Verschwörungstheorien

Über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und YouTube erreichen Verschwörungserzählungen innerhalb kürzester Zeit sehr viele Menschen. Besonders in Zeiten der Verunsicherung, nach Katastrophen oder Unglücken sind Verschwörungstheorien erfolgreich. Sie bieten Antworten und Eindeutigkeit, suchen nach einfachen Zusammenhängen in einer komplexen Welt und hier liegt die Gefahr schaffen stereotype Feindbilder. Auf der Themenseite finden sich Informationen, Videos, Arbeitsmaterialien und weiterführende Links zum Thema "Verschwörungstheorien".

Verschwörungstheorien - ein modernes Phänomen?

Verschwörungstheorien, -mythen, -ideologien oder -erzählungen, gibt es reichlich. Manche wirken harmlos, manche schlicht absurd. Allerdings können sie dennoch gefährlich sein. Viele Verschwörungsideologien richten sich aktiv gegen Regierungen, Wissenschaft, Bevölkerungsgruppen und können Radikalisierungsprozesse beschleunigen. Auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, Verschwörungserzählungen seien besonders mit Aufkommen des Internets populär geworden, sind sie schon immer ein Teil des gesellschaftlichen Lebens gewesen. In unserer komplexen, vernetzten und globalisierten Welt nimmt die Zahl an Verschwörungserzählungen und die Verbreitung jedoch enorm zu.

Während einzelne Falschmeldungen nach Widerlegung eher wieder aus öffentlichen Debatten verschwinden, halten sich Verschwörungsmythen hartnäckiger und verbreiten sich über längere Zeiträume. So existiert der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung in unterschiedlichsten Formen beispielsweise schon seit dem Mittelalter.

Was ist eine Verschwörungstheorie?

Verschwörungstheorien versuchen besondere Ereignisse in der Welt mit Verschwörungen zu erklären. Sie bieten eindeutige Antworten, die im Gegensatz zu einer offiziellen Version der „Wahrheit“ steht. Dabei liegt Verschwörungstheorien meist eine Einteilung  der Welt in "gut" und "böse" oder auch "oben" und "unten" zugrunde. Verschwörungstheorien sind dabei meist nicht in sich schlüssig und stehen im Widerspruch zu belegten Daten oder sogar Naturgesetzen.

Infovideos zum Thema Verschwörungstheorien

klicksafe-Expertentalk mit Pia Lamberty

Sozialpsychologin Pia Lamberty erklärt in 4 Videos, was Verschwörungstheorien sind, welche aktuellen Verschwörungserzählungen verbreitet werden, wo die Gefahren liegen und wie man vorgehen kann, wenn man damit in Berührung kommt. In einem weiteren Video erklärt die Expertin, welche Verbindung es zwischen Verschwörungsglaube und Antisemitismus gibt. Dieses Video findet sich im klicksafe-Kanal auf YouTube.

Über Verschwörungstheorien

Verbreitung von Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien & Corona

Umgang mit Verschwörungstheorien

Populäre Verschwörungstheorien

Obgleich sie unterschiedliche Themenschwerpunkte setzen, so folgen Verschwörungserzählungen meist dem gleichen Muster. Am Anfang steht das Misstrauen gegenüber einer anderen Person oder Personengruppe, der meist viel Macht zugesprochen wird (z.B. Regierungen, Geheimdiensten oder Medien). Aus dem Misstrauen wird schließlich der Glaube an eine Verschwörung, die es aufzudecken gilt. Nachfolgend finden sich exemplarisch einige bekannte Verschwörungsmythen:

Die Mondlandung

Den Wettlauf darum, wer zuerst auf dem Mond landet, haben die USA nach dieser Verschwörungstheorie alles andere als gewonnen. Die Mondlandung soll demnach 1969 von der US-Raumfahrtbehörde NASA in einem Filmstudio inszeniert worden sein.

Das Weltjudentum

Eine der mitunter ältesten Verschwörungstheorien basiert auf dem Glauben daran, dass Juden die Weltherrschaft an sich reißen möchten. Die Erzählung von einer jüdischen Weltverschwörung ist ein Kennzeichen von rechtsextremistischen und antisemitischen Ideologien. Das nationalsozialistische Regime in Deutschland nutzte sie als Legitimationsgrundlagen für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für den millionenfachen Mord von Jüdinnen und Juden in ganz Europa.

Die Reptiloide

Sie sehen aus wie Menschen und nur selten offenbaren sie (versehentlich), dass sie eigentlich reptilienartige Außerirdische sind, die die Erde übernehmen wollen. So sagt es zumindest diese Verschwörungserzählung. Besonders in hochrangigen Politikkreisen sollen sie anzutreffen sein. So wird zum Beispiel verbreitet, dass Angela Merkel, Hillary Clinton und Barack Obama Reptiloide seien.

HIV, Ebola, COVID-19 - Verschwörungstheorien zu Krankheiten

Verschwörungstheorien zu Krankheiten sind nicht neu und sie wiederholen sich beinahe mit jeder neu aufkommenden Krankheit. Hexen oder Juden machte man verantwortlich für die Pest, die Immunschwächekrankheit AIDS sei eine Erfindung der Pharmaindustrie und Ebola habe man als Biowaffe im Labor gezüchtet. Viele der früheren Verschwörungserzählungen tauchen auch in Verbindung mit COVID-19 wieder auf. U.a. wird von Verschwörungsgläubigen verbreitet, die Krankheit sei ein Vorwand, um einen Impfzwang einzuführen, die Pharmalobby zu stärken oder gar die Bevölkerung durch Einpflanzen eines Chips bei der Impfungen kontrollieren zu können.

Wie entstehen Verschwörungstheorien und warum verbreiten sie sich?

Es ist meist nicht klar auszumachen, wo Verschwörungserzählungen ihren Anfang nehmen. Das liegt auch daran, dass neue Verschwörungserzählungen oft gar nicht neu sind, sondern an bereits bestehende Erzählungen anknüpfen.
Den Anfang für neue Verschwörungstheorien bildet stets der Zweifel, dass Ereignisse so abgelaufen sind, wie es die Politik, die Wissenschaft oder die Medien darstellen. Mit dem Zweifel geht die Frage einher: "Wem nützt es?", oder "Wer könnte einen Vorteil davon haben?". Gesucht wird immer nach einem Schuldigen, den es zu entlarven gilt.

Beispiel

Wer könnte einen Vorteil daraus ziehen, wenn sich der Coronavirus verbreitet?

In einer Verschwörungserzählung heißt es etwa, die chinesische Regierung wolle ihre Macht ausweiten, während der Virus die Weltwirtschaft schwächt. Oder aber Bill Gates sei verantwortlich, weil er dafür sorgen möchte, dass alle Menschen geimpft werden, um ihnen dabei heimlich einen Chip zu implantieren.

Für Verschwörungsgläubige ist von Beginn an klar, dass es immer einen Nutznießer von schrecklichen Ereignissen und Katastrophen geben muss. Ausgehend davon wird nach Belegen gesucht, die diese Annahme stützen. Informationen und Tatsachen werden ausgeblendet, wenn sie nicht die eigenen Annahmen bestätigen. Gesucht wird gezielt nach Beweisen, die den eigenen Verschwörungsglauben stützen. Für Verschwörungsgläubige ist es einfacher zu akzeptieren, dass es einen aus dem Hintergrund manipulierenden "Übeltäter" gibt, als anzuerkennen, dass man nicht weiß was vor sich geht oder dass Ereignisse zufällig passieren.

Wie gehen Online-Dienste mit Fake News und Verschwörungstheorien um?

Das Internet ist ein Nährboden für Fake News und Verschwörungserzählungen. Viele werden verbreitet über Messenger-Dienste wie Telegram oder WhatsApp und soziale Netzwerke wie Facebook und YouTube. Die Online-Dienstleister werden schon lange kritisiert und ermahnt, stärker gegen Fake News, Hasskommentare und gegen die Verbreitung von Verschwörungsideologien vorzugehen. Teilweise mit Erfolg: Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie, weisen Google, Facebook und YouTube beispielsweise prominent auf seriöse Quellen zu COVID-19 hin, sobald Nutzer und Nutzerinnen danach suchen. WhatsApp schränkt ein, wie oft ein Beitrag weitergeleitet werden kann. Facebook lässt gemeldete Beiträge von unabhängigen Fact-Checkern prüfen und markiert sie gegebenenfalls als Falschmeldung. Zudem wird versucht, Falschmeldungen durch Zuhilfenahme von Algorithmen zu identifizieren und auszublenden.

Tipps zum Umgang mit Fake News und Verschwörungserzählungen

Nicht immer erkennt man Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen sofort als solche. Umso wichtiger ist es, Informationen immer zunächst kritisch zu prüfen, sie nicht vorschnell zu teilen und somit die Verbreitung von Falschmeldungen und Verschwörungsideologien zu verhindern.

Überschriften kritisch betrachten

Möchte jemand Falschmeldungen oder Verschwörungstheorien mit möglichst großer Reichweite verbreiten, werden dafür oft reißerische Überschriften verwendet ("700 Euro Weihnachtsgeld für Flüchtling!", "Merkel hofft auf 12 Millionen Flüchtlinge", "McDonalds verwendet Menschenfleisch!", "Gates kapert Deutschland!"). Ziel ist es durch solche Überschriften, die Leserinnen und Leser zu emotionalisieren. Es gilt: Wenn schockierende Behauptungen in einer Überschrift unwahrscheinlich klingen, sind sie es vermutlich auch.

Quellen prüfen

Wer steckt eigentlich hinter der Nachricht? Stammen die angegebenen Informationen von einer Quelle, der man selbst vertraut und die für ihre Glaubwürdigkeit bekannt ist? Wird gar keine Quelle angegeben oder auf ungenannte Experten verwiesen, sollte man die Meldung sehr kritisch bewerten.

Hinweis: Vorsicht vor "falschen" Experten und Expertinnen! Besonders im Rahmen von Verschwörungstheorien werden Behauptungen gerne auf die Bestätigung vermeintlich seriöser Personen (Professoren und Professorinnen, Ärzte und Ärztinnen usw.) gestützt. Diese Experten und Expertinnen gilt es genauer anzusehen und nicht jedem Doktortitel gleich Vertrauen zu schenken. So kann man fragen: Hat die Person tatsächlich Expertise in dem Bereich, um den es geht? Und woran arbeitet sie oder er aktuell?

Fakten checken

Ist die Information wirklich korrekt? Haben andere, vertrauenswürdige Nachrichtenquellen dieselbe Meldung veröffentlicht? Oder wurde hier etwas erfunden, aus einem anderen Kontext entnommen oder verkürzt dargestellt, ohne alle Fakten zu berücksichtigen? Faktenchecker, wie CORRECTIV, ARD-Faktenfinder oder mimikama können bei der Aufklärung helfen (siehe auch Liste unten).

Auf Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen hinweisen

Haben Menschen aus dem persönlichen Umfeld eine Falschmeldung oder Inhalte von Verschwörungsideologen geteilt? Vielleicht haben sie nicht gewusst, dass der Inhalt von einer unseriösen Quelle stammt. Dann ist es wichtig, in einer privaten Nachricht respektvoll darauf aufmerksam zu machen. Aber Vorsicht: Manche Themen können die Gemüter in einer Diskussion stark aufheizen. Solche Streitgespräche sind wenig zielführend.

Problematische Inhalte melden

Es gibt immer auch die Möglichkeit, unangemessene Inhalte direkt bei den Online-Diensten zu melden. Dies sollte man in jedem Fall tun, wenn es sich um rechtsextremistische, gewaltverherrlichende, antisemitische oder gesundheitsgefährdende Inhalte handelt.

Fakten checken

Die Fähigkeit, Informationen korrekt einzuschätzen, ist angesichts der Masse und der neuen Qualität an Falschmeldungen nicht immer so leicht. Fakten-Checker können weiterhelfen: