Fan-YouTuber oder wirtschaftliches Kalkül?

Mit YouTube Geld zu verdienen ist durchaus möglich und inzwischen der Wunsch vieler Jugendlicher. Doch mit dem Wunsch nach Erfolg und dem großen Geldsegen verändert sich der anfängliche Gedanke von Spaß und Unterhaltung hin zu Vermarktung und Beeinflussung. Der Schein von Authentizität und Ehrlichkeit wird durch den Star zum Anfassen, der sich als bester Freund verkauft, aufrechterhalten und zu kommerziellen Zwecken genutzt. Die Unternehmen sehen das große Potential, das YouTube ihnen für ihre Produktvermarktung bietet und setzen auf das Product Placement der YouTuber/innen. 

Den meist jugendlichen Fans wird der Kauf von Produkten somit nicht nur nahegelegt, weil der YouTuber oder die YouTuberin selbst überzeugt oder begeistert davon ist, sondern weil ihnen eine erfolgreiche Vermarktung mehr Geld und mehr Werbedeals einbringt. Einige YouTuber/-innen verlangen jedoch auch weiterhin das Recht, sich zu Produkten kritisch äußern zu dürfen und ihre Meinung vertreten zu können.

Hierzu referierten Marie Meimberg, Elisa Kropp und Robin Blase, Mitbegründer des Vereins 301+, auf der Republica 2015 unter dem Titel "Wachstumsgeile Kommerzhuren". Wichtig war ihnen hierbei die klare Abgrenzung zu ihren YouTube-Kolleginnen und Kollegen, die unter anderem durch Schleichwerbung ihr Geld verdienen und sich ihrer Rolle als Vorbilder und Idole entweder "zu bewusst" oder eben gar nicht bewusst sind. Deutlich machen sie jedoch auch das Unwissen vieler ihrer noch sehr jungen Kolleginnen und Kollegen, deren Naivität gegenüber Firmen und Unternehmen unter anderem ein großes Problem in diesem Zusammenhang darstellt.

Meimberg, Kropp und Blase stimmen unter anderem aus den genannten Gründen für eine schärfere Kontrolle und Regulierung durch die Landesmedienanstalten, um  solchen Problemen vorzubeugen. (siehe dazu: www.youtube.com/watch?v=wU9BF8kTh40, Stand: 20.07.2015)

Neben intrinsisch motivierten YouTuber/-innen, deren vordergründige Wünsche weiterhin das Ausleben ihrer Kreativität und die Unterhaltung ihrer Fans sind, ist jedoch inzwischen ein großer Teil erfolgreicher YouTuber/-innen vom kommerziellen Gedanken geprägt. Ein Beispiel ist Sami Slimani, dessen Hauptaugenmerk auf die Vermarktung einer Rolle liegt, die er nach den Vorstellungen seiner Fangemeinde auslegt. Ob bewusst oder unbewusst - die Einflussnahme der YouTuber/-innen auf ihre Fans ist der Weg zum „großen Geld“ und in Anbetracht der Monetarisierung und des Kommerz nahezu unumgänglich. (siehe auch: Infografik zum Thema Monetarisierung bei YouTube von klicksafe)

Ob die YouTuber/-innen wissen, welchen Einfluss sie wirklich auf ihre Fangemeinschaft nehmen und welche Folgen dies mit sich führen kann, ist sicherlich von Person zu Person unterschiedlich.

Neben dem Unwissen einiger Fans über das Thema Kommerzialisierung ist ein weiteres Problem die Naivität und in diesem Zusammenhang das Abwehren solcher "Unterstellungen" gegenüber ihren Idolen.

An dieser Stelle ist es die Aufgabe der Pädagogik, Jugendliche über die YouTube-Szene aufzuklären. Dabei soll es nicht um das Abschrecken oder Verbieten der Plattform gehen, sondern um den reflektierten Umgang mit YouTube und den YouTube-Stars.