Ergebnisse der forsa-Umfrage zum Safer Internet Day 2019 im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW: "Hate Speech und Diskussionsbeteiligung im Internet"

Zum Safer Internet Day veröffentlicht die Landesanstalt für Medien NRW aktuelle Umfrageergebnisse zum Thema „Hass im Netz“. Dabei stand vor allem die Frage im Fokus, ob die Verbreitung von Hate Speech bei den Befragten einen Einfluss auf die Beteiligung an öffentlichen Diskussionen in den Sozialen Medien hat. Durchgeführt wurde die repräsentative Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) mit privaten Internetnutzern ab 14 Jahren im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW.

Zusammenfassung der Umfrage-Ergebnisse

Fast jedem zweiten Befragten (47 %) ist schon einmal Hate Speech in Posts oder Kommentaren in sozialen Medien begegnet und gut jedem Dritten in Kommentarspalten bzw. in Foren bei Nachrichtenwebsites. Jüngere Befragte, darunter insbesondere die unter 25-Jährigen, geben deutlich häufiger als ältere Befragte an, Hate Speech bzw. Hasskommentaren in den Sozialen Medien begegnet zu sein (85 % der 14- bis 24-Jährigen). Einig sind sich nahezu alle Befragte (98%) darin, dass sie es persönlich nicht in Ordnung finden, andere in Sozialen Netzwerken zu beleidigen oder beschimpfen. Mehr als die Hälfte aller Befragten (63 %) finden es außerdem persönlich nicht in Ordnung, Hasskommentare, die sich nicht gegen die eigene Person richten, zu ignorieren. Doch gleichzeitig beteiligen sich noch wenige an öffentlichen Diskussionen im Internet: Nur weniger als jeder Zehnte der 14- bis 24-Jährigen beteiligt sich häufig (7 %) oder sehr häufig (1 %) an öffentlichen Diskussionen im Internet. Die Ursache für diese Zurückhaltung könnte im Hass liegen: Ein Drittel der Befragten, die sich nicht an öffentlichen Diskussionen im Internet beteiligen, stellt nichts online, weil sie Angst vor Beleidigungen haben.

Die Wahrnehmung von Hassrede ganz allgemein im Netz (nicht in einzelnen „Kanälen“ wie z.B. in Posts oder Kommentaren) ist nach forsa-Daten aus dem Sommer 2018 weiterhin ein großes gesamt-gesellschaftliches Problem – und hat sogar zugenommen (über alle Altersstufen hinweg): 78 % der Bevölkerung sieht sich danach mit Hassrede konfrontiert (2017: 67 %), 36 % sogar häufig bis sehr häufig (2017: 27 %).*

*In der Zeitreihe wird von forsa allgemein abfragt, ob man schon mal Hass im Netz begegnet ist (vgl. www.medienanstalt-nrw.de/service/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2018/2018/juli/wahrnehmbarkeit-von-hassrede-weiter-gestiegen.html).

Einzelergebnisse der Umfrage

Wem ist Hate Speech schon mal begegnet?

  • Nahezu jedem zweiten Befragten (47 %) ist schon einmal Hate Speech in Posts oder Kommentaren in sozialen Medien begegnet und gut jedem Dritten (35 %) in Kommentarspalten bzw. in Foren bei Nachrichtenwebseiten.
  • Jüngere Befragte, darunter insbesondere die unter 25-Jährigen (85%), geben deutlich häufiger als ältere Befragte an, Hate Speech bzw. Hasskommentaren im Internet begegnet zu sein.

Das gehört zu Dingen im Internet, die man persönlich in Ordnung findet:

  • Die Mehrheit der Befragten (57 %) findet es in Ordnung, Fotos von sich selbst öffentlich im Internet zu posten.
  • Hasskommentare zu ignorieren, die sich nicht gegen die eigene Person richten, findet etwa jeder Fünfte in Ordnung.
  • Unter 25-Jährige finden es tendenziell häufiger in Ordnung, Fotos von guten Freunden in eine WhatsApp-Gruppe zu stellen, in der diese nicht Mitglieder sind.

Das sind Dinge im Internet, die man persönlich nicht in Ordnung findet:

  • 98 % finden es nicht in Ordnung, die private Adresse von anderen im Internet zu veröffentlichen oder an-dere in sozialen Netzwerken zu beleidigen oder zu beschimpfen.
  • 63 % finden es nicht in Ordnung, Hasskommentare, die sich nicht gegen die eigene Person richten, zu ignorieren.

Wer beteiligt sich an öffentlichen Diskussionen im Internet?

  • 50 % der Befragten geben an, dass sie sich nie an öffentlichen Diskussionen im Internet beteiligen.
  • Etwa ein Zehntel beteiligt sich häufig (7 %) oder sogar sehr häufig (2 %) an öffentlichen Diskussionen im Internet, weitere 41 % beteiligen sich daran weniger häufig.

Ich nehme nicht teil an öffentlichen Diskussionen im Internet, weil …

  • Die große Mehrheit der Befragten, die sich nicht an Diskussionen im Internet beteiligt, ist der Meinung, dass im Netz nicht wirklich diskutiert wird (84 %), dass man nicht an einem Austausch mit fremden Personen im Internet interessiert sei (83 %) oder meint, dass viele Menschen, die im Internet diskutieren, nur provozieren wollen (78 %). Keine Zeit für öffentliche Diskussionen im Internet zu haben, geben 70 % an. Und 67 % möchten nicht, dass ihre Meinung für alle zugänglich im Internet zu lesen ist.
  • Knapp ein Drittel stellt aus Angst vor beleidigenden Kommentaren nichts online (32 %).
  • Mit zunehmendem Alter nimmt tendenziell das persönliche Interesse am Austausch mit fremden Personen ab, während das Bedürfnis steigt, dass nicht die eigene Meinung für alle zugänglich im Internet zu lesen ist.

Die eigene Meinung im Internet teilen

  • Jüngeren Befragten unter 25 Jahren fällt es weitaus leichter als älteren Befragten über 25 Jahren, die eigene Meinung im Internet zu äußern, und ihnen sind auch beleidigende Kommentare häufiger egal.
  • Befragte über 45 Jahren solidarisieren sich tendenziell häufiger als Befragte unter 45 Jahren mit Personen, die im Internet beleidigt wurden und unterstützen diese.

Zielgruppe: Deutschsprachige private Internetnutzer ab 14 Jahren in Deutschland
Stichprobengröße:1.005 Befragte
Befragungsmethode: Online-Befragung anhand eines strukturierten Fragebogens

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