutzer hat. Hierzu erfragen Suchmaschinen beim Anlegen eines Nutzerkontos („Account“) zusätzliche Informationen, z.B. den Namen, die E-Mail-Adresse, das Geburtsdatum, das Geschlecht oder die Postleitzahl des Wohnortes.

Neben den Vorteilen für die Kunden durch ein verbessertes Produkt gibt es zu diesen Entwicklungen durchaus auch kritische Anmerkungen. Das Erfassen vieler Daten ermöglicht Suchmaschinen, das Verhalten eines Nutzers im Internet nachzuvollziehen und möglicherweise seinen ungefähren Aufenthaltsort und sein (Internet-)Kaufverhalten zu bestimmen. Nicht anders als in vielen anderen Branchen (man denke an Krankenakten, an Banken oder an Kundenkarten) werden hier Daten gesammelt, um die Dienste zu verbessern. Andererseits bergen solche Datensammlungen immer auch die Gefahr des Datenmissbrauchs.

Teilweise wird die Informationsbreite für den einzelnen Nutzer hinsichtlich personalisierter Suchergebnisse diskutiert. Hintergrund der personalisierten Suchergebnisse ist das Bestreben der Suchmaschinen, dass Nutzer schneller finden, was sie suchen. Dem Nutzer personalisierter Suchergebnisse werden zwar alle Suchergebnisse angezeigt, die auch dem Nutzer nichtpersonalisierter Suchergebnisse angezeigt werden, allerdings in einer auf den einzelnen Nutzer abgestimmten Reihenfolge. Dies führt in der Regel dazu,dass der einzelne Nutzer schneller findet, was er sucht. Andererseits kann es auch dazu führen, dass dem Nutzer nicht mehr die Suchergebnisse auf den ersten Ergebnisseiten angezeigt werden, die ihm ohne die personalisierten Suchergebnisse angezeigt worden wären. Dieses Phänomen wird verschiedentlich als „Filterblase“ bezeichnet. Wer nicht will, dass der Algorithmus der Suchmaschinen bestimmte Verknüpfungen herstellt, kann daher a) im nicht-angemeldeten Modus suchen, b) im angemeldeten Modus sein Webprotokoll regelmäßig löschen sowie c) seine Cookies regelmäßig löschen.