Die Medien der Neuen Rechten

Interview mit Camilla Kohrs von Correktiv

Frau Kohrs, Sie haben sieben verschiedene Medien der Neuen-Rechten in Deutschland untersucht (Junge Freiheit; KenFM; PI; Compact; Kopp; RT Deutsch; Sezession). Welche Merkmale haben alle diese Medien gemein?

Die untersuchten Medien sprechen ein Publikum an, das sich von den sogenannten (fremdbetiteltet) „Mainstream-Medien“, den etablierten Medien, nicht ausreichend bzw. in ihrem Sinne informiert fühlen. In diesen Medien werden andere Schwerpunkte gesetzt - rechts-konservativ oder in die verschwörungstheoretische Richtung. Sie wollen eine Art „Gegenöffentlichtkeit“ etablieren; gegen Themen, die sie als „Mainstream“ bezeichnen. Das kann beispielsweise eine ganz andere Art der Berichterstattung über Russland sein, als wir sie aus den etablierten Medien kennen.

 

Wie verbreitet sind diese Medien?

Die einzige geprüfte Auflage hat die Junge Freiheit, das sind derzeit etwas mehr als 28.000 verkaufte Auflagen wöchentlich, Compact hat angeblich 40.000 verkaufte Auflagen monatlich. Die Websites und Facebookseiten erreichen mehr Menschen. Verglichen jedoch mit Spiegel Online oder Zeit Online erreichen die Medien nicht so viele Menschen. Meine Einschätzung ist, dass das Internet und soziale Medien natürlich eine viel größere Reichweite für die Medien schaffen als sie nur mit Print-Produkten erreichen könnten. Das gilt aber für eigentlich alle Medien. Eine quantitative Aussage kann ich da nicht treffen.

 

Einige dieser Medien verorten sich selbst nicht politisch rechts. Wie positionieren sich diese Angebote?

KenFM, das Magazin „Compact“, RT Deutsch und einige Bücher des Kopp-Verlags geben vor, den klassischen Konflikt zwischen Rechts und Links aufzuheben. Anstelle dessen treten ein „Oben gegen Unten“, ein „Volk gegen Eliten“.

 

Andere machen dagegen keinen Hehl aus ihrer rechten Gesinnung. Beobachten Sie dennoch ideologische Unterschiede?

Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, das Theoriemagazin „Sezession“ und der Blog „PI-News“ positionieren sich klar rechts der CDU. Vor allem bei der Jungen Freiheit und bei der Sezession sollen rechtskonservative Ansichten transportiert werden. Bei der Jungen Freiheit wird man keine rechtsextremen Inhalte finden. Der Herausgeber der Sezession, Götz Kubitschek, distanziert sich nach Ansicht beispielsweise des Herausgebers der Jungen Freiheit, Dieter Stein, hingegen nicht ausreichend von der NPD. Bei Veranstaltungen des mit der Sezession verbandelten Instituts für Staatspolitik nehmen beispielsweise NPDler teil. In einem Text vom August 2013 warb der italienische Aktivist Adriano Scianca dafür, den Faschismus auf die heutige Zeit zu übertragen.

 

Der rechte Blog PI-News verfügt über eine hohe Reichweite und ist besonders bekannt. Die Strukturen hinter dem Blog sind intransparent, er wird anonym betrieben. Welche Konsequenzen hat das?

Es gibt kein Impressum, wo ein Herausgeber oder Verantwortlicher genannt wird. Das alleine enttarnt die Seite als ein unseriöses Medium. Es gibt keinen Ansprechpartner, an den sich Betroffene falscher oder verunglimpfender Darstellungen wenden und eine Richtigstellung verlangen können. 

 

Worum geht es inhaltlich bei PI-News?

Der Blog bewirbt sich selbst als „gegen den Mainstream, pro-amerikanisch, pro-israelisch, gegen die Islamisierung Europas, für Grundgesetz und Menschenrechte“. Die bestimmenden Themen sind Verbrechen von Zuwanderern und die angebliche Überfremdung Europas. Es werden beispielsweise Polizeiberichte und Berichte aus Zeitungen verlinkt oder zitiert, die über kriminelles Verhalten von Ausländern berichten. Verbrechen jedoch von Rechten bzw. fremdenfeindlich motivierte Verbrechen werden hier nicht in einem nennenswerten Umfang thematisiert. Die Themensetzung ist also stark selektiv. Geflüchtete werden teilweise als „Merkels Fiki-Fiki-Fachkräfte“ bezeichnet. Viele der Blogartikel thematisieren sexuelle Gewalt von Ausländern.

 

Besetzt der Blog auch Themen jenseits vermeintlicher Kriminalität von Zugewanderten?

Begriffe wie „Lügenpresse“ tauchen hier stetig auf. Es gibt zudem vereinzelt Texte, die sehr konservative Werte transportieren. Zum Beispiel in dem Text „Europas kinderlose Politiker“ - dort wird beschrieben, dass die Kinderlosigkeit der Deutschen „mittelfristig zu einer Überrepräsentanz von „Einwandererkindern“ in der erwerbstätig relevantesten Altersgruppe von 20-35 Jahren“ führen wird. Als Beispiele werden einige Politiker genannt –kinderlose Politiker der AfD tauchen hier aber nicht auf.