So verändert Corona die Mediennutzung – worauf Eltern jetzt achten sollten

Digitaler Unterricht, Freunde treffen im Videochat, FIFA zocken statt Fußballtraining ─ Kinder und Jugendliche verbringen in der Corona-Krise mehr Zeit vor Bildschirmen. Viele Eltern fragen sich, welche Mediennutzungszeiten unter diesen besonderen Umständen angemessen sind. Tipps und Hinweise von klicksafe.

Die Sonderbefragung „JIMplus Corona“ zum Medienumgang von Schülerinnen und Schülern während der ersten Phase der Schulschließungen ergab, dass die Mediennutzung im Alltag der 12-19Jährigen  gestiegen ist. So verbrachten die Jugendlichen nach eigenen Angaben mehr Zeit als vorher mit YouTube Videos (82 %), Musikhören (78 %), Streaming-Diensten (71 %) und Fernsehen (54 %). Dies zeigt sich auch in den Nutzungszeiten: Im Schnitt verbrachten Jugendliche pro Tag etwa zwei Stunden (121 Min.) mit Lernen und Streaming-Diensten (114 Min.), Musikhören (100 Min.), YouTube Videos (92 Min.) und Fernseher (70 Min.) wurden ebenfalls intensiv genutzt.

Für Familien ist der veränderte Alltag mit erweitertem Online-Lernen eine Herausforderung und verlangt ein Umdenken beim Thema Bildschirmzeiten. Welche Regeln müssen an den neuen, digitaleren Alltag angepasst werden? Woran möchte man im Familienalltag festhalten? Wir geben im Folgenden Tipps und Hinweise für die Mediennutzung in Corona-Zeiten.

  • Viele Kinder und Jugendliche nutzen im Zuge des Homeschoolings Medien als Werkzeuge für schulisches Lernen. Diese zusätzliche Zeit vor dem Bildschirm sollte nicht von vereinbarten Mediennutzungszeiten abgezogen werden. Hier gilt es zu unterscheiden, zwischen Freizeit und Lern- bzw. Arbeitszeiten.
  • Mediennutzung ist nicht gleich Medienkonsum: Es empfiehlt sich generell bei der Nutzung von Medien zu unterscheiden, was Kinder und Jugendliche konkret mit Medien machen. So sollte die kreative und informationsbezogene Nutzung, zum Beispiel das Recherchieren per Smartphone nach einer geeigneten Bastelanleitung, positiv bewertet werden.
  • Medienkonsum regulieren und im Gespräch bleiben: Für Eltern ist es oft schwierig zu beurteilen, was ihre Kinder am Bildschirm machen. Sie sollten besonders jetzt noch genauer hinschauen, wann und wie lange ihre Kinder Zeit in digitalen Games und sozialen Netzwerken oder mit Serienschauen verbringen. Diese Form des Medienkonsums sollte auch in Corona-Zeiten in die unterrichtsfreie Zeit bzw. nach Bearbeitung der Schulaufgaben gelegt werden. Sie sollte, wie zuvor auch, zeitlich begrenzt sein. Bleiben Sie daher im Austausch, welche Aufgaben Ihr Kind digital zu erledigen hat und wie viel Zeit es dafür aufwendet.  
  • Besonders jetzt sollten Eltern auf bildschirmfreie Zeiten und Bewegungspausen achten. Auch zu Hause gibt es viele non-mediale Aktivitäten, die kurzweilig sind. Ganz besonders jüngere Kinder brauchen analoge Tätigkeiten, um Medienerlebnisse zu verarbeiten.
  • Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Spiel und Freizeit, auf die Teilhabe am kulturellen und künstlerischen Leben und ein Recht auf Zugang zu den Medien. Diese Rechte werden garantiert durch die Konvention über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen. Wenn unter den aktuellen Kontaktbeschränkungen die Wahrung dieser Rechte nur durch digitale Medien gewährleistet werden kann, sollte der Zugang zu diesen nicht unverhältnismäßig beschränkt werden. Voraussetzung ist, dass Sie diesen Medienzugang sicher und altersgerecht einrichten. Informationen dazu finden sich im klicksafe-Elternbereich.
  • Es ist wichtig, Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten, allerdings ist dabei immer Alter und Entwicklungsstand des Kindes zu berücksichtigen. Generell gilt: Auch Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre zum Beispiel im Rahmen ihrer digitalen Kommunikation. Für Eltern kann dies einen Balanceakt zwischen Fürsorgepflicht auf der einen Seite und der Wahrung des Rechts auf Privatsphäre des Kindes auf der anderen Seite sein. Als Erziehende sind Sie Experten für Ihre Kinder und wissen am besten, welche Freiräume sie ihnen zugestehen können. Ideal ist es, wenn Ihre Kinder wissen, dass Sie bei auftretenden Problemen immer als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
  • Kinder und Jugendliche orientieren sich in ihrem Verhalten an Vorbildern in ihrer Umgebung. Wenn Regelungen zur Mediennutzungszeit in der Familie gefunden werden sollen, müssen Erwachsene also auch immer ihre eigene Vorbildfunktion mitdenken.
  • Geregelte Mediennutzung: Einfache Grundregeln, wie zum Beispiel ein Smartphone-Verbot beim gemeinsamen Familienessen, sollten natürlich auch in der Corona-Krise bestehen bleiben. Bei Saferinternet.at finden Sie gute Ideen, für welche Bereiche sich gemeinsame Regeln anbieten.

Gemeinsame Regeln finden
Klare Vereinbarungen stärken die Eltern-Kind-Beziehung und das gegenseitige Vertrauen: Um Streit oder Diskussionen über die Smartphone-, Computer-, Fernseh- oder Internetnutzung in Familien zu vermeiden, kann ein gemeinsam und frühzeitig erstellter Mediennutzungsvertrag helfen.

In Ergänzung zu klaren Regeln können Mediengutscheine helfen. Sie sind eine gute Möglichkeit, um besonders für jüngere Kinder Zeit zu veranschaulichen. Mediengutscheine unterstützen Familien aber auch dabei, Zeitvereinbarungen einzuhalten und helfen Kindern dabei, sich die „erlaubte“ Zeit eigenständig passend einzuteilen. So übernehmen Kinder schrittweise mehr Verantwortung bei der Mediennutzung.

Nicht jede Familie fühlt sich wohl mit dieser Art formalen schriftlichen Regelungen. Selbstverständlich können diese Absprachen auch mündlich getroffen werden. Vereinbarte Regeln, egal ob schriftlich oder mündlich, sollten Sie immer wieder auf ihre Tauglichkeit überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

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