Das Internet ist heute die vorherrschende, grenzenlose Quelle für pornografisches Material. „Was the Internet made for porn?“, spitzten es Kulturkritiken zu. In den 1980er-Jahren musste man noch aufwändig nach Videos oder Zeitschriften suchen, deren Erwerb Jugendliche vor so manches Problem stellte. Heute reicht eine Internetverbindung, um anonym und ohne Hürden Pornografie zu konsumieren. Pornografie ist heute härter und mechanischer. Zudem ist die Fülle und die Bandbreite der gezeigten Pornografie größer. "Sado-Maso" ist ebenso leicht abrufbar wie Sodomie oder gespielte Vergewaltigungen.

Auch Kinder und Jugendliche kommen online mit harter Pornografie in Kontakt. Dabei geschieht die erste Konfrontation mit pornografischen Inhalten meist unbeabsichtigt und unfreiwillig z.B. über die Zusendung pornografischer Videos in Chats oder zufällig in Streamingportalen. Viele Jugendliche informieren sich anonym im Netz, um ihre Neugier auf Sexualität zu befriedigen. Hierbei stoßen sie auf pornografische Inhalte. Eltern und Betreuer*innen sollten Kinder und Jugendliche nicht mit diesen verstörenden Erfahrungen alleine lassen und verantwortlich handeln. Zeigen Sie Jugendlichen, wo sie jugendgerechte Aufklärungsseiten und Beratungsangebote im Netz finden. Viele pornografische Inhalte sind im Internet gratis und ohne Zugangsbeschränkung auffindbar. Um die Gefahr einer unbeabsichtigten Konfrontation zu minimieren, können Sie Jugendschutzprogramme verwenden. Klären Sie Kinder und Jugendliche darüber auf, dass das Verbreiten von Kinder-, Jugend- und Tierpornografie in Chats kein Scherz oder Mutprobe ist, sondern eine Straftat.

Aufklärung im Internet

Unabhängig davon, dass das Internet eine reichhaltige Quelle für Pornografie ist, können internetbasierte Angebote eine positive und ergänzende Rolle bei der Sexualerziehung einnehmen. Die hohe Affinität der Jugendlichen zum Internet ist dabei durchaus hilfreich. Ohne Hemmschwellen können sie im Netz anonym Informationen zu brisanten Themen erhalten (s. Beratungsangebote). Eine ungerichtete Suche über populäre Suchmaschinen führt allerdings in den meisten Fällen nicht zu einer seriösen Antwort. Wahrscheinlicher ist, dass Jugendliche auf Inhalte stoßen, die sie noch mehr verunsichern und Sexualität im pornografischen Licht bloßer Technikanwendung erscheinen lässt.

Die Schere zwischen Wissen und Handeln

Trotz umfangreicher Kenntnisse über praktische Aspekte von Sexualität hat das Wissen über den eigenen Körper ebenso wenig zugenommen wie die sexuellen Aktivitäten heutiger Jugendlicher. Jugendliche haben im Vergleich zum Jahr 2000 den ersten Geschlechtsverkehr eher später.
Die Befürchtung einer zunehmenden Sexualisierung der Jugend im Sinne einer deutlichen Vorverlagerung und Zunahme sexueller Erfahrungen - ausgelöst durch das Internet - bestätigt sich also nicht. Die beschriebene Diskrepanz scheint aber den Effekt zu haben, dass sich Jugendlicheschon sehr früh in der Pubertät dem Druck ausgesetzt sehen, medialen Vorbildern bezüglich Sexualität und Körperbildern zu entsprechen.

Falsche und verunsichernde Vorstellungen werden weder in der Peergroup noch in den Medien korrigiert bzw. relativiert. Dazu bedarf es Erwachsener, die einen konstruktiven Zugang zur Sexualität schaffen können.

Eltern und Pädag*innen können...

  • Gesprächsräume schaffen, in denen Jugendliche reden können
  • Jugendliche unterstützen, ein positives Selbstkonzept aufzubauen
  • Informationen geben, Quellen der Aufklärung nennen
  • Grenzen aufzeigen
  • helfen, Tabuisierungen aufzubrechen.

Der Einfluss der veröffentlichten Schönheits- und Schlankheitsbilder ist fatal und das Bemühen um einen Körper, der der Norm entspricht, ist meist aussichtslos. Dabei wollen Jugendliche und auch Erwachsene in erster Linie nur „normal“ sein und sich in ihrem Körper sicher fühlen. Mediale Inszenierungen dienen dabei als Orientierung. Damit Verhaltensweisen und Darstellungen in Medien nicht unreflektiert übernommen werden, sollte Jugendlichen die Möglichkeit zur Reflexion über eigene und inszenierte Körperbilder geboten werden. Der Wunsch nach körperlicher Attraktivität („Bin ich schön?“) ist eng eingebunden in die Suche nach sozialer Anerkennung („Bin ich beliebt?“). Jugendliche erproben ihre Wirkung und Beliebtheit häufig über Selbstdarstellungen in Online-Communitys, v. a. über Profilbilder und selbst angelegte Fotoalben. Sie können dabei jedoch nicht immer einschätzen, welche Reaktionen diese Darstellungen beim Betrachter auslösen, gerade wenn sie sich besonders „sexy“ präsentieren.

Pornografie-Nutzung von Jugendlichen

Die Angaben, wie viele Jugendliche ab 13 Jahren online Erfahrung mit Pornografie gemacht haben, schwanken stark und liegen laut Bravo-Dr.-Sommer-Studie 2009 zwischen 60 % und 80 %. Generell konsumieren Jungen sehr viel häufiger Pornografie als Mädchen, darin stimmen alle Studien überein. Mädchen zeigen häufiger eine Abneigung gegen pornografische bzw. erotische Darstellungen, während Jungen sie eher als erregend beschreiben. Das Interesse an Pornografie ist zudem an das Alter gekoppelt.

Pornografie schafft sexuelle Normvorstellungen

Die Problematik von Pornografie besteht v. a. darin, dass Jugendliche sexuelle Normvorstellungen daraus übernehmen, die wenig mit der Realität zu tun haben. Pornografische Filme und Bilder vermitteln das Bild eines stets potenten Mannes, der von einer stets willigen Frau befriedigt wird und schließlich zum erfüllenden "Facial Cumshot" kommt. Jugendliche können sich und ihre Sexualpraktiken im Vergleich mit dem in Pornos Gesehenen leicht als unzulänglich empfinden. So können sie sich z.B. unter Erfolgsdruck sehen.

Neben einem generellen Erwartungsdruck kann der Konsum von Pornografie aber auch ganz unmittelbar Einfluss auf das eigene Sexualverhalten nehmen. So ist Analverkehr, der in Pornos häufig zu sehen ist, heute für Jugendliche eine durchaus bekannte Sexualtechnik, während er vor Jahrzehnten fast unbekannt bzw. durchgängig tabuisiert war. Durch die Omnipräsenz von bestimmten Sexualpraktiken in gängigen Internet-Pornoportalen können Jugendliche leicht hinsichtlich ihres eigenen Sexualverhaltens verunsichert werden.

Damit das Weltbild, das bei Jugendlichen hinsichtlich Sexualität und Geschlechterbeziehung entsteht, nicht von der Pornoindustrie geprägt wird, bedarf es einer sorgfältigen und behutsamen Behandlung des Themas Sexualität und Pornografie. Ebenso sind Gesprächsangebote, die Jugendlichen Informationen und Hilfen geben wichtig.

Möglichkeiten der Bearbeitung: Baustein 3 des klicksafe-Moduls "Let's talk about Porno".

Beratungsangebote und weiterführende Informationen

Nachfolgend finden sich Links auf Beratungsangebote zum Thema Sexualität, sexuelle Aufklärung und mehr.

  • sextra.de: Online-Beratung der pro familia
  • bzga.de: Informations- und Beratungsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • loveline.de: Jugendportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • schule.loveline.de: Lehrkräfte-Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • nummergegenkummer.de: telefonisches Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern
  • bravo.de/dr-sommer: Liebe, Sexualität und Beziehung sind die Themen, die von „Dr. Sommer“ beantwortet werden.
  • zartbitter.de: Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

Tipps für pädagogische Fachkräfte

Nutzen Sie dazu z.B. unseren Selbsterkundungsbogen für pädagogische Fachkräfte (PDF) bevor Sie mit Jugendlichen in das Thema einsteigen.

Für ein pädagogisches Vorhaben zum Thema Pornografie müssen die Eltern eingebunden werden. Anhand eines Elternabends sollten Motivation und Methodik dargelegt werden, um somit die Eltern für die Bedeutsamkeit der Thematik zu sensibilisieren.

Schauen Sie sich pornografische Seiten im Netz an, auch wenn es Ihnen widerstrebt. Gehen Sie auf Seiten wie YouPorn – um das zu sehen, was die Jugendlichen sehen. Nur wenn Sie über denselben Kenntnisstand wie die Jugendlichen verfügen, können Sie „mitreden“.
 

Materialien und Inhalte, die in den Unterricht mit einbezogen werden, müssen unter Aspekten des Jugendschutzes gewählt und reflektiert werden. Nach § 184 Strafgesetzbuch ist es verboten, Jugendlichen unter 18 Jahren pornografisches Material zugänglich zu machen. Darunter fällt auch die Nutzung von pornografischem Material in der Schule.

Jugendliche haben das Bedürfnis, über Sexualität zu sprechen. Dabei ist es wichtig, ihnen nicht zu nahe zu treten. Eine Hilfe kann sein, sie indirekt anzusprechen, beispielsweise:  „Warum, glaubt ihr, nutzen Menschen Pornografie?“.

Es gibt einen signifikanten Geschlechterunterschied in Konsum, Funktion und Beurteilung von sexualisierten Medieninhalten. Daher ist es ratsam, mit geschlechtergetrennten Gruppen zu arbeiten. Bestenfalls arbeitet ein männlicher Kollege mit den Jungen, eine weibliche Kollegin mit den Mädchen.