Medienscouts vs. Hass im Netz

Viele Schulen setzen beim Thema „Förderung von Medienkompetenz“ inzwischen auf sogenannte Peer-Education-Projekte. In Nordrhein-Westfalen beteiligen sich aktuell zum Beispiel 766 Schulen aktiv an dem Medienscouts NRW-Angebot, das von der Landesanstalt für Medien NRW 2011 ins Leben gerufen wurde.

Leitgedanke des Projekts Medienscouts NRW ist es, Jugendliche in Medienthemen und in ihrer Beratungs-kompetenz so zu schulen, dass sie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern bei medienbezogenen Fragen und Problemen zur Verfügung stehen („Peer-Education-Ansatz“). Durch die Qualifizierung einer vergleichsweise kleinen Schülergruppe können weitreichende Effekte erzielt werden, da die ausgebildeten Medienscouts anschließend als „Referentinnen und Referenten“ ihre Mitschülerinnen und Mitschüler qualifizieren. Dabei stehen die Scouts den anderen Schülerinnen und Schülern beratend bei ihrer Mediennutzung zur Seite und beantworten Fragen rund um Smartphones, Apps, Internet & Co. Insbesondere bei Themen wie „Cyber-Mobbing“, „Gewaltvideos auf dem Handy“ und „illegale Film- und Musikdownloads“ hat sich dieser Ansatz als sehr förderlich erwiesen. Welche Erfahrungen machen die Medienscouts beim Thema Hass im Internet? Fragen hierzu an den Projektleiter Sven Hulvershorn von der Landesanstalt für Medien NRW.  

Welche Rolle spielt das Thema „Hass im Internet“ im Schulalltag?

Sven Hulvershorn: Wie auch in der Gesamtgesellschaft macht das Thema „Hass im Netz“ nicht vor der Schule halt. Schülerinnen und Schüler sind auch hier mit dem Thema Hass konfrontiert, sei es durch die Medien im Allgemeinen oder durch Äußerungen, die auf dem Schulhof schnell daher gesagt oder durch soziale Netzwerke verbreitet werden. Oftmals werden Äußerungen im Internet, in sozialen Netzwerken, etc. aufgeschnappt und unreflektiert weiter verbreitet, ohne sich um die Konsequenzen Gedanken zu machen. Wichtige Schritte sind hier die Schülerinnen und Schüler aufzuklären, zu sensibilisieren und präventiv zu arbeiten. Dies geschieht vor allem durch Medienscouts an den Schulen.

Wie können die jugendlichen Medienscouts ihren jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler helfen, wenn diese mit Hate Speech in Berührung kommen?

Die Medienscouts können ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auf verschieden Art und Weise unterstützen. Zum einen können sie präventiv arbeiten, in dem sie einzelne Klassenstunden zu dem Thema an der Schule durchführen, Hate Speech bei Projekttagen behandeln und bei speziellen Elternabenden besprechen. Zum anderen bieten die Medienscouts an ihren Schulen Sprechstunden an, in denen sich betroffene Schülerinnen und Schüler entweder persönlich oder online an die Scouts wenden können, um eine persönliche Beratung zu erhalten. Da die Medienscouts selbst noch Heranwachsende sind, bedarf es einer Rückfallposition, d. h. die Scouts benötigen feste Ansprechpartner, an die sie sich selbst bei Fragen zu Inhalten oder zum Umgang mit an sie herangetragenen Problemen wenden können. Hierzu sind Beratungslehrkräfte etabliert worden, die ebenfalls insbesondere mit Blick auf Medieninhalte, rechtliche Grundlagen etc. qualifiziert wurden. Um auch den Beratungslehrerinnen und -lehrern eine Sicherheit in ihrer Funktion zu vermitteln, ist ein dritter Beteiligtenkreis installiert worden, nämlich ein Expertenteam, welches – bestehend aus Expertinnen und Experten zu bspw. rechtlichen und schulorganisatorischen Fragen – den Beratungslehrkräften unterstützend zur Seite steht.

Wie bereiten Sie die jugendlichen Medienscouts auf das Thema „Umgang mit Hate im Netz“ vor?

Das Thema „Umgang mit Hass im Netz“ ist sowohl Thema der Ausbildung der Medienscouts NRW, als auch bei speziellen Aufbauworkshops des Angebots. Die Ausbildung findet an vier bis fünf Workshoptagen mit den Hauptthemenbereichen „Internet und Sicherheit“, „Soziale Netzwerke“, „Smartphones“ und „digitale Spiele“ statt. Zudem werden die Medienscouts und Beratungslehrkräfte in den Themen „Soziales Lernen“, „Kommunikation“ und „Beratung“ geschult. Die Ausbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 7 bis 9 einer Schule der Sekundarstufe I: Haupt-, Real-, Sekundar-, Gesamtschule und Gymnasium sowie Förderschulen. Pro Schule können bis zu vier Medienscouts und zwei Beratungslehrkräfte ausgebildet werden. Das Thema „Hate Speech“ wird hier immer wieder mit eingebaut. Einen vertiefenden Einblick in die Thematik und auch Problematik hinter Hate Speech wird bei dem zur Projektverstetigung genutzten Aufbauworkshops geboten. Bei diesen eintägigen Workshops erleben und reflektieren die Medienscouts und Beratungslehrkräfte, wie es ist Hate Speech ausgesetzt zu sein und wie sie am besten präventiv und unterstützend mit dem Thema arbeiten können. In den vergangen zwei Jahren wurde dieser Workshop 26-mal an den weiterführenden Schulen in den Kreisen in NRW durchgeführt.

Anlässlich des Safer Internet Days am 5. Februar beteiligen sich auch die Medienscouts NRW an der klicksafe-Aktion #lauteralshass. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Die Medienscouts werden ihre Mitschülerinnen und Mitschüler an ihren Schulen unterstützen, die Aktion in welcher auch immer gewünschten Form in Verbindung mit dem von klicksafe zur Verfügung gestellten Megafon umzusetzen. So soll ein lautes Statement gegen Hass gesetzt werden. Dies kann wie schon erwähnt in unterschiedlicher Form geschehen, als Kommentar, als Bild oder als Video. Wichtig ist, dass die Aktion unter den Hashtags #lauteralshass, #klicksafe und #SID2019 in den sozialen Netzwerken sichtbar wird.

Das Interview führte Stephan Tarnow

Nähere Informationen

Download der Pressemappe