Counter Speech

Gegen Hate Speech - Offline und online

Menschen sind von Hate Speech in sehr unterschiedlicher Art und Weise betroffen. Wer sich mit Hassreden im Netz auseinandersetzt, sollte deshalb nicht nur Medienkompetenz vermitteln und für eine faire Diskussionskultur eintreten, sondern auch inhaltlich über diskriminierende Strukturen im analogen Leben informiert sein.

Grundsätzlich gilt: Niemand sollte im öffentlichen Raum Gewalt fürchten müssen. Und natürlich gilt dies ebenso für den digitalen Lebensraum. Rassistischen und menschenverachtenden Stimmen entgegenzutreten ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Offline und online.

Sich den Hassreden im Netz entgegenzustellen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier sind Eltern und pädagogische Fachkräfte vor allem in ihrer Vorbildrolle gefragt. Insofern gelten die genannten Tipps für Jugendliche auch für Erwachsene, um im Netz Verantwortung zu übernehmen. Eltern und Fachkräfte können den Umgang mit Hate Speech zudem mit Jugendlichen besprechen bzw. in der pädagogischen Arbeit zum Thema machen.

Quelle: https://no-hate-speech.de/de/kontern/fuer-gegen-alle-hate-speech

Aktiv werden gegen Hate Speech

Tipps für Jugendliche

Hate Speech (englisch für „Hassrede“) ist digitale Gewalt, die über Sprache, Worte und Bilder verbreitet wird. Hate Speech zielt mit Hass auf ganze Gruppen, die auch außerhalb des Internets ausgegrenzt und angefeindet werden. Hate Speech beleidigt, bedroht und verachtet Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Hate Speech sorgt in Sozialen Netzwerken für ein feindliches Klima, das auch Gewalttaten im realen Leben auslösen kann.
Aber jeder Mensch kann dazu beitragen, dass Hass im Netz sich nicht weiter verbreitet. Auch du!

AKTIV WERDEN!

Das Internet ist dein Lebensraum. Übernimm Verantwortung und sorge dafür, dass Rassismus, Sexismus und Hetze im Netz keinen Platz finden. Hater und Dauer-Störer (sogenannte Trolle) dürfen in Sozialen Medien nicht dafür sorgen, dass sich Mädchen oder Jungen aus Angst vor Gewalt zurückziehen. Zeige Zivilcourage – online und offline.

EINMISCHEN ERLAUBT!
Beziehe Position für ein weltoffenes und respektvolles Miteinander. Weise andere darauf hin, wenn du das, was sie posten, für rassistisch hältst. Informiere dich, argumentiere gegen Hetze im Netz, betreibe Widerstand mit Worten. So haben Rassisten und Menschenfeinde nicht das Gefühl, im Sinne einer schweigenden Mehrheit zu handeln.

RESPEKT IM NETZ!
Achte auf Netiquette und einen fairen Umgangston – auch Worte können andere verletzen. Vermeide aggressiv klingende Pseudonyme. Schaue auch bei vermeintlich lustigen Seiten darauf, ob die Späße nicht auf Kosten anderer gemacht werden. Diskriminierung ist nicht lustig! Pass auf, dass du nicht selbst Sprachmuster benutzt, in denen Vorurteile stecken (z. B. „Das Boot ist voll.“).

Kommunikationskultur fördern

Die langfristige Prävention von Hate Speech braucht eine solide Basis. Heranwachsende benötigen Erfahrungsräume, um eine sachliche, offene und wertschätzende Debattenkultur zu entwickeln. Dazu gehören echte Partizipationsmöglichkeiten zur Mitgestaltung ihrer (digitalen) Lebenswelt, durch die sie den Wert demokratischer Prozesse erleben können. Sie sollten in der Auseinandersetzung mit anderen gezielt lernen, konstruktives Feedback zu geben und auch selbst anzunehmen.

Weiterhin braucht es pädagogische Fachkräfte und Eltern, die die inhaltliche Auseinandersetzung suchen. So lassen sich eben jene alltäglichen Diskriminierungsstrukturen aufbrechen, die den Nährboden für Hate Speech liefern: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus, Sexismus sowie Homo- und Transphobie.

Auch eine geschlechtersensible Pädagogik, die Genderfragen und Sexualität in den Blick nimmt, kann einen wichtigen Baustein zur Prävention von Hate Speech liefern. Dies gilt ebenso für interkulturelle Ansätze oder die Thematisierung von Glaubensfragen in der Arbeit mit Jugendlichen. Konkrete Materialien für die Arbeit zu diesen und anderen Themen finden sich u. a. auf www.klicksafe.de (z. B. die Materialpakete „Ethik macht klick“ und „Let´s talk about Porno“), www.ufuq.de (Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus), www.gender-nrw.de (Fachstelle Gender NRW) oder www.pinkstinks.de zum Thema Geschlechterrollen.

Handlungskonzept für Einrichtungen

Einrichtungen und Gruppen, die über Social-Media-Kanäle kommunizieren wollen, brauchen eine Strategie zur Administration des Online-Angebots, um einheitlich vorzugehen. Dazu gehören bestimmte Maßnahmen: z. B. unerwünschte Kommentare individuell zu kommentieren, beim Plattformbetreiber zu melden und/oder zu löschen. Dauer-Störer (sogenannte Trolle) sollten geblockt werden. Bewährt hat sich ein festes Redaktionsteam. Dafür sollten vor allem Mitarbeiter/-innen aus öffentlichen Einrichtungen gegenüber dem Arbeitgeber entsprechende Zeitfenster oder Arbeitszeit einfordern.

Administratoren sollten vor allen Dingen sichtbar sein und sich nicht von Zensur-Rufen einschüchtern lassen. Es gilt, aufgestellte Gesprächsregeln einzuhalten und im Falle von Verstößen rigoros zu löschen. Hat eine Einrichtung kein ausreichendes Zeit- oder Personalkontingent, um die Internet-Präsenz intensiv zu betreuen, kann sie Kommentarfunktionen einschränken oder abschalten. Nutzer/-innen können Beiträge dann trotzdem weiterhin teilen, liken oder retweeten.

Tipps zum Aufstellen von Regeln bietet z. B. die Seite www.belltower.news (ehemals: www.netz-gegen-nazis.de), die viele konkrete Reaktionsmöglichkeiten auf rechtspopulistische Gesprächsstrategien nennt.

Grundsätzlich lohnt es sich immer, mit Nutzer/-innen in Kontakt zu treten und ansprechbar zu sein. So fühlen sich diese ernstgenommen und sind im akuten Fall eher bereit, Zivilcourage zu zeigen, sich einzumischen oder Verstöße zu melden. Langfristig sind engagierte Nutzer/-innen die beste Antwort auf Hasskommentare. Denn Trolle und Hater sind nicht die breite Masse.