Wie schützt man Kinder vor Cybergrooming?

Eltern und Pädagog:innen sollten Kinder und Jugendliche frühzeitig für die Gefahr durch Cybergrooming sensibilisieren. Hier finden Sie Tipps, welche präventiven Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Tipps für Eltern und Pädagog*innen

Suchen Sie das Gepräch

Bleiben Sie mit Kindern und Jugendlichen im Gespräch über ihre Online-Erlebnisse. Fragen Sie regelmäßig nach, welche Netzwerke und Online-Angebote Ihre Kinder nutzen. Signalisieren Sie, dass Sie jederzeit ansprechbar sind, wenn es Probleme gibt. Nur wenige Kinder und Jugendliche bitten aktiv um Hilfe, wenn sie von Cybergrooming oder sexueller Online-Gewalt betroffen sind. Gründe dafür sind in der Regel Scham, das Gefühl, selbst schuld zu sein, aber auch die Angst vor Bestrafung zum Beispiel in Form von einem Internetverbot. Erziehungsberechtigte sollten ihren Kindern daher versichern, dass sie keine Schuld trifft und sie keine Bestrafung oder Verurteilung fürchten müssen, wenn sie sich anvertrauen.

Weisen Sie auf Hilfsangebote und Beratungsstellen hin

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich unwohl damit, über Themen der eigenen Sexualität zu sprechen. Wer diese Dinge nicht mit den Eltern oder anderen Vertrauenspersonen besprechen möchte, fühlt sich vielleicht wohler, ein anonymes Beratungsangebot zu nutzen. Machen Sie Kinder und Jugendliche daher vorsorglich auch auf anonyme Beratungsangebote wie die „Nummer gegen Kummer“ oder das „Hilfetelefon sexueller Missbrauch“ aufmerksam. Eine Übersicht haben wir hier zusammengestellt.

Warnzeichen benennen & Regeln vereinbaren

Täter*innen verwenden häufig ähnlich manipulative Strategien, um sich Kindern und Jugendlichen anzunähern. Sensibilisieren Sie Kinder und Jugendliche für die Warnzeichen. Während für jüngere Kinder gelten sollte, dass sie gar nicht mit Fremden online kommunizieren, werden Eltern solche Beschränkungen bei Jugendlichen nur schwerlich durchsetzen können. Jedoch sollten Sie wichtige Regeln für die Online-Kommuikation frühzeitig einführen und mit Ihren Kindern fest vereinbaren. So sollte klar sein, dass Jugendliche den Kontakt mit fremden Chatpartner*innen in folgenden Fällen sofort abbrechen und Rat bei bekannten Vertrauenspersonen einholen sollen:

  • wenn das Gespräch auf Sexualität bzw. bisherige sexuelle Erfahrungen gelenkt wird.
  • wenn Geldgeschenke oder andere „Vorteile“ (zum Beispiel in Online-Spielen) angeboten werden.
  • wenn das Zuschicken von Bildern oder Videos verlangt wird oder die Webcam genutzt werden soll.
  • wenn das Gespräch schnell in ein privateren Kommunikationskanal (z.B. Skype oder andere Messenger, E-Mail, Telefon) verlagert werden soll.
  • wenn ein Offlinetreffen vorgeschlagen wird.

Im klicksafe-Poster für Kinder und Jugendliche finden sich weitere Hinweise.

Erklären Sie die Gefahren von "Cybersex"

Klären Sie über die Risiken der Online-Kommunikation auf. So ist es ein gängiges Vorgehen von Täter:innen, das Geschehen vor der Webcam aufzuzeichnen oder freizügige Bilder einzufordern. Diese Aufnahmen werden anschließend benutzt, um weitere sexuelle Begegnungen online oder offline zu erpressen. Auch das Erpressen von Geld kommt dabei vor (Sextortion). Außerdem können die Aufnahmen im Internet verbreitet und dort unter Umständen massenhaft getauscht und angeschaut werden. Kinder und Jugendliche sollten sich also darüber im Klaren sein, dass einmal versendete Bilder, Videos und auch der Kontakt per Webcam niemals sicher und privat sind.

Zeigen Sie Abwehrstrategien auf

Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass sie Online-Kontakte jederzeit abbrechen können, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Machen Sie Kinder und Jugendliche darüber hinaus mit den Melde- und Blockiersystemen vertraut, die es auf allen gängigen Plattformen gibt. Nach Möglichkeit sollten alle Versuche von Cybergrooming und sexueller Online-Gewalt gemeldet werden. Täter:innen suchen sich in der Regel nicht nur ein Opfer, sondern kontaktieren massenhaft Kinder und Jugendliche. Selbst wenn man selbst der Gefahr entgangen ist, kann man durch Melden innerhalb der Plattform oder auch eine Anzeige bei der Polizei verhindern, dass Täter:innen andere Kinder und Jugendliche missbrauchen.

Nutzen Sie technische Schutzmaßnahmen

Erziehungsberechtigte sollten bei Einrichtung der Online-Profile (besonders bei den Privatsphäre- & Sicherheitseinstellungen) helfen. Oftmals sind die Grundeinstellungen der Dienste für Kinder unsicher, sodass eine Kontaktaufnahme durch Fremde möglich ist oder alle privaten Bilder frei zugänglich sind. Für die gängigsten Plattformen finden Sie Hilfestellungen dazu im klicksafe-Themenbereich Kommunizieren. Auch an Geräten selbst können Vorkehrungen getroffen werden. Für das Smartphone finden Sie dafür unter anderem Unterstützung in der Broschüre "Smartphones souverän nutzen". Technische Schutzmaßnahmen sind allerdings nur eine von mehreren Säulen der Prävention und können nur schützen, wenn sie mit der Vermittlung von Verhaltensregeln einhergehen (siehe oben: Warnzeichen benennen & Regeln vereinbaren).