Selbstinszenierung der YouTube-Stars: Was steckt dahinter?

Wie erlangen YouTuber*innen überhaupt eine solche Berühmtheit? Was macht sie bei ihrem Publikum so beliebt und welche Motivation steckt hinter dem Wunsch YouTuber*in zu werden? Um diese Fragen beantworten zu können, sind die Begriffe Selbstdarstellung und Selbstinszenierung von großer Bedeutung.

Der Drang zur Selbstdarstellung ist allgemein betrachtet kein neues Phänomen, das erst durch das Internet zustande gekommen ist. Schon der Soziologe Erving Goffman beschäftigte sich in den 1960ern mit dem Thema der Darstellung des Selbst.

Damals wie auch heute versuchen wir uns vor unserem Gegenüber in Szene zu setzen. Positive Merkmale sollen in den Vordergrund gerückt werden und negative Seiten der Persönlichkeit in den Hintergrund. Mit dem Drang zur Selbstdarstellung entsteht auch der Wunsch nach Perfektionismus, Anerkennung, Lob und Bewunderung. Bereits in alltäglichen Situationen bemühen wir uns bewusst und unbewusst, unsere Person "in das rechte Licht zu rücken". Die Inszenierung der Rolle, die YouTuber*innen ihre Fans einnehmen, gehört zu einem der wichtigsten Aspekte des Erlangens von möglichst großer Beliebtheit und somit von möglichst vielen Klicks ihrer Videos.

Neben dem Spaß an der Selbstinszenierung und den positiven Rückmeldungen die dadurch erreicht werden, geht es YouTube-Stars also nicht nur um die Bestätigung ihrer Person oder ihrer Rolle, sondern auch um den wirtschaftlichen Aspekt.

Die YouTuber*innen verkörpern das, was ihre Fans von ihnen erwarten. Nicht umsonst werden sie oftmals als "Stars zum Anfassen" bezeichnet. Durch das Kommunizieren über YouTube oder Twitter und Instagram vermitteln sie ihren Fans das Gefühl von Nähe und Freundschaft oder fungieren als Berater ihrer Anhänger.

Beauty und Lifestyle

Besonders durch das Genre Beauty und Lifestyle werden Rollenvorbilder vorgegeben, die bei vielen Fans ein falsches Bild von dem "Star von nebenan " vermitteln. Einige YouTuber*innen zeigen sich in ihren Videos ungeschminkt und betonen immer wieder die Wichtigkeit einer eigenen Identität. Inzwischen entwickeln sich die Stars jedoch immer mehr hin zum Kommerz und der Monetarisierung, die die Plattform bietet.

Die Naivität von Jugendlichen, deren Glaube fest daran hält, dass ein Star wie Bianca Heinecke mit ihrem YouTube-Kanal Bibis Beauty Palace, ohne Hintergedanken Make Up und Kleidungsstücke von großen Firmen in die Kamera hält, ist nicht zu unterschätzen. Das hübsche Mädchen, scheinbar von nebenan, das sich Unmengen von Make up und Kleidung leisten kann, die in den Urlaub auf die Malediven geht und dessen Outfits und Styling in den Videos immer perfekt abgestimmt sind, lassen die jugendlichen Fans utopische Vorstellungen eines "normalen Lebens" erschließen. Die "beste Freundin", die den Mädchen zeigt, welche Produkte man unbedingt haben muss, ist durch ihren großen Einfluss auf ihre Fangemeinschaft ein perfektes Werbemedium.

Let´s Plays

Auch die Anhänger*innen von „Let´s Play“-Kanälen werden „getäuscht“, wenn sie denken, dass ihr Star neue Video-Spiele nur aus Spaß kommentiert und weiter empfiehlt. Dahinter stehen genauso große Werbedeals mit Computerspielherstellern. Für sie bedeutet eine Vermarktung über den YouTube-Star, der als "Computerspielkumpel"  betrachtet wird, eine Steigerung ihrer Verkaufszahlen.

YouTube-Star als Berufswunsch

Auch der Wunsch, später selbst ein YouTube-Star zu werden, ist in der jugendlichen Gemeinschaft weit verbreitet. Zwar wissen viele Jugendliche nicht genau, wie die YouTuber*innen ihr Geld verdienen und wie sehr ihre Vorbilder und Idole sie beeinflussen. Doch dass man als YouTuber*in Geld verdienen kann, ist den meisten bewusst. Wo steckt jedoch nun wirklich das Geld in einem erfolgreichen YouTube-Kanal? Und wer verdient das Geld mit welchen Mitteln?