„Tu Was! Zeig Zivilcourage! Auch im Netz!“ gewinnt klicksafe Preis 2016

Köln, 24. Juni 2016. Der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet geht in diesem Jahr an die Kampagne „Tu Was! Zeig Zivilcourage! Auch im Netz!“. Im Rahmen der Preisverleihung des Grimme Online Award wurden die Initiatoren der Kampagne heute in der Flora in Köln ausgezeichnet. Mit dem klicksafe Preis prämiert die EU-Initiative in Zusammenarbeit mit der Stiftung Digitale Chancen Webangebote und Projekte, die einen herausragenden Beitrag zur sicheren Nutzung des Internets leisten.

Erstmalig wurden in diesem Jahr Webangebote sowie Maßnahmen, Projekte und Initiativen gewürdigt, die sich für „Courage im Netz“ einsetzen. klicksafe rief daher insbesondere jene zur Teilnahme am Wettbewerb auf, die sich für Demokratieförderung, Meinungsfreiheit im Netz, gegen menschenverachtendes Denken und „Hate Speech“ stark machen. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der renommierten Auszeichnung wurde die Preispatenschaft gleich doppelt übernommen: YouTube Star Dagi Bee und Moderator Simon Beeck (1LIVE u. a.) übergaben nach ihrer gemeinsamen Laudatio den Preis an die Gewinner-Kampagne „Tu Was! Zeig Zivilcourage! Auch im Netz!“ (www.zeig-courage.de).

„Tu Was! Zeig Zivilcourage! Auch im Netz!“ setzt beim Phänomen Hate Speech an – einem Phänomen aus der Mitte der Gesellschaft, so die Preis-Jury. Die Kampagne zeigt auf, dass Zivilcourage auch in der Online-Welt gefördert werden muss, um das soziale Klima innerhalb der Gesellschaft zu verbessern. Gemeinsam mit Jugendlichen wurden dazu sechs „Goldene Regeln“ für Zivilcourage im Internet erarbeitet. Die Regeln in Kürze: Schau nicht weg! Zeige Respekt! Bleib fair! Beziehe Position! Stehe Betroffenen zur Seite! Kein Hass! Hierauf aufbauend erfolgt die Aufklärung über Zivilcourage im Netz in Seminaren, Informationsveranstaltungen, Aktionen im öffentlichen Raum, Fortbildungen sowie im Schulunterricht. Das Konzept, so lobt es die Jury, ist auf andere Regionen und Kommunen gut übertragbar und ermögliche eine vorbildliche Verknüpfung von Sozialraum und dem World Wide Web. Die Kampagne wurde initiiert durch die Bremische Landesmedienanstalt, das ServiceBureau Jugendinformation und den Verein „Tu was! Zeig Zivilcourage!“.

Der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet zeichnet seit 2006 Angebote aus, die einen Beitrag zur Förderung der Medienkompetenz und sicheren Nutzung des Internets leisten. Dotiert ist der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet mit einem Preisgeld von 1.000,- Euro.

klicksafe führt den Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der Stiftung Digitale Chancen (www.digitale-chancen.de) durch. Seit 2009 wird der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet im Rahmen des Grimme Online Award vergeben. Die Jury des klicksafe Preises setzte sich in diesem Jahr zusammen aus: 

  • Beate Friese, Nummer gegen Kummer e. V.
  • Sebastian Gutknecht, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Landesstelle NRW e. V., Mitglied der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)
  • Anne-Kathrin Kaelcke, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 

Interview mit Dagi Bee und Simon Beeck
Laudatoren für den klicksafe Preis für Sicherheit im Internet 2016

Dagi, was bedeutet für dich „couragiert im Netz“ zu sein?

DAGI BEE: Courage bedeutet Mut. Mutig im Netz zu sein, heißt nicht, die größte Klappe zu haben, weil die Anonymität des Internets es erlaubt, sondern für sich selbst und andere einzustehen. Mut zu haben, seine Meinung zu vertreten, sich beherzt einsetzen, auch für andere. Allerdings können Gegenrede und Courage im Netz auch dazu führen, dass man selbst zur Zielscheibe von Hate Speech wird. Jeder sollte sich deshalb auch selbst schützen und bei Problemen Unterstützung und Hilfe holen.

Und für Dich, Simon?

SIMON BEECK: Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Leben im Netz und dem Leben vor der Haustür. Was ich Leuten nicht ins Gesicht sagen würde, würde ich auch nicht im Netz an ihre Pinnwand schreiben. Wenn ich was sehe, was nicht geht, mache ich im Netz genauso den Mund auf wie auf der Straße.

Habt Ihr selbst schon einmal etwas Schlimmes im Netz erlebt?

DAGI BEE: Es wurden Gerüchte über mich gestreut, die eine große Hatewelle nach sich gezogen haben. Es gab Hassseiten über mich, auf denen Zitate und Posts gefälscht und sogar mit Photoshop mein Kopf mit einem Messer bearbeitet wurde. Nicht nur ich wurde für etwas beschimpft, was ich nicht gemacht habe, sondern auch meine Familie und Freunde bedroht und beleidigt.

SIMON BEECK: Im Zuge der ersten Flüchtlinge, die letztes Jahr nach Deutschland gekommen sind, war viel Unmenschliches im Netz zu lesen. Teilweise auch unter Statements, die ich im Netz abgegeben habe. 

Wie seid Ihr damit jeweils umgegangen?

DAGI BEE: Ich habe mich viel damit beschäftigt und auseinandergesetzt. Erst hatte ich das Bedürfnis, mich zu rechtfertigen. Das, was die Leute behauptet haben, stimmte einfach nicht. Ich konnte alles beweisen und logisch erklären. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass die Wahrheit irrelevant ist. Die Aufmerksamkeit hat gezählt. Es gibt da draußen nicht nur nette Leute, nicht nur Liebe. Das Ganze kann auch schnell umschwenken – ohne Grund, von heute auf morgen. Einfach so, durch eine Unwahrheit, die die Leute glauben wollten, um einen Grund zu haben, mich zu hassen. Die Erkenntnis macht einen erst traurig, aber dann umso stärker. Man kann es nicht allen Recht machen. Man ist, wer man ist. Und das Wichtigste sind die Menschen um mich rum. Sie haben mir gut zugesprochen, mich unterstützt und bestärkt. Irgendwann hat es einfach wieder aufgehört. 

SIMON BEECK: Da habe ich dann schon unter den jeweiligen Kommentaren deutlich meine Meinung gesagt. Und übelste Entgleisungen auch Facebook gemeldet. Ob jemand so einen Scheiß gegen eine Häuserwand sprüht oder an eine Facebook-Timeline postet, macht für mich keinen Unterschied. Er äußert sich in beiden Fällen öffentlich.

Dagi Bee (geb. 1994 in Düsseldorf) gehört mit über 2,7 Millionen Abonnenten ihres Hauptkanals zu den erfolgreichsten YouTube-Stars in Deutschland. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Schmink-Tutorials im Netz. Inzwischen produziert sie auch sogenannte „Challenge“-Videos und „Follow Me Arounds“. In Gastauftritten war sie auch in den Kinofimen „Fack ju Göhte 2“ und „Er ist wieder da“ zu sehen. Dagi Bee unterstützt u.a. die Anti-Cybermobbing-Aktion #smilestorm. 

Simon Beeck (geb. 1980 in Görlitz) zählt zu den bekanntesten Moderatoren der jungen WDR-Radiowelle 1LIVE. Seit 2012 ist Simon Beeck immer wieder auch im Fernsehen zu erleben, zum Beispiel als Moderator der 1LIVE-Krone-Preisverleihung und einer Jubiläumssonderausgabe von „Geld oder Liebe“. Zusammen mit Linda Zervakis moderierte er im Oktober 2015 die Sondersendung „Deutschland und die Flüchtlinge – Schaffen wir das?“, die live auf allen jungen Wellen der ARD ausgestrahlt wurde. 

klicksafe (www.klicksafe.de) ist eine Initiative im CEF Telecom Programm der Europäischen Union für mehr Sicherheit im Internet. klicksafe wird gemeinsam von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz (Koordination) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) umgesetzt.

klicksafe ist Teil des Verbundes der deutschen Partner im CEF Telecom Programm der Europäischen Union, Safer Internet DE (www.saferinternet.de). Diesem gehören neben klicksafe die Internet-Hotlines internet-beschwerdestelle.de (durchgeführt von eco und FSM) und jugendschutz.net sowie die Nummer gegen Kummer (Helpline) an.

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